Buch-Cover, Christian S. Schneeweiß: Zeitgeist. Alptraum-Phantasie

Zeitgeist. Alptraum-Phantasie

Genre: Horror
Seiten: 124
Erschienen: 04/2013 (Original: 2013)
ISBN: N/A
Preis: 2,99 Euro (Digitaler Text / eBook)
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Es war ein schöner Tag im November. Das heißt, es wäre ein schöner Tag gewesen, doch da war auch der Zerbrochene. Ein Mordopfer. Die drei Fragen, die sich der Kriminalbeamte stellt, sind Was? Wie? und Warum? Aber was passiert, wenn es auf diese Fragen keine Antwort gibt und das Gefundene immer mehr jeden Begriff dessen sprengt, was man Normalität nennt? Man bildet sich doch ein, zu wissen, wie die Welt funktioniert. Und dann funktionieren die Regeln mit einem Mal nicht mehr...

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

"Zeitgeist - Alptraum-Phantasie" ist eine phantastische Horror-Geschichte, die es schafft, den Leser immer weiter zu ziehen - und das von Anfang an, besser als es obige nüchternere Zusammenfassung kann. Dabei bleibt der Schrecken, der Horror, während der gesamten Handlung vor allem unbegreiflich und irrational aber durchaus (handlungs-)logisch.

Wahn oder Wirklichkeit

Der Erzähler der Geschichte ist auch ihr Protagonist. Gleich zu Beginn trifft man ihn: Er sitzt in einer Zelle. Mit einer Schreibmaschine. In einem Irrenhaus. Das bringt gleich zu Beginn einige Fragen auf den Tisch: Ist dieser Erzähler wahnsinnig? Ganz normal ist er sicher nicht. Inwieweit kann man seiner Erzählung glauben? Die "Alptraum-Phantasie" könnte komplett einem kranken Hirn entsprungen sein. Eine Phantasie eben, eine Wahnvorstellung. Andererseits, und diese Lesart wird den meisten näher kommen, kann er im Wesentlichen vertrauenswürdig sein: das Erzählte ist wirklich geschehen und hat dieses Phantastische Element. Wahnsinnigen sagt man ja auch nach, die wirklichen Dinge zu sehen, die anderen verborgen bleiben... Dieser Lesart gebe ich im Folgenden den Vorzug. Trotzdem: Das Wissen um den geistigen Zustand des Erzählers trägt zur düsteren Atmosphäre bei und verstärkt den Zweifel und die Fragen, die aufgeworfen werden.

Dazu zählt, dass der Erzähler den Text auf die Schreibmaschine tippt und danach verspeist, so dass nie jemand anderes ihn lesen kann. Aber genau das tun wir doch! Wie? Eine Antwort bekommt der Leser; eine Erklärung nicht - und das wiederholt sich in diesem Roman vielfach.

Fantasy-Horror mit Lovecraft-Touch: Der "Zeitgeist"

Im kriminalistischen Sinn macht vieles in diesem Roman keinen Sinn. Beweggründe, Motive fehlen. Sie finden sich, wo Menschen involviert sind. Doch hier finden Fragen keine Antwort. Es bleibt bei einem "Warum?" - und auch das "Wie?" ist nicht absolut klar. Sie sind nicht anwendbar, das Geschehen ist unverständlich. Das heißt nicht, dass die Geschichte unlogisch ist. Eine Handlungslogik gibt es - aber die Erklärung bleibt aus, es gibt keinen Grund für das Geschehen. Dies und das nie greifbare Grauen rückt die Geschichte in die Tradition Lovecrafts unerklärlichen weil fremden Wesen.

Der "Zeitgeist" des Titels ist jedoch ein wenig anders. Im Gegensatz zu Lovecrafts Großen Alten ist er physisch wahrnehmbar und sein Anblick löst nicht zwangsläufig Wahnsinn aus. Seine Motive hingegen sind undurchschaubar. Das Resultat seiner Handlungen ist oft auch sehr konkret und geht Richtung "Splatter". Hier verweilt der Roman aber nicht, diese Szenen werden beinahe schon ausgeblendet statt betont, wie etwa beim "Zerbrochenen". Details werden abgehandelt, aber Splatter wird nicht zum alleinigen Zweck. Gerade das zügige Weiterziehen hat etwas Nüchternes und macht Grausames banal... und beliebig. Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: unverständlich, gerade für einen Kriminalbeamten. Hinzu kommt, dass einiges in der Erzählung nicht zusammenpasst. Ist der Erzählter durcheinander? wahnsinnig? Oder ist es die Zeit?

Der Roman ist subtil unheimlich und gibt keine befriedigende rationale Erklärung. Was man dem Roman als größeren Kritikpunkt vorwerfen könnte: Gänsehaut blieb bei mir aus. Abhärtung? Das ist bei der Wirkung von Horror immer so eine Sache und sehr subjektiv: Was den einen ängstigt, nimmt der nächste eiskalt hin. Und was an einem Tag schockt kann an einem anderen völlig nüchtern gesehen werden. Angst bewirkte "Zeitgeist" bei mir nicht, zog mich jedoch fasziniert immer weiter.

Zugkraft durch Stil

Diese Zugkraft, der Drang, immer weiter zu lesen, ist ein wesentlicher Verdienst das Stils. Der Roman hat im Grunde ein sehr geringes Maß an Action. Andere Merkmale drängen sich jedoch von Beginn an in den Vordergrund: Die Kapitel sind sehr kurz, meist nur zwei Seiten lang. Diese Kürze sieht man auch in den Sätzen: Sie sind kurz; manchmal abgehackt; mit zahlreichen Kommata und Ellipsen ("..."). Der Erzähler schweift ab, beteuert das eine, erklärt das andere, redet herum und heraus und verwirft - und nimmt dann den Faden wieder auf. Manchmal scheint eine Entwicklung keinen Sinn zu machen, nicht stimmen zu können - doch dann passt es wieder und es findet sich eine logische Erklärung, die dadurch jedoch keineswegs an Schrecken verliert.

Dabei nutzt die Erzählung keinen gnadenlosen Stakkato-Stil, der nach wenigen Seiten ermüden würde und sich ausgelutscht hätte. In "Zeitgeist" hat der Autor bei einem verhältnismäßig schweren Stil die Wechsel zwischen Kürze und Tempo sowie längeren und ruhigeren Passagen getroffen. Wobei diese Ruhe natürlich nur die Ruhe vorm nächsten Sturm ist. Man ermüdet nicht beim Lesen sondern wird immer weiter gezogen (schließlich ist das nächste Kapitel doch auch nur eine weitere Seite), fasziniert von dem was passiert, dargereicht in kurzen und verständlichen Sätzen - die letztendlich doch kein Verstehen ermöglichen.

Fazit: Zeitgeist ist eine exzellente Erzählung für Freunde des subtilen und verwirrenden Horrors, der auf eine rationale Erklärung verzichtet.

Der Roman erscheint als Amazon Kindle-Edition zum Downloaden mit 124 DIN A4-Seiten, ohne DRM und konvertierbar in beliebiges Format.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .



Zitat(e) aus dem Buch

  • Die große Frage war also: Wie war das möglich? Und die größere Frage: Wer konnte so etwas möglich machen, wer oder was? Und zu guter Letzt: Warum? Die dritte Frage im Bunde… alle guten Dinge sind doch zu dritt. Zumindest sagt man das, wer weiß, wieso? Aber was und wen frage ich überhaupt? Stelle hier Fragen, ohne eine Antwort erwarten zu können. Dumm, oder? Ja.
  • Ist Wahrheit nicht immer subjektiv? Ich denke schon, wissen kann ich es nicht.

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