Buch-Cover, Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho

Schwarzer Mond über Soho

Originaltitel: Moon Over Soho [EN]
Serie: Die Flüsse von London (Peter Grant) (#2)
Übersetzer: Christine Blum
Genre: Urban Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 415
Erschienen: 07/2012 (Original: 2011)
ISBN: 978-3-423-21380-6
Preis: 9,95 Euro (Softcover)
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Peter Grant konnte seinen ersten Fall erfolgreich abschließen. Mehr oder weniger: Die Mordserie ist beendet aber Lesleys hübsches Gesicht durch Magie verunstaltet. Inspector Nightingale ist wegen seiner Verletzung erst einmal krankgeschrieben. Ruhe und Erholung gibt es jedoch nicht. Inmitten des Büffelns von Latein-Vokabeln mehren sich plötzlich die Leichen von Jazz-Musikern. Peter bleibt nichts anderes übrig, als den Todesfällen in Soho nachzugehen, denn allen Leichen haftet ein klares Vestigium an: Das Swing-Lied Body and Soul. Zudem hat es den Anschein als könnte Peters Vater das nächste Opfer werden...

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

"Schwarzer Mond über Soho" hat Tugenden des ersten Romans um Police Constable Peter Grant, allen voran sehr viel Lokalkolorit. Neben einem neuen Fall werden die Ereignisse aus dem ersten Roman in Nebenhandlungen weitergesponnen.

Bruch und Kontinuität

"Schwarzer Mond über Soho" spielt einige Monate nach den Geschehnissen von "Die Flüsse von London". Wie für Krimi-Reihen üblich ist der damalige Fall abgeschlossen und nun kommt es zu einem neuen. Nein, eigentlich zu zwei neuen: Der zentrale Fall ist sicher der mit den toten Jazz-Musikern, deren Leichen Body und Soul spielen. Ein zweiter Fall ist jedoch die Frau mit einer vagina dentata an die man sich vielleicht vom Epilog der Flüsse erinnert. Es gibt also keinen vollständigen Bruch. Auch andere Fäden werden weitergesponnen: Nightingales Verletzung, Peters Vokabeln, Lesleys schwere Verletzung und Bestrebungen zur Genesung; dazu noch ein Rückgriff auf die Londoner Flüsse nebst den Geiseln, die diese austauschten. Geschehnisse des ersten Romans dominieren diesen zweiten nicht, tragen aber zum Hintergrund dieses besonderen London bei. Lediglich die Mythen und Personifikationen wurden hier zurückgeschraubt. Ihren Platz nehmen Historie, Musik und Nachtleben ein.

Lokalkolorit und Familie

Lokalkolorit kann man also auch hier groß schreiben. Wie durch den Titel unschwer zu erraten ist der Stadtteil Soho das Zentrum, mit seinen Kneipen, Nachtclubs, Nachtschwärmern und zwielichtigen Gestalten - aber auch seiner Geschichte. Denn erneut hat Ben Aaronovitch stark recherchiert und zeichnet ein überzeugendes London nicht nur von heute sondern auch mit vielen historischen Fetzen. (Und einer Abweichung dort, wo es so wirklich eine viel bessere Geschichte macht – aber im Nachwort vermerkt.)

Neben London rückt auch Peters Familie ein wenig ins Licht. Man erinnere sich: Peter Grant ist nicht der typische weiße Bobby sondern hat afrikanische Wurzeln. Und seine Familie ist… kompliziert mit jeder Menge (Ehren-)Cousins. Sein Vater war einst großartiger Musiker, hat aber ein Drogenproblem – einfach ist diese Familie nicht. Aber es gibt einen Lichtblick: Peters Vater, der legendäre „Lord Grant" hat ein neues Instrument für sich entdeckt und wird erneut die Bühne betreten. Leider macht ihn das zu einem potentiellen Ziel für die „Jazz-Vampire" (so Peters Arbeits-Hypothese).

In einer dritten Szenerie verlässt der Roman die Stadt und geht nach Oxford sowie in Nightingales altes Internat aus den Zeiten des Weltkriegs. Hier wird auch ein wenig Licht auf die Vergangenheit von Peters Meister geworfen, aber das von Blues und Jazz dominierte Soho mit seiner Nachtszene bildet klar das Zentrum des Romans.

Romanze, Drama und Düsternis

Apropos Nachtszene: Auch Romantik und Drama spielen wieder in den Roman hinein. Da ist zunächst natürlich Peters Schwarm Lesley, derzeit vom Dienst suspendiert und in medizinisch-magischer Behandlung. Vor allem aber ist da die bezaubernde Simone, die Peter andauernd über den Weg läuft, nachdem ihr Freund eines der ersten Opfer der Jazz-Vampire wurde.

Doch Soho ist nicht nur Spaß und Lebenslust – wie so oft hat der Rotlichtbezirk auch eine überaus düstere Seite. Hier sind es nicht nur Vampire sondern auch illegale Geschäfte (die den Roman jedoch kaum interessieren); auch ist Simone weit mehr in die Angelegenheiten verstrickt als Peter gerne hätte – vielleicht sogar ohne es zu wissen. Nightingale würde dringend gebraucht, aber sein Arzt hat sich eindeutig geäußert: absolute Ruhe, auf keinen Fall ein Einsatz. Was bliebe wäre ein Sonderkommando, das mit militärischer Präzision aufräumt.

Das Ende des Romans ist letztlich recht düster, eine „einfache" Lösung zur Zufriedenheit aller gibt es nicht. Verschiedene Entwicklungen deuten jedoch mit Lichtblicken in die Zukunft – und ebenso deutlich auf den nächsten Roman.

„Schwarzer Mond über Soho" ist erneut ein Roman voll von historischem und jetztzeitlichem Lokalkolorit, diesmal mit einer gehörigen Portion Swing und Blues. Wer die Flüsse mochte, der wird hier erneut gut bedient.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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