Buch-Cover, Ludwig Bechstein: Der große deutsche Sagenschatz [Hörbuch]

Der große deutsche Sagenschatz [Hörbuch]

Autor: Ludwig Bechstein (Hrsg.)
Sprecher/Regie: Verschiedene Sprecher
Genres: Hörbücher; Kurzgeschichten; Märchen, Sagen, Legenden
Spieldauer (Min): 456
Erschienen: 11/2011 (Original: 2011)
ISBN: 978-3-86717-741-2
Preis: 29,99 Euro (CD)
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Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

8/10

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"Der große deutsche Sagenschatz" erschien bereits kurz vor Weihnachten, in bester Tradition die zu dieser Zeit stetig neue Auflagen von Märchen- und Sagensammlungen erscheinen lässt. Dabei gelingt es den Verlagen immer wieder, neue und sinnvolle Zusammenstellungen zu finden, auch wenn es zwischen den einzelnen Sammlungen natürlich oft Überschneidungen gibt. DIESER Sagenschatz geht jedoch nicht den Weg des gedruckten Buches sondern präsentiert sich als Hörbuch – für eine Sammlung von Sagen im Vergleich zu einem Roman doch etwas Neues. Dabei wird eine Sagenauswah getroffen aus den Sammlunen Ludwig Bechsteins und der Brüder Grimm.

Der Nachteil: Fortlaufende Tracks

Ein großes Manko hat die Hörbuchfassung nämlich, und das erkennt man, ohne sie in der Hand zu halten: es ist eine Hörbuchfassung und als solche läuft sie von vorne bis hinten durch. Allenfalls kann man von einem Track zum nächsten Springen und so einzelne Sagen auswählen. Auf iPods oder sonstigen MP3-Spielern oder auch einem "alten" CD-Spieler ist dies gegenüber einem Buch eher unkomfortabel. Beim klassischen Buch schaue ich ins Inhaltsverzeichnis, suche mir eine Sage aus und lese diese. Oft auch nur eine. Ein Hörbuch hingegen ist so konzipiert, dass man mehr Text am Stück hört und somit auch mehrere Sagen. Eine Befürchtung, die ich somit zu Beginn hegte, war, dass so viele Sagen – thematisch sinnvoll geordnet und dadurch auch zwangsweise Dopplungen einzelner Motive beinhaltend – hintereinander schnell ermüden würden.

Abwechslung: Überzeugende Sprecher

In der Tat ist der Sagenschatz wohl kein Buch, das man in einem Rutsch durchhört; meine Befürchtung, dass nach 2-3 Sagen eine Sättigung eintritt war aber ebenfalls unbegründet. Dies liegt insbesondere auch an den Sprechern: Rolf Boysen, Simon Kabst, Thomas M. Meinhardt, Laura Maire, Gert Heidenreich, Anna Thalbach, Ulrich Noethen, Stefan Wilkening und Katharina Thalbach sprechen die Sagen. Ein großes Ensemble, das auch durch die verschiedenen Stimmen und Sprechweisen die Abwechslung hoch halten. An der Auswahl der Sprecher kann man nichts kritisieren und diese könnte auch für manches Hörspiel genügen. Die Sagen bleiben natürlich dennoch relativ kurz und die Handlungen wechseln zwischen diesen so dass nach einer halben bis einer Stunde eine gewisse Erschöpfung bei der Aufnahme eintritt. Aber das passiert (zumindest mir) ebenso bei gedruckten Sagen und kürzeste Erzählungen sind auf diese Art sogar angenehmer hintereinander zu konsumieren als in eigener Lektüre.

Auswahl: Prosaschwerpunkt mit Lyrik

Bliebe zuletzt noch der eigentliche Inhalt. Hier geht der Hörverlag nicht den Weg eines Themas sondern wählt einen breiten Rundumschlag durch die deutsche Sagenlandschaft. Das heißt nicht, dass die Auswahl beliebig ist: Auf 6 CDs finden sich jeweils verschiedene Themen: Helden, Heilige & Narren; Könige, Ritter & Edelfräulein; Wassermänner, Klabauter & Nixen; Zwerge & Riesen; Zauberer & Hexen; Teufel & Geister. Der Schwerpunkt bei all diesen sind jeweils Sagen in Prosa die gelegentlich auch durch lyrische Balladen aufgelockert werden. Während die Auswahl generell gut und breit gefächert ist, kommt es natürlich zu Dopplungen in verschiedenen Sagen, insbesondere die zig verschiedenen Sagen um den Kyffhäuser können mitunter widersprüchlich erscheinen. Das ist der Auswahl nicht vorzuwerfen und geradezu ein Merkmal von Sagen: ein gemeinsamer Fundus an Motiven, die in verschiedenen Gegenden regional angepasst wurden – oder die zur Interpretation eines Gegenstandes dienen. Mitunter gibt es dann eben auch zwei oder mehr "Geschichten" zu einem Ereignis oder Ort.

Geschmackssache hingegen sind direkte Dopplungen bei denen dieselbe Sage zweimal direkt hintereinander kommt, einmal in Prosa und einmal in Lyrik, also normal und gereimt. Dies war mir persönlich dann doch etwas zu ähnlich und zu kurz hintereinander.

"Der große deutsche Sagenschatz" als Hörbuch braucht sich nicht zu verstecken: Eine gelungene Auswahl an Texten und eine hohe Variation exzellenter Sprecher machen das Hören zum Genuss und verhindern auch ein schnelles Einsetzen von Monotonie. Wer sich viele Sagen am Stück anhören will statt einzelne, spezifische herauszusuchen, der sollte diesem Werk eine Chance geben.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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