Buch-Cover, Bertel O. Steen: Der Großkanzler von Ostár

Der Großkanzler von Ostár

Serie: Zeiten der Wandlung (#1)Genre: Fantasy
Verlag: Koios Verlag
Seiten: 328
Erschienen: 09/2012 (Original: 2012)
ISBN: 978-3-902837-00-4
Preis: 14,50 Euro (Softcover)
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Nach dem Niedergang des Kaiserreichs wird Ostár von Großkanzlern regiert. Alle zehn Jahre wird der neue Großkanzler in einem Schwertkampf auf Leben und Tod erwählt. Stabilität und Sicherheit sind das Resultat, doch der derzeitige Kanzler Gongwalf ist nicht nur auf zweifelhafte Weise ins Amt gekommen sondern unternimmt auch Anstrengungen, die Macht zu behalten. Trotz einer Prophezeiung die, ihm sogar einen vorzeitigen Machtverlust in Aussicht stellt. Eigenartige Geschehnisse im Reich verunsichern in zusehends: Steinerne Krieger, die brandschatzend durch den Süden ziehen? Für und gegen wen marschieren sie überhaupt? Um seine Macht zu festigen, ist Gongwalf auch bereit, gegen sein eigenes Volk zu handeln.

Das Buch erhält 6-7 von 10 Punkten.

"Der Großkanzler von Ostár" hat Potential – aber auch Probleme und ist eindeutig „nur“ ein Auftakt. Das typische Quasi-Mittelalter hat hier modernere, „bürokratische“ Züge, die Welt ist gelungen und überzeugend. Allerdings stolpert der Roman über zu viele Schauplätze und Namen, die Bürokratie lähmt und vieles bleibt rätselhaft.

Bürokratisches Schwertschwingen

"Der Großkanzler von Ostár" ist in mancher Hinsicht traditionelle Fantasy: Eine andere Welt, Technologie auf Niveau des Mittelalters, Schwertkampf und Kirche mit wichtiger Position. Magie, die hier allenfalls gering existiert, ist schon lange kein Muss mehr für Fantasy; ebenso wenig das aktive Eingreifen von Göttern. Aber es gibt auch markante eigene Wege: Ostár ist „moderner“: Statt Kaiser oder König gibt es einen Großkanzler und eine Regierung, die ansatzweise an moderne Bürokratien erinnert. Von einer demokratischen Republik ist Ostár allerdings weit entfernt. Das feudale System scheint überall durch; das Martialische des Mittelalters ist vorhanden. Aber modernere Strukturen scheinen immer wieder durch: eine Bevölkerungszählung, Verbesserungen insgesamt, die Verquickung von Universitäten und Staat. (In wie vielen Fantasy-Romanen kennt man denn nur unabhängige Akademien oder interessiert sich gar nicht erst dafür, wie diese finanziert sind?)

Gleichzeitig ist dieses Bild sehr bedrückend und erinnert an moderne Diktaturen die staatliche Kräfte und extreme Propaganda für eigene Ziele nutzen, vor dem Hintergrund einer Mittelalter/Renaissane-Gesellschaft, in der auch inquisitorische Folter möglich ist. Leider bremsen diese Gesellschaftsstrukturen bisweilen auch den Roman aus, wenn sie berichtet werden. Stellenweise ist die Handlung zu langsam.

Schwere Namen, Teils (noch) blasse Figuren

Potential hat der Roman, macht sich aber selbst Probleme bis hin zur Frage, was eigentlich passiert ist. Dabei ist fast immer auch etwas Gelungenes dabei. Nehmen wir die Namen: „Gongwalf“, „Himlew“ und andere sind passend. Die Namen wirken fremd aber nicht zu exotisch oder unaussprechbar, auch wenn der Autor manchmal auf Akzente nicht verzichten wollte. Allerdings sind sie auch nicht einfach zu merkbar und sich bisweilen zu ähnlich:

Geruldan und Gulderun konnte ich bis zum Ende nicht auseinander halten und musste immer im Personenverzeichnis nachschlagen. (Nachollziehbare) Namenswechsel helfen auch nicht. Die Figuren wären leichter auseinander zu halten, wenn sie über Typen hinausgingen. Das sollte man nicht falsch verstehen: Einige Charaktere sind durchaus von dem Fantasy-Einerlei entfernt und haben individuelle Züge: beim designierten prophezeiten Helden ist unklar, ob er es überhaupt ist; bei einer Priesterin darf man sich fragen, ob sie ihrem Gott dient oder unwissend fehlgegangen ist; Gongwalf ist nicht der typische Brutalo-Tyrann; die Studenten sind keine Mystiker sondern eher mundan. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen, aber allen ist gemein, dass vor allem das Potential sichtbar ist, die Entwicklung aber fehlt. Das ergibt sich auch dadurch, dass es sehr viele Handlungsstränge und Schauplatzwechsel gibt, die nur langsam ineinander laufen. Am Ende blieb ich mit dem Eindruck zurück, dass die Geschichte gar nicht weiß, worauf sie eigentlich hinaus will – oder vielleicht eher: zu viel gleichzeitig erzählen will und nichts zu Ende bringt.

Fehlende Zusammenhänge

Die vielen Charaktergruppen sind miteinander verbunden. Allerdings bleiben die großen Zusammenhänge unklar. Das gilt selbst für die Prophezeiung: Gongwalf entscheidet, alle in Frage kommende im Stile eines König Herodes oder Artus (nur ein wenig dezenter) aus dem weg zu ziehen. Aber wirklich zentral wirkt dieser Plot nicht und die allgemeine Schikanie des Volkes ist bislang nur erster Keim für Rebellion. (Immerhin: Mal ein PR-Bewusster Schurke, der nicht sofort das ganze Volk gegen sich aufbringt).

Thema Revolution: Davon gibt es zwei? Vielleicht, ich weiß es nicht. Die "Steinernen Krieger" im Süden zerstören nach und nach Ortschaften und bleiben geheimnisvoll. Keiner weiß, was sie wollen oder wem sie gehorchen. Für mich zu geheimnisvoll, zumal es gegen Ende den Anschein hat, dass „steinern“ wörtlich gemeint ist. Dies wirkte auf mich nicht mysteriös-spannend sondern verwirrend. Ähnliches gilt für die Priesterin um die herum ein neuer/alter Kult mit „Schwarzen Schatten“ entsteht, die sich am ehesten als missionseifrige, denkende Untote beschreiben lassen – auch wenn sie vermutlich keine Untoten sind. Das bleibt aber unklar wie auch diese Handlung: Ist dies eine göttliche Erweckung? Was genau passiert eigentlich? Ist dies Gottes Wille und ist die Priesterin Herrin ihrer Sinne? In jedem Fall sind die Schatten suspekt; die Handlung nicht nur dieses Plots ist undurchsichtig und unabgeschlossen. Das äußert sich z.B. auch in Zeitsprüngen von drei Jahren, die man gar nicht recht realisiert, da es immer irgendwo weiter geht. Mehr Konzentration auf weniger Handlungen hätte hier vermutlich geholfen – und vielleicht auch die wirklich häufigen 1-Buchstaben-Fehler reduziert.

Fazit: "Der Großkanzler von Ostár" hat mit seinem Setting einen ungewöhnlichen und interessanten Ansatz, verrennt sich aber in eine zu hohe Zahl von Plots mit Charakteren, die sich nicht ausreichend entwickeln können. Am Ende gibt es viele offene Fragen. Ob der Autor mit dem zweiten Teil diese Probleme beheben kann, bleibt abzuwarten.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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