Buch-Cover, Bernd Perplies: Magierdämmerung - Für die Krone

Magierdämmerung - Für die Krone

Serie: Magierdämmerung (#1)Genre: Steampunk (Gaslight Fantasy)
Verlag: LYX Egmont
Seiten: 443
Erschienen: 09/2010 (Original: 2010)
ISBN: 978-3-8025-8264-6
Preis: 12,95 Euro (Softcover)
Schlagworte: AtlantisLondon
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Eines Nachts findet der junge Journalist Jonathan Kentham einen sterbenden Mann in einer Gasse. Als letzten Willen erklärt dieser hn zu seinem Erben und händigt ihm einen Ring aus, der Jonatahns Leben bald auf den Kopf stellt. Ohne es zu wollen steckt er mitten in einer Auseinandersetzung des Londoner Magierordens: In den Ruinen von Atlantis wurde das Siegel über der Quelle der Magie entfernt und die Anhänger Wellingtons holen nun zum Schlag gegen jene aus, die ihnen nicht auf ihrem Weg folgen wollen.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

"Gaslicht Fantasy" im Viktorianischen London

"Magierdämmerung - Für die Krone" ist ein typischer Vertreter der so genannten "Gaslamp Fantasy" oder "Gaslicht Fantasy". Diese Bezeichnung stellt vor allem auf das Setting ab: Es ist unsere Welt im Viktorianischen/Edwardischen England (mit geringen Änderungen, auch wenn der Verlag den Roman als "High Fantasy" einordnet, die generell in einer anderen Welt spielt). "Magierdämmerung" spielt im vorwiegend im London des Jahres 1897. Neben der normalen Welt existieren im geheimen die Magier, deren "Welt" die Normalität langsam überlagert: Die Quelle der Magie wird entsiegelt und wirkt auf die normale Welt ein.

Neben dem typisch viktorianischen London ist der Prolog beinahe ein Stilbruch und erinnert mehr an Science Fiction a la Jules Verne, der anzitiert wird, wie auch H.G. Wells: In einem Unterseeboot namens Nautilus reisen einige Personen in den Atlantik um Atlantis zu finden. Dies war für mich zuerst abschreckend und delegierte das Buch auf den "irgendwann lesen"-Stapel. Es scheint mir zu Technologie-fixiert – aber dies ist kein Steampunk, wie man bald darauf merkt. Technik und Technologie sind im Weiteren zeitgemäß und spielen nur eine geringe Rolle. Ebenfalls vergleichsweise gering bleibt die Magie: Kämpfe zwischen Magiern bleiben geheim und werden vertuscht, auch wenn Stärke und Intensität zulegen und es zu geheimnisvollen Phänomenen kommt. Das hat auch damit zu tun, dass der Siegelbrecher bis zum Ende dieses ersten Trilogie-Teils noch auf dem Rückweg nach London ist und die sprichwörtliche Bombe noch gar nicht geplatzt ist.

Ein Krimi mit Holmes

Die Handlung von "Für die Krone" ist lediglich der Auftakt zu einer Trilogie, wie aus dem noch nicht angekommenen Oberschurken deutlich wird. Das heißt aber nicht, dass die Protagonisten nichts zu tun haben: In London versuchen die Magier und Jonathan herauszufinden, was los ist und wer hinter der augenscheinlichen Verschwörung steckt. Einige Krimi-Elemente sind vorhanden, nicht zuletzt durch Anklänge in der Figur Jupiter Holmes, die diesen Namen keineswegs zufällig trägt und eine direkte Verbindung zu Doyles berühmter Figur hat. Diese Anspielung wirkt nicht aufgesetzt, denn schon zuvor wurden die Geschichten Doyles erwähnt – und Holmes’ geradezu übermenschliche Deduktionsfähigkeit bekommt eine ganz neue Erklärung. Trotzdem ist dies kein "echter" Krimi – den Lesern ist durch Szenenwechsel von Beginn an bewusst, was die Schurken planen; ein Herumrätseln entfällt für sie.

Andere Figuren und Genres

Neben den Londoner Figuren gibt es auch noch Kendra und ihren Großvater, die von Schottland nach London reisen - wegen der wiedererwachten Magie, aber warum genau erfährt man im gesamten Roman nicht. In einer typischen Konstellation von Lehrer und Schülerin werden sie vom Autor genutzt um Exposition an den Leser zu geben. Allen Figuren ist gemein, dass sie Archetypen sind. Es gibt kleine Eigenheiten, aber alle lassen sich letztlich auf eine Rolle oder Funktion reduzieren, die von Beginn an sehr offensichtlich ist.

Stellenweise kommt ein wenig Steampunk/Horror in die Handlung, hervorgerufen durch eine übermäßige Ladung an Magie. Dieser Splash aus anderen Genres ist jedoch marginal, könnte allenfalls in den Folgebänden mehr Prominenz erhalten.

Durchgehende Spannung mit Expositions-Schwächen

Der Spannung tut das keinen Abbruch, denn abgesehen von meiner Abneigung gegen den SF-haltigen Prolog ist diese fast durchgehend vorhanden. Schwächen offenbart der Spannungsbogen dort, wo zu viel Exposition vergeben wird, was besonders stark auffällt, da Kendra und ihr Großvater bislang keine aktive Wirkung auf die Handlung haben. Gelungener sind die subtilen Andeutungen, wie verschwindende und wieder auftauchende Steinstatuen, für die der Leser selbst eine (vermutlich zutreffende) Erklärung finden muss.

Im gesamten Roman nutzt Bernd Perplies einen einfachen und geradlinigen Stil. Dadurch ist "Für die Krone" nicht sonderlich anspruchsvoll, wie sich durch die Verwendung von Charakter-Typen schon andeutet. Aber der Roman liest sich flüssig, in einem Rutsch und verfügt über ein stimmiges Setting und einige ebenso stimmige Anspielungen.

Kritisieren mag man, dass zum Schluss eigentlich nur der Prolog abgelaufen ist. Der "Big Bad" taucht auf und kerkert alle ein - das war's, nächstes Buch bitte. Bei einer Trilogie erwartet man ja einen Cliffhanger und ein Ende, das nach Weiterführung verlangt, aber dies ist einerseits ein wenig extrem, hat andererseits aber keine große Spannung am Ende. (Und natürlich den üblichen Schurkenfehler: Warum bringt er nicht einfach alle um?). Dennoch freue ich mich auf den zweiten Teil.

"Für die Krone" machte zwischenzeitlich Lust auf mehr und bietet simple Gaslicht-Fantasy in einem stimmigen Setting.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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