Buch-Cover, Gudrun Lehmann-Scherf: Märchen von Söhnen

Märchen von Söhnen

Autor: Gudrun Lehmann-Scherf (Hrsg.)
Illustrator: Reinhard Michl
Genre: Märchen, Sagen, Legenden
Verlag: dtv
Seiten: 224
Erschienen: 11/2010 (Original: 2010)
ISBN: 978-3-423-13933-5
Preis: 9,95 Euro (Softcover)
Schlagworte: Dänemark
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Jedes Jahr bringt der deutsche Taschenbuch-Verlag (dtv) zur Weihnachtszeit Märchen heraus. Diesmal sind es zwei Bände, "Märchen von Söhnen" und "Märchen von Töchtern". Die Söhne-Märchen sind aus aller Welt ausgewählt - in dieser Hinsicht hat die Herausgeberin eine gute Auswahl getroffen. Zweifelhaft scheint hingegen bisweilen die Auswahl unter dem "Söhne als Hauptcharakter"-Prinzip.

Aus aller Welt: Bekannte Geschichten anders erzählt

Märchen sind überall gleich und doch anders. Betrachtet man viele Märchen, so findet man schnell Ähnlichkeiten. Einige Motive kehren immer wieder, leicht verändert aber deutlich erkennbar. Manchmal sind es auch ganze Geschichten die wieder auftauchen, der jeweiligen Region angepasst. Schaut man auf die Titel dieses Buches so findet man Beispielsweise "Zarewna Frosch", die zumindest nach Titel "Froschkönig andersrum" ausgedeutet werden mag - hier liegt man allerdings weitgehend daneben. Eher ist schon "Simson, tu dich auf" mit Ali Baba und den 40 Räubern zu vergleichen aber doch wieder anders. Hinzu kommt der Erhalt der Erzählstile, die sich wie die erzählenden Kulturen deutlich unterscheiden und auch einen Reiz zu den fremden und doch vertrauten Geschichten beitragen.

Starke Söhne - und schlaffe Glückspilze

Der große Kritikpunkt: Waren die Töchter im Geschwister-Band von diesem allesamt starke, eigenständige Helden, so kann man dies von den Söhnen nicht behaupten. "König Lindwurm" beispielsweise steht zwar unzweifelhaft im Zentrum der Handlung, ist aber eher der Bösewicht bis eine Tochter ihn schließlich entzaubert. Der Beg in seinem Märchen bekommt alles von tierischen Helfern erledigt und auch der "Held" im letzten Märchen - dieser zieht immerhin noch in die Welt aus, während der Beg einfach zu Hause bleibt und einige Tiere, allen voran der Fuchs, beschließen, ihm eine Frau zu verschaffen. Insgesamt wirken die Märchen hier weniger treffend ausgewählt: die Söhne kommen rücken bisweilen aus der zentralen Position heraus. Das ändert aber nichts an der generell guten Auswahl.

Illustrationen und Nachwort

Auch dieses Buch ist von Reinhard Michl illustriert und verfügt über ein schwarz-weiss Bild vor jedem Märchen. Wiederum gelingt es dem Künstler, eine zentrale Szene des Märchens einzufangen, ohne dessen komplette Handlung im Voraus wegzugeben.

Das Nachwort der Herausgeberin fällt gegenüber den Töchtern erstaunlicher Weise kürzer aus, obwohl das Buch länger ist. Zudem konnte ich einige Ausführungen nicht wirklich Teilen - was sich in die Zentralitätsfrage der Sohn-Figuren einhakt. Auch hier gibt es Hinweise auf weiterführende Literatur und die AaTh-Indizes (Aarne-Thomposen-Index) zu den Märchen, einer weltweiten Klassifikation.

"Märchen von Töchtern" ist meiner Meinung nach die bessere Auswahl - von der gleichen Herausgeberin, die sich also in gewissem Sinne selbst Konkurrenz macht. Allerdings sind beide Sammlungen trotzdem gut und die Hauptkritik an den Söhne-Märchen ist nicht gegen die Märchen gerichtet oder gegen die Auswahl im Sinne von Varianz und Unbekanntheit. Es ist vielmehr eine Frage inwieweit der "Held" in einem Sohn-Märchen eben auch ein "Held" und zentral sein soll. Ich habe beide Märchen-Bücher genossen und kann daher auch beide empfehlen.

Märchenliste:

Zarewna Frosch (Russland)

Jack und die Bohnenranke (England)

König Lindwurm (Dänemark)

Die Reise zur Sonne (Slowakei)

Der Bursche und das Zauberpferd (Frankreich, Provence)

Hans, der Grafensohn, und die schwarze Prinzessin (Pommern)

Die Liebe der drei Orange (Italien, Welschtirol)

Der Beg und der Fuchs (Bosnien)

Das Bübelein im Sack (Italien)

Simson, tu dich auf (Deutschland, niederdeutsch)

Von dem Riesen, der kein Herz im Leib hatte (Norwegen)

Der Mond (Kaukasus, ossetisch-digonisch)

Das weiße Kätzchen (Dänemark)

Die Gaben des Schlangenkaisers (Bosnien)

Der Königssohn und sein Diener (Russland)

Der Puma, der zaubern konnte (Kuba)

Ellenlang, Meilenbreit und Feuerauge (Tschechien)

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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