Buch-Cover, Antony G. Peckham: Fallenmagie

Fallenmagie

Genre: Fantasy (Science Fiction)
Seiten: 175
Erschienen: 01/2014 (Original: 2014)
ISBN: 978-3-847684-86-2
Preis: 2,99 Euro (Digitaler Text / eBook)
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Mia ist eine ehrgeizige junge Fallenmagierin. Wenn die Lehrer an der Akademie ihr doch nur die Gelegenheit geben würden, sich zu beweisen! Aber nein, sie muss in all die Unterrichtseinheiten, die sie schon lange verstanden hat. Dann bekommt sie die Gelegenheit, es allen zu zeigen ...

Kosch und Parcas stehen auf der anderen Seite des Problems: Einige Ruinen haben schon mehrere Abenteuerertruppen in den Tod gerissen. Aber die Belohnung ist gewaltig. Das Problem: Die Fallen sind ihnen unbekannt und unverständlich. Dennoch machen sie sich auf, ein Artefakt aus dem fallengespickten Gemäuer zu bergen ... erfolgreich?

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

"Fallenmagie" verbindet Fantasy mit sachter Science Fiction ("Endzeitszenario") ohne dass es zu einem Bruch kommt. Zudem bricht Antony G. Peckham mit dem Klischee des verkannten Helden-Genies und nutzt zwei Handlungsstränge auf ungewöhnliche Weise. Eine Empfehlung für alle Fantasy-Fans mit leichtem SF-Einschlag!

Mad Max trifft klassische Fantasy

"Fallenmagie" setzt auf zwei Handlungsstränge. Das ist heutzutage nicht mehr ungewöhnlich, aber dieser Kurzroman schafft einen neuen Dreh. Wo sich in den meisten Fällen die zwei Handlungen an einem Punkt vereinen, bleibt dies in "Fallenmagie" aus. Ich erwartete, dass Magierlehrling Mia von den beiden Reliktsuchern angeheuert wird, aber dazu kommt es nicht.

Überhaupt sind die beiden Handlungsstränge sehr unterschiedlich: Mia ist die klassische Magier-Novizin in einem typischen Fantasy-Setting. Kosch und Parcas können als die typischen Glücksritter durchgehen. Früh ergibt sich, dass die beiden mit Magie nicht viel am Hut haben - dort, wo sie sind, geht es um Technologie. Das Setting der beiden erinnert eher an eine postapokalyptische Ruinenlandschaft wie aus Fallout oder Mad Max. Aber Fantasywelten sind groß und mischen oft die verschiedensten Kulturen. Die eigene Unerfahrenheit mit Magie wäre daher gerade ein Grund, sich Hilfe aus der Fremde zu holen!

Genau das passiert aber nicht. Die beiden Handlungen gehören zueinander, aber das lässt auf sich warten. Dann jedoch kommt es plötzlich, überraschend und auch interessant. Mehr mag ich nicht verraten.

Unsympathische Fallenmagierin

Bei einem Buch mit dem Titel "Fallenmagie" liegt es nahe, dass die Fallenmagierin (oder besser gesagt: die Auszubildende) als Hauptfigur angesehen wird. Zu einer Sympathie- oder Identifikationsfigur wird sie nie. Der Schul- oder Akademieroman ist nichts Neues. Auch in der Fantasy begleitet der Leser den Helden oft genug durch seine Ausbildung. Die Bezeichnung "Held" passt auf Mia einfach nicht.

Das beginnt auf der ersten Seite: Sie quält gerne Tiere, setzt sie ihren Fallen aus. Es könnte hier zu einem Lerneffekt kommen - dieser bleibt jedoch weitestgehend aus. Mia ist eine Regelbrecherin. Auch das ist ein positives Merkmal vieler Helden, die mit eingerosteten Strukturen kämpfen. Aber Mia ist auch arrogant, besserwisserisch und will anderen nicht zuhören. Dass ihre Kapitel lediglich aus ihrer Perspektive erzählt werden (und wie Kosch' Kapitel nur ihren Namen und eine Zahl tragen), verdeckt viel von ihren tatsächlichen Fähigkeiten. Immerhin kann der Leser ausschließlich auf Mia hören - und ist durchaus geneigt, ihr die Position des "verkannten Genies" zuzugestehen. Denn dies ist eine sehr häufige Situation der späteren Fantasy-Helden. Auch die Verbissenheit, ihr großes Ziel zu erreichen, kann positiv sein. Das ändert aber nichts daran, dass Mia bis zuletzt (wenn überhaupt) eine Antiheldin bleibt - und selbst darüber kann man streiten.

Ruinensuche im Ödland

Die zweite Handlung spielt sichtbar irgendwo anders. Fantasywelten sind groß; Handlungen an mehreren Orten sind Standard. Die beiden Helden dieser Handlung wirken zu Beginn wie Antihelden: Glücksritter, die aus einer Ruine ein Artefakt bergen wollen. Dabei geht es ihnen deutlich um die Bezahlung. Kosch und Parcas sind Glücksritter, die ihr eigenes Leben genießen wollen. Fallengespickte Ruinen zu durchsuchen, scheint normal zu sein. In diesem Fall verstehen sie die Fallen jedoch einfach nicht. Ich erwartete, dass die beiden sich an die bekannte Fallenakademie wenden und professionelle Hilfe anheuern: Mia. Schließlich ist offensichtlich, dass sie genug hat von ihren "ignoranten" Lehrern. Verbissen sind die beiden nicht. Selbst inmitten tödlicher Fallen lockern sie die Handlung durch ihre freundschaftlichen Kabbeleien auf - in direktem Kontrast zur verbissenen Mia.

Das geschieht nicht und später zeigt sich auch eine andere Motivation von Kosch und Parcas. Nach der Vorbereitung stolpern die beiden von einer Falle in die nächste. Das Betreten der Ruinen ist analog zum Beginn des Dungeon Crawl in einem Rollenspiel. Darauf mag bereits der Titel hindeuten: Fallenmagie - ein Parcours aus Fallen, den es zu überwinden gilt? Ja, aber dies misslingt nicht zu einem stupiden Abhandeln von Problem 1, 2, 3, sondern bleibt bis zum "Schatz" interessant.

Leicht überraschend: Gleich zu Beginn treffen die beiden Glücksritter auf einen Roboter. Dies ist ein Punkt, wo es zu einem Bruch kommen könnte. Roboter in der Fantasy? Steampunk ok, mythische künstliche Wesen auch, Golems, aber Roboter passen für viele (mich eingeschlossen) nicht ins Setting. Hier? Kein Problem, denn von Anfang an wirkte das Umfeld von Kosch und Parcas technisiert. Zugleich wirkt es aber zurückgeblieben, dreckig und kaputt, so dass man es sich in der gleichen Welt vorstellen kann wie eine Fallenmagier-Akademie. Technik ist nicht ausreichend fortgeschritten, um Magie zu verdrängen oder umgekehrt. Denn dieser Roboter ist nicht gerade hochkomplex, für vollkommen neue Zwecke modifiziert, kurz: primitiv zusammengeschustert. Auch Koschs eigene Ausrüstung verdient die Bezeichnung "perfekt" kein Bisschen. Mad Max oder Fallout: Am Handlungsort der beiden ist die Zivilisation den Bach runter gegangen und kann alte Technologie nicht richtig nutzen.

Wie hängt das mit Mia zusammen? An dieser Stelle möchte ich sagen: Selber lesen, denn was nun kommt, ist zwangsläufig ein Spoiler, der einen echten AHA!-Effekt auslöst.

Interessante Zusammenführung

Achtung, dieser Absatz enthält Spoiler!

Fokus auf Handlung und Figuren

Bei meinen Ausführungen wird deutlich: "Fallenmagie" setzt vor allem auf die Handlung und auf die Figuren. Von Mia, Kosch und Parcas wird ein starkes Bild gezeichnet. Dass sie dabei zu großen Teilen in bekannte Schemata fallen, stört nicht und ist für einen Kurzroman akzeptabel (sogar notwendig). Auch Kubbi, Mias Haustier, erhält eine durchaus schillernde und widersprüchliche Persönlichkeit. Ganz einfach schwarz-weiß sind Peckhams Charaktere sicher nicht.

Bei seiner Handlung verzichtet der Autor auf unnötigen Schnickschnack. Über die Welt erfährt der Leser nichts. Das erlaubt überhaupt erst das Spiel mit den beiden Handlungen und vermeidet gleichzeitig unnötige Abschweifungen. Wer weiß: Vielleicht trügt mein Eindruck von der gesamten Welt ja. Außer der Magierakademie und dem Ödland habe ich nichts gesehen. Für Leser, die eine komplette Welt erfahren wollen, ist dieser Kurzroman hingegen ungeeignet. Statt komplexer Politik zeigt er eine Geschichte dreier Charaktere, ein einzelnes Abenteuer, und deutet Zusammenhänge nur minimal an.

Antony G. Peckham verbindet gelungen Fantasy mit einem Einschlag an Science Fiction. Interessant nutzt er zwei unabhängig-abhängige Plots, deren Zusammenführung aus dem üblichen Einheitsbrei herausfällt. Auch mit der Länge liegt er richtig, denn mit (auf meinem Kobo) 175 Seiten gelingt es ihm, die Spannungen der beiden Plots sowie einige Erwartungen gegeneinander auszuspielen.

Wer nicht nur pure Fantasy sucht und auch einen Schuss SF verkraftet, der sollte für die 3 Euro zugreifen: Er erhält einen äußerst kurzweiligen Kurzroman.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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