Drachenaug' und Wüstensand

          
Noch keine Bewertung.

Klar. Drachen machen sich auf Titelbildern gut. Das große Auge eines Drachens, das den Leser beobachtet auch – selbst wenn es nicht den Feuerrand des Dunklen Herrn Sauron besitzt. Wellen gehören eben ausgenutzt. Und was ist schon eine Reichsstraße oder ein Wald? Nein, das ist ja ordinär! Da bildet man doch nicht die Helden ab und nimmt es schon gar nicht als Titel! Schließlich muss das Bild ja nichts mit dem Buch zu tun haben.

So scheinen zumindest einige Coverkünstler zu denken oder derjenige, der die Auswahl trifft. Ein gewisser Wolfgang Hohlbein schaffte dies schon zuvor mit einem das Wort „Fantasy“ beinhaltenden Titel, der ein Buch zierte, das Fantasy nur in geringem Maße beinhaltete – aber das ist eine andere Geschichte.

In letzter Zeit fällt es mir doch zunehmend auf, dass ich bei fast jeder Kritik auch das Titelbild kritisiere. Nicht weil es schlecht ist – so viel Verstand besaßen die Verlage bisher noch. Nein, weil es einfach unpassend ist. Nehmen wir einfach mal „Das Daimonicon“, einen DSA-Roman.

Es zeigt ein riesiges Drachenauge und eine junge Frau mit Schwert und einem Taschendrachen auf dem Arm. Mit dem Inhalt hat es nicht nur ungefähr gar nichts sondern EXAKT gar nichts zu tun. Es kam weder ein großer Drache noch ein kleiner Taschendrache noch besagte Frau mit Schwert und Lederkleidung im Buch vor...

Oder „Die Schwärze der Nacht“. Wer soll der Kerl mit der Armbrust sein? Der einzige erwähnte Träger einer solchen Waffe besaß sie im Miniaturformat – wovon hier keine Rede sein soll. Was das feurige Schwirren soll? Bitte fragen Sie nicht! Ich habe keine Ahnung. Es soll wohl magisch oder dämonisch wirken – zu schade, dass es hier absolut unpassend ist.

Ad Tertio: „Der geheime Pfad“. Eine Person erkenne ich wieder, stellte mir diese ganz anders vor, aber ok, sie ist erkennbar. Aber der Rest? Nein. Der Krieger kam nicht vor, der erwähnte trug Metallrüstungen. Gleiches gilt für die anderen – und was zum Dämonensultan macht da Sand? Viel Sand zudem, eine Wüste. Der Roman spielt nicht einmal in der Nähe der Khomwüste sondern im Mittelreich.

Auffällig ist, dass dies alles Romane aus der DSA-Serie waren – liegt es daran?

Was erhofft sich der Verlag davon, falsche Titelbilder zu benutzen? Soll der Kunde bewusst getäuscht werden? Eigentlich kaum vorstellbar, noch dazu bei einer Serie, die zu großen Teilen von den DAS spielenden Rollenspielern leben dürfte. Wer im Glauben, das Titelbild auch im Roman zu finden, zugreift, der wird schlicht und ergreifend getäuscht. Aber wozu? Ist das denn nötig? Ich denke da an einfache Titelbilder wie das von „Schwert und Kelch“, das eben einen Schwert und einen Kelch zeigt. Oder das Cover des Fortsetzungsromans „Stein und Efeu“, welches an einer Mauer empor kletterndes Efeu zeigt.

Diese Titel wirken doch auch nicht uninteressant!

Viele Beispiele zeigen doch, dass es anders geht, wie auch die Neuauflage des „Zerbrochenen Schwertes“. Ein einfaches Wikingerschiff mit rotem Himmel im Hintergrund. Was will man mehr? Jeder Fantasyfan, der insbesondere Wikinger liebt, wird sich gleich zu diesem Buch hingezogen fühlen und vermutlich den Klappentext lesen, bei Gefallen und gefüllter Geldbörse zugreifen.

Wie enttäuscht und betrogen wird er sich vielleicht fühlen, wenn in der ganzen Geschichte kein Schiff oder Wikinger auch nur im entferntesten vorkommt?

Darum ein guter Rat an die Verlage, Lektoren, Druckereien, Künstler – wer auch immer am Titelbild mitwirkt und mitentscheidet: Macht doch BITTE passende Titelbilder - von Geflunkere hat keiner etwas und letzten Endes fällt es nur negativ auf Künstler, Autor und Verlag zurück.

Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 02.08.2003 und zuletzt geändert am .

Teilen auf:     Teile dies auf Facebook   Teile dies auf GooglePlus   Teilen auf Twitter

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?

          


Dein Kommentar





Grimoires.de auf Facebook
Grimoires.de auf GooglePlus
Grimoires.de auf Twitter
Zum Seitenanfang