Buch-Cover, Robert Thier: Dämonenturm - Band 1: Stein auf Schädel

Dämonenturm - Band 1: Stein auf Schädel

Serie: Die Saga vom Dämonenturm (#1)Genre: Humoristische Fantasy
Seiten: 246
Erschienen: 07/2011 (Original: 2011)
ISBN: 978-3-8423-6081-5
Preis: 13,90 Euro (Softcover)
Schlagworte: BarbarenDämonen
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Mijr wächst im Dorf Felswind auf der Insel Windfels auf. Da die Bewohner dieser Insel recht direkt sind, braucht man die zwei vorherrschenden Dinge auf dieser Insel nicht noch extra zu betonen. Zusätzlich zu diesen elementaren Gewalten gibt es noch Priester und Geologen, die jedoch meist schnell fortgeweht werden oder in tiefste Depression verfallen und Selbstmord begehen.

Als eines Tages der Hofpoet des Königs von Iokainor auf die Insel kommt, scheinen Mijrs Träume war zu werden: Er soll als Schüler mit in die Hauptstadt kommen. Da sein Vater das niemals erlauben würde, schmuggelt er sich in die Truhe mit dem jährlichen Tribut. Bald stellt Mijr fest, dass die Welt außerhalb der Insel ganz anders ist – und sehr seltsam.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Bei einem Titel wie „Dämonenturm – Stein auf Schädel“ erwartete ich recht düstere Fantasy und der Rückentext deutet auf einen bekannten Plot: Ein unerfahrener Junge von aus einem abgelegenem Kaff wird zum Helden. Weitaus markanter ist in diesem Roman jedoch der zynisch-sarkastische Erzähler – und die ähnlich gelagerte Weltsicht der Felswinder.

Falsche Werbung

Wenn ich das Hauptproblem des Romans gleich zu Anfang herauspicken soll, so hat dies wenig mit seinem Inhalt zu tun. Es ist falsche Werbung. Dämonenturm klingt düster. Stein auf Schädel klingt archaisch, primitiv, brutal. Nichts von dem bekommt man, denn gleich auf den ersten Seiten legt der überaus zynische Erzähler in episch-pathetischer Breite los – nur um dann zu verkünden, dass das soeben Erzählte so natürlich nie passiert ist, aber einfach besser klingt – worüber man streiten mag. In jedem Fall wird der Ton dann schnell normaler was das Pathos angeht; eine zynische Einstellung und Sarkasmus in Massen findet man auch weiterhin. Der „Dämonenturm“ taucht übrigens in diesem ersten von sechs Bänden noch nicht auf. Von der Fantasy ist man Serien ja gewohnt und den unerwarteten Helden bekommt man auch hier. Aber wenn man mit der Erwartung von Standard-Fantasy zu lesen beginnt wird man bald denken: „Das kann doch nur ein Witz sein? Das soll man ernst nehmen können?“.

Sarkasmus, Zynismus, Ironie: Die Barbaren von Felswind

Dass dieser Roman keine Standard-Fantasy ist liegt an seinem Ton und beginnt mit Windfels, der Heimat des baldigen Helden. Ein abgelegener Ort, die Bewohner gelten als Barbaren und die Umwelt ist für Leichtsinnige tödlich: Wer nicht aufpasst wird weggeweht oder in einem Geröllsturm erschlagen. „Stein auf Schädel“ ist Realität und ein normaler Freizeitvertreib wie auch Fuball mit Felsbrocken. Abhärtung bekommt Mirj also genug – auch durch die Delikatesse der Felswinder: verfaulten Fisch.

Für dumm darf man diese Menschen jedoch nicht halten – in mancherlei Hinsicht sind sie sogar gebildeter als „normale“ Menschen. Sie haben nur ihre eigene, sehr pragmatische Sichtweise und nehmen die Dinge meist wörtlich: Fels lässt wenig Raum für Interpretationen. Das erschwert manche Kommunikation.

Zusätzlich zum zynischen Grundton kommt es bei Begegnungen mit der Außenwelt immer wieder zu sarkastischen Äußerungen. Mijr und die anderen Felswindern fassen diese für sie typisch wörtlich auf und entlarven somit für den Leser manche fragwürdige Konvention der Gesellschaft und auch der Fantasy. Der Roman hat damit einen Stich in Richtung schwarzer Humor, jedoch wäre dies als einzige Charakterisierung daneben gegriffen: Alles in allem bleibt der Roman unbeschwert. Der Protagonist nimmt Brutalität und Missgunst gar nicht wahr und seine Einstellung nimmt der Geschichte ihre Schärfe – soweit Übertreibungen dies nicht schon von vornherein tun.

Mijr zieht in die Welt: Naivität und Initiation

Ein Beispiel ist die Sache mit den Waffen und dem Töten. Einen anderen Menschen umbringen? Krieg? Und das ist was Helden tun und weshalb sie Helden sind? Verrückte Ideen für Felswinder – die Umwelt tötet genug, da muss man sich nicht noch selbst mit Absicht umbringen. Nichts anderes als Windfels kennt Mijr bei seinem Aufbruch in die Welt und sein Weg bis in die Königliche Garde folgt daher auch dem Muster einer Initiationsgeschichte. Dabei zeigt sich immer wieder Mijrs Naivität; und später meldet sich auch eine „zweite Stimme“ seiner Felswinder Lebenserfahrung, die den Zynismuslevel noch einmal hochschraubt.

Ironie entsteht nicht nur durch die aufeinander prallenden Weltanschauungen sondern auch durch Mijrs Stärke und Geschick: alles was mit Felswind zusammenhängt ist überlebensgroß und ins Unglaubwürdige übertreten, führt das „Normale“ jedoch durch absolute Rationalität immer wieder vor. Innerhalb des Romans ist dies sogar gut begründet – wer seit seiner Geburt fliegenden Felsen ausweichen muss wird flink (oder erschlagen); wer sich gegen Sturmböen stemmt wird kräftig (oder weggeweht). Mijr versteht die Welt schlicht nicht und realisiert nicht, dass er viel stärker ist als alle anderen. Ebensowenig bemerkt er, dass sein Verhalten den anderen Angst macht oder sie zur Weißglut treibt. So ist er zum Beispiel ehrlich erfreut über das weiche Bett aus purem Kalkstein: auf Felswind hatte er nur ein viel härteres aus Granit. Dass ihm dieses Bett aus Böswilligkeit gegeben wurde, auf diese Idee kommt Mijr nicht einmal. Auch aus dem vollkommen fehlenden Wunsch, andere zu verletzen ergeben sich nicht nur in seiner Ausbildung zum Krieger immer wieder amüsante Situationen. Und es hilft ganz sicher nicht, dass Mijr die Dinge wie alle Felswinder wörtlich nimmt.

Bekanntes anders

Auch jenseits des Helden bietet Robert Thier einiges auf, was bekannt scheint – und dann so simpel ist, dass es zwangsläufig an die unnütze Komplexität mancher Fantasy-Romane erinnert. Man nehme die Sprache der Dämonen: Statt wahllos neue Worte zu erfinden sieht diese Sprache bei genauem Hinsehen doch sehr bekannt aus - und irritiert dadurch, dass man sie zu kennen glaubt aber der Sinn dann doch höchst befremdlich ist. Aber wer versteht schon Dämonen? (Ein Beispiel siehe unter Zitaten.)

Anders die Runenschrift: Sie sehen wie Runen aus, aber mit etwas Anstrengung kann der Leser sie durchaus entziffern, wie Mijr und mit ähnlichen Schwierigkeiten. Ein letztes hier erwähntes Beispiel für typische Fantasy, die da ist aber zugleich auf die Schippe genommen wird: Mirowar die Orange. Pardon, Mirowar der Orange, denn natürlich kleiden sich Zauberer in verschiedene Farben – und für Mirowar blieb eben nur orange und ein schaler Witz.

Auftakt zu sechsteiliger Reihe

Vieles ließe sich hier noch anführen, aber diese Rezension ist bereits hier recht lang. Abschließend nur noch ein Wort zum Reihen-Konzept. „Dämonenturm“ ist als sechsbändige Reihe geplant. Das Ende dieses ersten Teils ist daher vorhersehbar offen: Mirj hat (mal wieder) den (erstaunlich fähigen und pragmatischen) König gerettet ohne sich seiner Leistung bewusst zu sein; Mijr beginnt das Konzept des Lügens zu begreifen; und ein Krieg beginnt. Ende. Aber auch andere Fragen bleiben offen: Was treibt der orange Zauberer eigentlich? Was hat er mit den Flusstöchtern zu schaffen? (Wer sind die eigentlich?) Und wer arbeitet mit den Dämonen zusammen?

Die Dämonenturm-Reihe ist kein Mainstream-Roman (und auch physisch hebt das Buch sich durch ein Überformat ab: 17x22cm) – in einem üblichen Verlagsprogramm würde der Roman seltsam wirken. Das gilt auch für humoristische Fantasy. Nähme man lediglich „schwarzer Humor“ als Stichwort, so würde man ebenfalls den falschen Eindruck vermitteln. Mehr als bei 99% aller anderen Romane kann ich hier nur empfehlen, einen Blick in unten verlinkte Leseprobe zu werfen (und nicht nach der ersten Seite aufzuhören, denn für den, der ihn zu schätzen weiß, ist er eine seltene „Independant-Perle“). „Stein auf Schädel“ ist – man verzeihe die abgenutzte Phrase – mehr als andere Romane Geschmackssache. Glücklich werden mit diesem Roman Zyniker und Sarkasten, die eine Betrachtung der Welt durch einen über-lebensgroßen, naiven und friedlichen „Barbaren“ bekommen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Leseprobe

Es gibt eine oder mehrere Leseprobe(n) zu diesem Buch:
Dämonenturm 1: Stein auf Schädel - Leseprobe (extern)

Zitat(e) aus dem Buch

  • Zugegeben, auf Windfels war der Tod die einzige Unterhaltung. Und der Kapitän war ein Idiot gewesen. Aber... Aber... Und das war das Problem. Für die Felswinder gab es kein aber. Sie dachten sehr einfach und in geraden Bahnen. Wenn sich jemand wie ein Idiot aufführte, war er ein Idiot, und wenn er starb, wurde er zu einem toten Idioten. He, bringt ein Fass Bier.
  • Was für Barbaren! Wenn man anfing mit Logik an Mythen heranzugehen, machte man alles kaputt!
  • "Ichli ebed asvi Elmera Lsasda Swaduv onmirw Illstab Erda!", befahl eine scharfe, zischende Stimme. "Swasdu Vonmirw! Ilsthass Eichnoc Hvi Elmer!"

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