Interview mit André Wiesler

          
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Interview mit André Wiesler

NZ (Nico Zorn):Im Voraus schon einmal Danke für das Interview

AW (André Wiesler): Gern geschehen :-)

NZ: Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen? Das berufliche Umfeld bietet ja zahlreiche Quereinstiege.

AW: Ich bin eigentlich geradewegs darauf zugestürmt (lacht). Ich habe zwar recht spät mit dem Schreiben angefangen (etwa mit 16 Jahren), aber seitdem war mir klar, dass mein Beruf irgendwas damit zu tun haben sollte. Während der ersten Jahre meines Studiums bin ich dann mehr oder weniger zufällig dazu gekommen, TV-Sketche zu schreiben, bin dabei geblieben und habe mein Arbeitsfeld von dort aus erweitert. In letzter Zeit liegt meine Schwerpunkt mehr in Richtung Schriftstellerei.

NZ: Und warum Fantasy?

AW: Ich lese gerne gut gemachte Fantasy und genieße die Freiheiten, die einem das Genre lässt.

NZ: Wieso Shadowrun? Und wieso DSA?

AW: Ich spiele beides sehr gern. Außerdem war Phoenix bzw. FanPro ein Verlag, bei dem ich mich gleich gut aufgehoben gefühlt habe, erst bei Sarah Nick, zurzeit bei Catherine Beck.

NZ: Beim "König der Diebe" fiel mir auf, dass über die Vergangenheit der "Maske" doch sehr wenig gesagt wird. Gibt es da noch einen Hintergrund, der uns irgendwann begegnen wird?

AW: Es gibt einen Hintergrund, der aber hauptsächlich diffus in meinem Kopf existiert. Die Maske redet nicht gern darüber und in der rasanten Geschichte des "Königs" bleibt für Hangard keine Zeit, sie "auszuquetschen". Da keine weitere Geschichten um die Maske oder Hangard geplant sind, wird dem Leser ihre Vorgeschichte vermutlich für immer verborgen bleiben (lacht).

NZ: Och Männo ;) Das wäre doch mal ein Ansatzpunkt für weiteres Self-Marketing, so ganz ohne Druck irgendwann diesen Hintergrund zu vertexten und den Fans auf der Seite zu präsentieren – ich könnte mir vorstellen, dass es einigen zusagt... Was meinst du?

AW: Falls die Resonanz der Leser in diese Richtung geht, wäre so ein Prequel sicher möglich - zurzeit aber ist es zumindest nicht geplant und könnte ohnehin erst frühestens Ende 2006 in Angriff genommen werden. Bis dahin bin ich weitgehend schriftstellerisch "ausgebucht", unter anderem weil die Simmonsfans sich sehr laut zu Wort gemeldet haben und dafür voraussichtlich Ende nächsten Jahres belohnt werden sollen :-)

NZ: Wie lange hast du für den 'König', 'Das Artefakt' und 'Shelley' gebraucht?

AW: Das ist schwer zu sagen. Shelley lag ja vor der Veröffentlichung bereits einige Jahre in einem ersten Entwurf in der Schublade und auch bei den anderen Romanen gab es immer mal wieder Phasen der Ruhe zwischen den Schreibphasen. Grob überschlagen würde ich sagen, zwischen 4 und 6 Monaten reine Schreibzeit, bei 7 Arbeitstagen und geschätzten 65 Arbeitsstunden die Woche.

NZ: Beim Titel "König der Diebe" fällt mir gleichzeitig noch Robin Hood ein.Es gab ja sogar einmal einen Film mit exakt diesem (Unter-) Titel. Hat Robin die Figur Hangard irgendwie beeinflusst oder ist der (zweifellos passend) gewählte Titel einfach "Zufall"?

AW: Die Geschichte entwickelte sich um die Grundidee des Diebeswettbewerbs und da kam der Titel schnell in den Sinn. Ursprünglich war es ein sogenannter Arbeitstitel, aber er hat allen Beteiligten bis zum Schluss gut gefallen, darum wurde er beibehalten. Und Hangard hat ja auch viel von einem Robin Hood - er ist nur nicht ganz so freigiebig (lacht).

NZ: Stimmt, wie man insbesondere im Kontrast zu seinem tulamidischen Rivalen sieht.

Welches sind deine persönlichen Lieblingsfiguren im 'König'?

AW: Ich mag die tragische Figur des Bettlers besonders gern, auch wenn er nur eine kleine Rolle spielt. Auch vom Mondschatten weiß ich heute noch (das Buch ist ja bereits seit über einem Jahr fertig), dass er mir beim Schreiben viel Freude gemacht hat. Und natürlich Hangard.

NZ: Gibt es eine Möglichkeit für Fanpost oder Kritik, die du auch öffentlich nennen möchtest? Wie waren bisher die Reaktionen?

AW: Natürlich, unter www.andrewiesler.de gibt es die Möglichkeit, mit mir Kontakt aufzunehmen und sich über mein Schaffen zu informieren. Die bisherigen Reaktionen waren nach allem, was ich mitbekommen habe, überwiegend positiv und das freut mich natürlich, vor allem weil der König ja mein Erstlingswerk war, auch wenn er nach den beiden anderen Romanen erschienen ist.

NZ: Was soll das heißen „soweit ich mitbekommen habe“? Das klingt, als ob du in irgend einem Paralleluniversum sitzt und gelegentlich mal die Meinung eines zufälligen Lesers aufflackert ;). Woher nimmst du dein Feedback, wenn es nicht direkt zugesandt wird? Ich vermute einfach mal, die Amazon-Kommentar-Lektüre und eine Schnellsuche via Google bilden da einen „Grundstock“?

AW: Genau - und ich schaue natürlich auch regelmäßig im FanPro-Forum vorbei.

"Soweit ich mitbekommen habe" bezieht sich schlichterdings auf die Meinungen, die im Internet, in Druckpublikationen oder in Mails an meine Adresse öffentlich gemacht werden. Wie viele Leser mein Buch in ihren eigenen vier Wänden möglicherweise empört in die Ecke pfeffern oder gut finden, weiß ich natürlich nicht und möchte ich mir zu prognostizieren auch nicht anmaßen. Insofern muss sich meine Einschätzung der Resonanz auf die Meinungen stützen, die ich zu Gesicht bzw. Gehör bekomme, und die waren bisher weitgehend positiv, was mich natürlich sehr freut :-)

NZ: Welches Werk hat dich in literarischer Hinsicht besonders geprägt? Welche literarischen Charaktere?

AW: "Die unendliche Geschichte" war mein Einstieg in die Welt "echter Bücher" - davor hat meine Lektüre vorrangig aus Comics bestanden. Es ist bis heute eines meiner Lieblingsbücher und Michael Ende eines meiner Vorbilder.

NZ: Welche Autoren prägen deiner Meinung nach besonders die heutige Fantasy und Phantastik?

AW: Wenn es um Masse geht, ganz klar Hohlbein, der ja überall präsent ist. Pratchett halte ich für einen Autoren, der dem Phantastischen neue Dimensionen gegeben hat; Piers Anthony und natürlich George R.R. Martin sind ebenfalls erwähnenswert. Ansonsten gibt es wenige richtungsweisende Autoren - viele hervorragende Leute tummeln sich in diesem Teich, aber nur wenigen gelingt es, herauszuragen.

NZ: Und welche waren allgemein prägend für genannte Genres?

AW: J.R.R. Tolkien fällt einem da sicher als erstes ein. Ohne weitere Recherche könnte ich dann aus dem Gedächtnis nur noch Robert E. Howard aufführen, der Conan geschaffen hat - das schlechte Namensgedächtnis hat wieder zugeschlagen (lacht).

NZ: Die beste Entscheidung deines Lebens war...

AW:...meine Frau zu heiraten.

NZ: Dein Lebensmotto?

AW: Niemals aufgeben, niemals kapitulieren.

NZ: Dein Geheimrezept gegen allgemeine Unlust, auch im Hinblick aufs Schreiben?

AW: Durchbeissen - nach einer Stunde fällt es leichter, nach zwei macht es

wieder Spaß.

NZ: Unendliche Möglichkeiten: Was für ein Werk würdest du schreiben?

AW: Ich habe viele Ideen und viele Konzepte, darum würde ich vermutlich auch dann nichts anderes schreiben wollen, wenn ich alles schreiben könnte.

NZ: Was gibt es neben der Arbeit als Schriftsteller?

AW: Meine Familie inklusive Hund und meine Freunde.

NZ: Dein absoluter Traumjob wäre was? Und Warum?

AW: Mein Traumjob ist der, den ich zur Zeit mache, nur vielleicht besser bezahlt (lacht). Ich gönne mir den dekadenten Luxus, das zu tun, was ich liebe.

NZ: Gibt es (zeitlose) Lieblingsbücher und -autoren? Was macht sie so besonders?

AW: Jedes gute Buch, das von den großen Ängsten, Nöten und Bedürfnissen der Menschheit handelt, ist auf seine Weise zeitlos. Das Besondere an ihnen ist, dass sie jeder zwischen 14 und 100 lesen kann und sich darin wiedererkennt.

NZ: Wie sehen die weiteren Pläne aus? Mehr Geschichten von DSA und Shadowrun? Eine andere (FanPro-)Welt? Oder etwas ganz eigenes?

AW: Zurzeit arbeite ich an einem weiteren Shadowrun-Roman, der noch dieses Jahr erscheinen soll. Ansonsten sind einige eigene Konzepte in der Evaluation, die im weitesten Sinne alle phantastisch sind.

NZ: In welcher bestehenden Welt/Serie würdest du gerne eine Geschichte spielen lassen, wenn du dir eine beliebige von allen existierenden aussuchen könntest?

AW: Star Trek - Next Generation oder Voyager. Allerdings nur, wenn sie dann auch als Episode verfilmt würde (lacht).

NZ: Das ist aus recht naheliegenden Grünen ziemlich unwahrscheinlich ;)

Gibt es irgend etwas, was der Welt zum Abschluss mitzuteilen wäre?

AW: Schlechte Zeiten gibt es nur, damit man die guten wertschätzt.

Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 23.05.2004 und zuletzt geändert am .

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