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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

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"Im Bann der Welten" klingt nach Fantasy. "In den Bann schlagen" können gute Geschichten ebenfalls. Dieser Lesart kann ich mich leider nicht voll anschließen. Handwerklich gibt es an den dreizehn Geschichten kaum etwas zu bemängeln. Zu bemerken ist allenfalls, dass sie sehr kurz sind und "Kürzestgeschichte" es fast schon besser trifft als "Kurzgeschichte". Damit ist die Sammlung eine gute Wahl, wenn man kurze Zeiten überbrücken will. Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich: Sie reichen von komisch bis tragisch, tendieren insgesamt aber eher zum Düsteren und verzichten auch auf fröhliche Abschlüsse. Mir gefällt das, gerade auch wenn einige Gedanken angestoßen werden. Manchmal jedoch habe ich den Eindruck, mir fehlt der Kontext; andere Geschichten sind zwar solide, aber der gewisse Funken fehlt. Die Geschichten im Einzelnen:

Aileen P. Roberts: Der Geist von Ballydonan - Alte Story ohne Neues

Endlich: Ein eigenes Grundstück in Irland, nun muss das Traum-Cottage nur noch gebaut werden. Leider halten die Einheimischen das Land für verflucht und in der Tat gibt es beim Bau viele Unfälle - und eine seltsame Frau.

Die Geschichte ist nicht neu und vorhersehbar. Auch der gute Stil der Autorin kann nicht mein Gefühl verhindern, diese Geschichte schon zu kennen. [6-7]

Carsten Steenbergen: Schmuck und Rache - Von Snirfeln und Berggeistern

Mit dem Auftrag des stinkenden Snirfels will die Meisterdiebin Rish eigentlich nichts zu tun haben. Der Snirfel mit ihr jedoch umso mehr. Statt einem bezahlten Auftrag heißt es bald "Auftrag gegen Leben". Trish muss den Grund für die Erdbeben im Dorf der Snirfel finden, für die der Geist des Berges verantwortlich sein soll.

Carsten Steenbergens Geschichte zeigt "Helden", die nur widerwillig in ein Abenteuer stolpern und Goblin-ähnliche Wesen, die zwar nicht allzu clever sind aber doch mehr als bloßes Schwertfutter. Ich frage mich nur, weshalb die Snirfel eine Diebin brauchten? [7]

Annika Sylvia Weber: Zwei Leben - welches Leben ist real?

Was, wenn du Traum und Realität nicht mehr unterscheiden kannst? So geht es der Erzählerin. Sie wacht auf, hat einen tollen Freund, alles ist paletti. Dann wacht sie auf: kein Freund, kein Geld, nur das Wissen, was sein könnte. Der Kreis wiederholt sich; die Frage bleibt: Was ist real?

Annika Sylvia Webers (mit Stars aus "Verbotene Liebe" verfilmte) Geschichte lässt sich ohne Fantasy lesen und wird dann wirklich depressiv. Wahnvorstellungen, Schizophrenie? Vielleicht - aber immerhin ist diese Geschichte in einer Fantasy-Anthologie und das eröffnet auch andere Interpretationen. Eine Erklärung liefert die Geschichte selbst jedoch nicht. Sie hinterlässt das Problem und ist eine der düstersten. Sie könnte nachdenklich - gibt aber keinen echten Ansatz dafür. [7-8]

Christoph Hardebusch: Zeitenwechsel - Rassismus und Visionen

Ein "Kanake" rennt durch die Straßen. Seine Verfolger wollen den "Scheiß-Musel" abstechen. Es interessiert sie nicht, dass er Christ ist. Armenier. Aber das erklären? Sinnlos. Blut. Schreie. Feuer. Ist das das Ende? Visionen oder Halluzinationen? Rennen, weiter ...

Christoph Hardebuschs Geschichte ist kurz und eindringlich, zeichnet brutalen Rassismus und Menschenhatz. Das (unerklärte) phantastische Element liefert am Ende einen Ausblick, der zunächst positiv scheint - solange man keine Sekunde darüber nachdenkt. [8]

Susanne Bonn: Die Herrin der Insel - Gekaufte Diplome und fehlender Kontext

Warbede lebt auf einer Insel, die immer wieder mit Magie stabilisiert werden muss. Nur hat sie keine Ausbildung zur Magierin. Lösung erhofft sie sich von den Moletay-Pilgern, die einen Schnellkurs anbieten, ohne das ewig lange Pilgern.

Kann man sich Wissen schnell erkaufen? Kann ein Schnellkurs ausreichen oder braucht es Zeit, manche Dinge zu lernen? Das könnten die Fragen in dieser Geschichte sein, aber vorherrschend war bei mir an Anfang und Ende eher die Frage nach dem Kontext. Dieser fehlte mir. Eine Vorgeschichte wird angedeutet. Aber das gesamte Setting habe ich nicht wirklich verstanden. Das Ende wirkt schal, ein nachgeschobenes "und dann klappte es doch und alles war super". [6]

Peter Hohmann: Der Flug des Raben - Das Ende eines Schwarzmagiers

Seit langem wird der Schwarzmagier gesucht, der die Kinder des Königs ermordet hat. Dem letzten verbleibenden Sohn gelingt es tatsächlich, den Magier niederzuschlagen und seine Geschwister zu rächen. Aber was hatte der Magier eigentlich vor? Kann das seltsame Buch, das man bei ihm fand, Aufschluss geben?

Schon zu Beginn von Peter Hohmanns Geschichte vermittelt dieser ein mulmiges Gefühl, dass irgendwas hier nicht so recht passen mag. Das Gefühl hält sich bis zum Ende. [8]

Markolf Hoffmann: Regeln für den Einhornpark - Einhorn-Heilung und Magier-Krieg

Die Einhörner sind erkrankt. Und ihre Hörner damit unbrauchbar für Zauberstäbe. Aber diese werden dringend gebraucht, wurde den Sturmmagiern doch mehrfacher Krieg erklärt. Kann die Weise Schlange von Üpping Rat bieten?

Die "Regeln" (was soll denn bitte dieser Titel?!) sind kurz und lesen sich mehr wie ein nüchterner Bericht als wie eine spannende Queste. Diese würde die Handlung durchaus hergeben, aber hier wird zu kurz zusammengefasst. [7-]

Christiane Lind: Ein Job für Aphrodite - eine Göttin mit moderner Arbeit

Aphrodite und Athene streiten sich mal wieder. Endresultat ist, dass Aphrodite nach "Germanien" gehen und dort arbeiten soll, um ihren Nutzen zu beweisen. Das ist in Zeiten von Jobcentern gar nicht so leicht und "Göttin der Liebe" als bisherige Beschäftigung auch nicht ganz unproblematisch ...

Von Beginn an witzig geschrieben findet Aphrodite hier einen ganz neuen Job. Humor mit Herz für Nerds. [7-8]

Thilo Corzilius: Mäuse - Kurzmärchen

Mr. Glendale hat Mäuse und lässt die Kinder in seinem Garten spielen. Ohne ihr Wissen hilft er ihnen auch im weiteren Leben, denn er kennt noch Feen.

"Fantasy" trifft es hier weniger als "(Ausklang eines) Kurzmärchens", ein klein wenig an Oscar Wilde erinnernd aber doch ganz anders. Nett, leicht sentimental - aber wie Märchen auch recht vorhersehbar. Mehr zu sagen, wäre zu viel. [7-8]

Fabienne Siegmund: Winterherz - Kann man den Winter lieben?

Als Menschen noch an Märchen glaubten, kam Vater Frost nach einer Liaison mit Mylady Summer nach Prag. Schnee und Eis nahmen die Stadt ein und eine junge Frau liebte es - und liebte Väterchen Frost, ungeachtet der Warnungen, die der Herr der Schwäne aussprach.

Märchen-Fantasy trifft das Feeling dieser Geschichte. Konkret fielen mir Hans-Christian Andersens Märchen (nicht die Disney-Varianten!) ein: Diese sind in Stimmung und Ausklang ähnlich - und auch das Personal erinnert an diese. [8+]

Moritz B. Hampel: Der Atyaki - Erzählung eines Dämons

Der Atyaki ist ein Dämon, der von Menschen Besitz ergreift, wie er dem Leser sofort mitteilt. Angst hat er eigentlich keine. Nur ein Exorzist könnte ihm gefährlich werden - und äußerst schmerzhaft. Dennoch gibt es so etwas wie Ehrgeiz.

Aus Blickwinkel des Dämons wird der Umgang mit einem Exorzisten geschildert. Nett zwischendurch. "Dämonengold" in vereinfachter Kurzform. [7]

Stephan Lössl: Sternensuche - Zwischen Liebe und Bestimmung

Nach der Zerstörung seiner Heimat sieht Gwendilor im Traum einen Stern, dem er seitdem folgt. Auf der Flucht vor den grausamen Hylaren trifft er seine künftige Gefährtin, doch der anderweltliche Stern, dem auch drei Könige folgten, lässt ihn immer weiter suchen.

Die christliche Anspielung ist offensichtlich; das Ende hingegen durchaus unerwartet. Geradezu tragisch. [8]

Uschi Zietsch: Der wahre Schatz - [des letzten Drachen]

Ein Sturm, wie es ihn noch nie gab, zieht über das Land: der Todeskampf des letzten Drachen. Ihn zu töten ist auch der letzte der Drachentöter angereist. Doch der Drache erwartet ihn bereits, denn wichtiger als alles andere ist der letzte, der wahre Schatz, den er behütet.

Eine Geschichte aus der Welt Waldsee, die aber auch für sich selbst stehen kann. Ein Twist ist nicht unerwartet; der konkrete Twist ist auch nicht brandneu, aber kurzweilig erzählt. [7-8]

Insgesamt bietet "Im Bann der Welten" 13 Kurz- bis Kürzestgeschichten. Diese beeindrucken selten durch Innovation, sind aber durchgehend handwerklich gut. Die Sammlung ist das Richtige, wenn man wirklich kurze, abgeschlossene Lektürestücke sucht.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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