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Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

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"Vampire Cocktail" ist eine Anthologie (also eine Sammlung von Kurzgeschichten verschiedener Autoren), deren Thema durch den Titel bereits wiedergegeben wird: Es geht um Vampire und es geht um Cocktails. Wobei dies von einigen Geschichten auf Bars oder Alkohol generell ausgedehnt wird. Das ist gelungen und verzeihlich, denn in anderen Geschichten wirkte die Unterbringung eines Cocktails etwas bemüht – und irgendwann ist die Bloody Mary auch einfach ausgeleiert. Eine kleine Besonderheit: Die Autoren dieser Sammlung sind deutschsprachig – der internationalen Konkurrenz aber durchaus gewachsen.

Themen: Von Humor bis Horror und Science-Fiction

Vampire und Cocktails – die Kombination lässt großen Freiraum, den die Autoren nutzen. Die Bloody Mary tritt unvermeidlich und wiederholt auf, aber ansonsten ist das Spektrum der Geschichten sehr breit. Einen kleinen Schwerpunkt gibt es in Richtung humoristischen Unterton oder in einem Teilaspekt: Welche Tat ist so ungeheuerlich dass sie einen Vampir wiedererweckt – zumindest in Augen von Whiskey-Liebhabern? Geradezu satirisch ist das in „Der Gast ist König“ präsentiert Konzept einer Doppel-Bar. Alle Geschichten kann man aber nicht in die humoristische Richtung drücken: „Unter dem Nebelmond“ von Michael Zandt ist Dark Urban Fantasy; die Auftaktgeschichte ist eher melodramatich-tragisch; und „Legenden“ bringt zwei Wesen zueinander, die im Grunde nicht aneinander glauben. Exotisch wird es in "Pisco Sour, Pishtaco Sour", das zwei Vampire in die Anden begleitet, wo sie nicht nur auf ein Geheimnis stoßen sondern auch verwechselt werden – mit mehrfach tödlichem Ausgang. Ungewöhnlich ist auch "Auf dem Weg zum Mars trink ich nie Bloody Mary", das in die ferne Zukunft geht und einen Zeitreise-Plot beinhaltet, am ehesten aber eine "Weltenbastler"-Geschichte ist die mehr vom Hintergrund lebt als von einem Plot – was auch ihre Schwäche ist. Noch ein Problem mancher Geschichten zeigt sich im Titel: Der Cocktail ist gelegentlich vollkommene Nebensache und die Einflechtung wirkt nicht natürlich sondern bemüht.

Vampir-Varianz

Neben den unterschiedlichen Plots und Tönen gibt es auch ganz unterschiedliche Arten von Vampiren. Es gibt die seit dem frühen Kino bekannten "gebildeten Vampire", die unerkannt und zurückhaltend leben. Es gibt organisierte Vampire und Vampirjäger; es gibt einen Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen. Und es gibt Vampire mit ungewöhnlichen Eigenschaften: Etwa die leicht dösige Seefrau, die eine Einladung zum Vampir-Abend in einer Bar allzu wörtlich nimmt; oder der Alchemist, der zu einem ungewöhnlichen Mittel greift um seine Geliebte ins Leben zurückzuholen und die Dinge allzu wörtlich nimmt. Auch die Anden-Geschichte präsentiert neben Vampiren angenehm unverbrauchte Wesen und kratzt diese zudem nur am Rande, was sie weiterhin geheimnisvoll bleiben lässt. Elemente vieler Vampirtraditionen und –varianten werden von verschiedenen Geschichten aufgegriffen, selten sind die Eigenheiten aber zentral. Das ist in „Spielhölle“ der Fall: Dieser besondere Vampir kann beim Glücksspiel nur gewinnen. Toll! Aber auch langweilig, weswegen er diesen Fluch endlich ablegen will. Selbst ein Seitenhieb auf Vampire, die in der Sonne glitzern, findet sich und ein Hauch des vor-cinematischen Vampires weht durch Michael Zandts Erzählung – aber nur ein Hauch, den verwesende Leichen passen dann doch nicht so recht zu Cocktails

Empfehlung für Vampirfreunde und Antester

Bei der Rezension einer Anthologie kann man nicht jede Geschichte detailliert besprechen sondern muss einen generellen Überblick geben. Wie andere Anthologien ist diese auch zum Testlesen und Kennenlernen neuer Autoren geeignet. Diese Anthologie beinhaltet zudem relativ kurze Geschichten, die nicht banal sind aber auch keine hohe geistige Anstrengugn fordern. Somit ist "Vampire Cocktail" auch fürs Wartezeiten, Zugfahrten und ähnliche Gelegenheiten geeignet. Insbesondere wenn man Coktails schätzt, aber das ist in keiner Geschichte ein Muss, Fachwissen braucht man nicht.

Zuletzt: Persönliche Loser und Favoriten wird jeder haben. Zu letztgenannten zähle ich aus ganz unterschiedlichen Gründen: "Pisco Sour..." für seine Unverbrauchtheit und niedriges Profil; "Garvarmore" für die pure Ungeheuerlichkeit; sowie die "Spielhölle" und auch "Legenden" für ihren ungewöhnlichen Ansatz - und auch den "Kleinen Zauber" der mich schlicht zum Lachen brachte. Weniger gelungen waren in meinen Augen der Auftakt (nichts Ganzes und nichts Halbes, griff mich einfach nicht) oder auch die SF-Geschichte (kein echter Plot) sowie "Miami Nights" (wirkt wie das Mittelstück einer längeren Geschichte). Aber auch nicht genannten Geschichten konnte ich meist etwas abgewinnen, und selbst meine "Loser" haben mitunter interessante Ansätze.

Fazit: Gute leichte, fast immer flotte Lektüre für Vampir-Fans, sowohl des klassischen Vampirs aber auch für alle, die neue Twists in diesem in mancher Hinsicht ausgelutschten Genre suchen.

Die Anthologie erhält 8-9 Punkte.

Inhalt:

Stefanie Mühlseph - Bittersüß wie Absinth

Denise Mildes - Legenden

Michael Zandt - Unter dem Nebelmond

Diana Scott - Fang mich, wenn du kannst!

Sabine Frambach - Kleiner Zauber

Bianka Brack - Auf dem Weg zum Mars trink ich nie Bloody Mary

Markus Heitkamp - Bloody Brain

Alessandra Reß - Neonnacht

Sabrina Zelezny - Pisco Sour, Pishtaco Sour

Stefanie Bender - Blutcocktail

Sigird A. Urban - Insiderwissen Inklusive

Nina Sträter - Garvamore, der beste Single Malt der Welt

Olaf Lahayne - Spielhölle

Leonie Sielska - Miami Nights

Jana Oltersdorff - Der perfekte Cocktail

Sven Linnartz - Der Gast ist König

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • Die Sonne hat eine ganz fürchterliche Farbe, und manche Vampire haben sogar angefangen zu glitzern, wenn sie zu viel Zeit in ihrem Licht verbracht haben! Glaub mir, das macht den attraktivsten Vampir lächerlich.

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