Buch-Cover, Rolf Clostermann: Truksvalin 1: Der Weg

Truksvalin 1: Der Weg

Serie: Truksvalin-Saga (#1)Genres: Fairytale Fantasy; Phantastik
Seiten: 248
Erschienen: 01/2011 (Original: 2011)
ISBN: 978-3-940884-46-6
Preis: 19,95 Euro (Hardcover)
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Seit Urzeiten leben die Kennin genannten Zwerge im Hügel hinterm Bauernhof. Doch das ist vorbei: der Bauer will "seinen" Hügel nun verkaufen, damit eine Straße gebaut werden kann. Dem können die Kennin nicht viel entgegensetzen. Schließlich ziehen sie die Konsequenz und nach Norden ins Land Truksvalin. Doch um dorthin zu gelangen müssen sie viele Gefahren bestehen: Sie müssen das Land eines Drachens durchqueren, dem sie einst seinen Schatz abnahmen und der die Menschen durch Gier und Habsucht verdirbt.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

"Der Weg" ist eine ungewöhnliche Mischung aus Urban Fantasy und an Märchen orientierter Fantasy, die eine zentrale Kritik äußert: Die Menschen sind zu sehr von Technik, Technologie, Besitz und so weiter besessen und haben es verlernt, die Natur selbst zu schätzen.

"Im Stil alter Märchen"

Die Truksvalin-Saga ist am Stil alter Märchen orientiert, so informiert der Klappentext und hat damit durchaus Recht. Besonders zu Beginn gelingt es dem Autor, dieses Märchen-Gefühl heraufzubeschwören - im Verlauf der Handlung nimmt es jedoch immer mehr ab, nicht immer schön aber sicher auch nicht gänzlich unbeabsichtigt: Das zentrale Thema ist der Zusammenprall einer "naturmystisch" orientierten Welt mit unserer heutigen. Dennoch wirkt beispielsweise eine moderne Stadt im Roman wie ein Fremdkörper, auch abseits der Moralität.

Es gibt aber auch Abweichungen vom Märchen-Stil: Die Figuren sind zwar im Wesentlichen Typen (das unschuldige Kind, der schusselige Zauberer, der große Magier-Held usw.) aber sie haben Namen und Eigenheiten. Dies geht deutlich über einen Märchenhelden hinaus, der einfach Prinz oder Bauernbursche ist. Zudem gibt es für einige kurze Hintergrundgeschichten. Das Werk näher sich hier moderner Fantasy an, bedarf aber Weiterhin des Lesestils für ein Märchen: Frag nicht, nimm die Ereignisse so hin wie sie erzählt werden.

Das ist manchmal seltsam: so ist ein Kind plötzlich auf dem Wanderweg der Zwerge, obwohl es eigentlich an ihrem Ausgangsort zurückblieb. Ein Zauberer (zuvor nur aus Erzählung bekannt) taucht zur Rechten Zeit auf – geradezu zauberhaft. Dies ruft fast zwangsläufig Augenrollen hervor, ob dieser Deus-ex-Machina. Rolf Clostermann gelingt es, dies zu vermeiden: Ja, der Zauberer kommt genau richtig und macht alle Probleme nichtig. Augen rollen mag man auch ein wenig, aber der Märchen-Stil ist hier verzeihend und lässt dies weniger störend erscheinen: Immerhin bekommen die Helden und Heldinnen ja auch genau die drei Gegenstände, die sie benötigen um den Schurken abzuschütteln.

Namen: Passgenauigkeit und Bombastizität

Noch einmal zurück zu den Namen. Hier gibt es Gutes und Schlechtes. Einige Namen sind absolut gelungen: Das "Koselgebirge" beispielsweise wird man vergebens suchen, aber es klingt echt. (Manchen mag es auch an die Krabat-Sage erinnern.) Auf dem Weg nach Truksvalin gelangen die Zwerge jedoch bald in die Stadt "Tharkblith". Das klingt so gar nicht deutsch. Zwar ist ein Märchen auch in Sachen Zeit und Raum verzeihend, aber dieser Name passte einfach nicht zur generellen Region, so vage diese auch ist und auch weitere angelsächsische Namen helfen nicht. Das Land wirkte auf mich nicht wie eine Einheit.

Ein ähnliches Problem gibt es bei den Figuren-Namen: es gibt einfache wie die Hexe Knurz, den Schwefeldämon Fratz. Deren Funktion ist klar, die Namen sind simpel und passen in die Stimmung des Romans. Auch die Kennin-Zwerge tragen noch durchaus verträgliche Namen, wie etwa "Lapis Excellis" oder "Balduin von Tintagel". An anderer Stelle werden die Namen jedoch bombastisch und werfen aus der Märchenstimmung heraus: zum Beispiel "Diavolo Ahrisorad" oder gar "Nekrophilius Atomasio". Diese Namen wirken unfreiwillig komisch - im Gegensatz zum stets betrunkenen und wiederum passend-amüsant benannten Fuselfauch.

Die Feinde der Zwerge

Die Kennin wurden aus ihrer Heimat vertrieben weil die Menschen eine Straße bauen wollten. Dieses Ausgangsproblem setzt sich im Thema fort: Die Menschen leben in Disbalance, die Natur ist ihnen nicht wichtig. Geld, Neid, Gier, weltlicher Besitz und elektronischer Spielkrams zählen und sind mindestens dann schädlich, wenn man das Natürliche und alles andere vergisst - und den Naturgeistern bleibt nur der Rückzug. Die Gegner der Naturgeister Kennin sind entsprechend die Drahtzieher hinter den verderbenden Dingen, allen voran der Pogolch und alle eher indirekt wirkend. Die Kennin können diese nicht besiegen, ihnen nur entgehen, wie bereits der Straße zu Beginn.

Märchen und Fantasy

Einen enormen Stilbruch im Märchen-Stil gibt es an zwei stellen. Bezeichnenderweise sind dies typische Fantasy-Elemente und in beiden Fällen Schlachten. Beide passen nicht zum Rest des Romans und die große Endschlacht scheint es nur deshalb zu geben weil… weil Fantasy-Romane mit einer großen Endschlacht enden? Es hilft auch nicht, dass die Armeen nur ein paar Seiten vorher rekrutiert werden: In einem märchenhaften Stil wirken diese Schlachten wie Fremdkörper.

Auch an anderen Stellen scheint die Fantasy durch, aber nicht Nachteil: Orakel, Zaubergärten, Riesen und anderes bewegen sich zwischen Fantasy und Märchentradition. Als Verkörperungen verschiedener Naturgewalten passen sie auf der selben Ebene wie die Kennin in die Handlung.

Noch einmal zur Endschlacht: deren Ende ist schlicht lächerlich. Der Oberschurke wird einmal nett behandelt und flieht – was die ganze Schlacht noch viel sinnvoller macht, kitschig ist und die Frage aufwirft, warum man dies nicht gleich tat. Die hier agierenden Menschenkinder spielten zwar als "unverdorben" schon zuvor eine Rolle im Roman, werden hier aber viel zu zentral und extrem.

Das ändert nichts an der generell sehr guten Qualität von Rolf Clostermanns Roman. Die Kennin werde ich auch gerne auf weitern Abenteuern begleiten. Der Roman thematisiert heutige Einstellungen der Menschen in einem Stil, der alte Märchen evoziert. In 95% des Romans trifft der Autor diesen und dort ist der Roman großartig; leider konnte der Stil in den verbleibenden Teilen nicht ganz gehalten werden. Alles in allem ist Truksvalin - Der Weg aber eine "Märchenhafte Urban Fantasy"-Allegorie, die sich vor allem durch die Stimmung von Standard-Fantasy abhebt.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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