Buch-Cover, Michael Zandt: Das Schwarze Kollektiv

Das Schwarze Kollektiv

Genre: Urban Fantasy
Seiten: 264
Erschienen: 08/2012 (Original: 2012)
ISBN: 978-3-9815092-3-6
Preis: 11,80 Euro (Softcover)
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Ariko ist ein Waisenjunge und wurde schon früh zum Mitglied des Schwarzen Kollektivs, einer christlichen Militärgruppe. Als es zum Krieg mit Burgenreich kommt wird auch das Volk der Hameshi zum Angriffsziel. Ein schneller Sieg hätte es werden sollen, doch man hat sich überschätzt. Statt schnell Erfolge zu bringen zieht der Krieg sich in die länge; ein Ende ist nicht in Sicht. Ariko erlebt diesen Krieg hautnah von der Front. Er verliebt sich in eine Hameshi und schließlich erreicht ihn selbst der Ruf der Roten Mutter Agrunbar: er wechselt die Seiten und lernt, die Dinge ganz anders zu sehen – und ahnt noch nicht, dass er nicht nur seit langem der erste ist, der auf diese Weise zu seinem eigentlichen Volk gerufen wurde sondern dass auch andere Mächte ihn bemerkt haben.

Das Buch erhält 7 von 10 Punkten.

Mit "Das Schwarze Kollektiv" veröffentlicht Michael Zandt seinen zweiten Roman, weniger eine Fortsetzung von Hapu als eine Erweiterung. Die Verbindungen zu Hapu sind nämlich gering: Hapu tritt auf, hat aber keine nennenswerte Rolle. Sowohl Stärken als auch Schwächen des vorherigen Romans findet man erneut, allen voran der begrüßenswerte Verzicht auf Exposition, der bei einer kompletten Welt wie dieser jedoch auch zu Verwirrung führen kann.

Der zweite "Hapu" Roman: Low Dark Urban Fantasy

Diesen Roman als klassische Fortsetzung von Hapu zu bezeichnen wäre falsch. Zwar Beginnt er mit einem Blick auf Hapu, aber mehr als diesen Blick bekommt man bis zum Ende nicht. Die Hauptfigur ist Ariko – eine komplett neue Figur, deren Geschichte auch ganz wörtlich in einer anderen Welt spielt. Abgesehen von Szenen mit Hapu an Anfang und Ende. Das Resultat ist also keine Fortsetzung einer Einzelgeschichte sondern eine zweite, unabhängige, die zugleich die Welt beider Erzählungen erweitert.

Dennoch ähneln sich die beiden Romane in mehr als einer Hinsicht: Das Setting führt erneut in eine moderne, europäische und kaum "exotische" Welt die unserer stark ähnelt, auch wenn es eine andere ist. Übernatürliches ist nur in geringem Ausmaß vorhanden und Kriege entscheiden sich mit konventionellen, mundanen Waffen wir Panzern und MGs. Krieg spielte schon am Ende von Hapu eine wesentliche Rolle und ist nun zentral für den Gesamtplot: Als Waisenkind kommt Ariko zum Schwarzen Kollektiv und wird dort christlich und militärisch ausgebildet. Im folgenden Krieg erreicht ihn nach einiger Zeit jedoch ein übernatürlicher Ruf, der ihn "zwingt" seinen genetischen Wurzeln zu folgen und die Seiten zu wechseln. Er lernt eine andere Sicht der Dinge kennen, doch das ändert nur wenig an der Realität des Krieges. Gegen das Kollektiv kämpfen vor allem die Hameshi, ein Volk mit übermenschlichen Kräften (immerhin sind sie auch keine Menschen) und der Fähigkeit zur mentalen Beeinflussung sowie einer besonderen Verbindung zur lebenden Natur. Das geht in Richtung Magie, ist aber lediglich schwach ausgeprägt: Hameshi sind stark, aber gegen Panzer und Gewehrkugeln können sie nichts ausrichten. Solcherart bleibt das Übernatürliche sehr dezent. Gleich auf welcher Seite: der Krieg ist brutal und dreckig; nicht edel sondern realistisch. Die Verlagsempfehlung "ab 18" halte ich im Kontext heutiger Medien dennoch für leicht zu hoch gegriffen.

Vollständige Unvollständige Welt

Die zwiespältigste Eigenschaft des Romans, sowohl die größte Stärke als auch sein größtes Problem ist die Welt, die Michael Zandt erschafft. Der Autor verzichtet auf Exposition und kreiert eine realistische, nachvollziehbare Welt. Das ist gut: der Leser wird nicht mit Bekanntem gelangweilt, erhält nie den Eindruck, eine Erklärung gelte in Wahrheit ihm. Das funktioniert insbesondere gut, wenn auf Bekanntem aufgebaut wird, das Leser wissen ohne dass man es ihnen sagen muss.

In dieser Welt wird es jedoch problematisch: Zwar erinnert die Romanwelt in vielerlei Hinsicht an unsere, aber Arikos Welt ist eine andere. Immer wieder kommt man in Situationen in denen man sich fragen kann, ob man etwas verpasst hat. Nein, man hat es vermutlich nicht – es wurde einfach nicht erklärt. Weiterlesen: eine Erklärung kommt früh genug. Aber nur wenn sie wirklich notwendig ist und nicht immer explizit. In kurzen Geschichten mit nur rudimentär gestalteten Welten merkt man so etwas kaum, aber Zandts Romanwelt ist extrem weit ausgestaltet. Auch der Verzicht auf "Exotik" wird in Kombination mit weiteren Eigenschaften zwiespältig: Unnötig fremd wirkende Namen braucht wirklich niemand und ich begrüße den Verzicht auf solche Fremdartigkeit. Man kann jedoch argumentieren, dass einiges schlicht ZU bekannt wirkt: Ich versuchte Länder wie Burgenreich oder die Stadt Asbegren auf eine reale Landkarte zu legen, aber das funktioniert nicht. Dies ist eine andere Welt und sie hat Unterschiede – aber das wird nie explizit gesagt und der Mangel an Informationen und gegensätzlichen Signalen (bekannte Welt <-> tatsächlich andere Welt) können verwirren, etwa wenn Ariko nebenbei erwähnt, dass nie Zeugnisse für die Existenz der Römer gefunden wurden. Ich freue mich über jeden Fantasy-Roman der ohne unnötiges Glossar auskommt und alles Bedeutsame in der Erzählung vermittelt; bei diesem Roman habe ich ein Glossar jedoch vermisst.

Religionskrieg: Stadt gegen Wald

Die zentrale Kritik, sowohl das Gute als auch das Schlechte und gewiss das Besondere des Romans, finden sich im vorherigen Abschnitt und die dort genannten Eigenschaften prägen die Geschichte wesentlich. Zum Abschluss dennoch ein kurzer Blick auf die Themen. Zentral ist der erwähnte dreckige und realistische Krieg, der eine weit größere Rolle spielt als die Liebe, die Verlag und Rückentext überbetonen. Danke! Romantische Liebesgeschichten gibt es genug – diese hier ist weit problematischer und führt auch an die Frage ob die „Vorherbestimmung“ echt oder eingebildet ist. Der Krieg selbst kann nicht ganz mit einem realen gleichgesetzt werden, zeigt jedoch verschiedentlich Parallelen, sei es im Vorgehen der Truppen oder in der Fokussierung auf religiöse heilige Orte.

Auch kann man eine Art "Stadt gegen Wald"-Konflikt ausmachen, Deckungsgleich mit dem Religionskrieg. Das christliche Kollektiv ist urban und nutzt Maschinen für den Krieg. Die Hameshi hingegen lassen sich grob als eine polytheistische Naturreligion mit den Hameshi als Göttern bezeichnen. Das klingt überheblich, hat aber objektive Grundlangen und das Gottverständnis ist deutlich anders als das christliche. Die Hameshi kämpfen weniger mit Maschinen als mit ihren besonderen Kräften – gegen Technologie sind sie im Prinzip auch gar nicht. Mehr als ein einander gegenseitig ausschließen von Magie und Technologie wie in manchem Cyberpunk-Setting ist dies ein Konflikt der Lebensweisen und Religionen, die zu unterschiedlicher Intensität in der Nutzung von Technologie führt. Gut gelungen an dieser Stelle: Das christliche Kollektiv ist für den (westlichen) Leser sehr einfach nachvollziehbar, was die Komplexität mindert und für andere Bereiche freihält. Weitere Themen in aller Kürze und kaum überraschend der Krieg und seine Auswirkungen, unschuldige Bürger, erzwungene Religion, Abstumpfung – sowie Liebe, Bestimmung und die Frage, ob es diese tatsächlich gibt.

Mit "Das Schwarze Kollektiv" bringt Michael Zandt einen zweiten ungewöhnlichen Low Urban Fantasy Roman auf den Markt. Seinen Reiz erhält der Roman durch den dezenten Einsatz des Übernatürlichen, das von nachvollziehbarer, realistischer Technologie ein Gegengewicht erhält. Alleinstellungsmerkmal ist jedoch die stark ausgestaltete Welt bei gleichzeitigem Verzicht auf Exposition, eine nicht unproblematische Eigenschaft.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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