Buch-Cover, Markus Heitz: Opfergaben

Opfergaben

Serie: Aera - Die Rückkehr der Götter (#1)Genre: Urban Fantasy
Verlag: DroemerKnaur
Seiten: 70
Erschienen: 07/2015 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-426-43689-9
Preis: 0,99 Euro (Digitaler Text / eBook)
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Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

8/10

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In einer Welt, in der die Götter zurückgekehrt sind, ist Malleus Bourreau überzeugter Atheist. Und Ermittler für Interpol, der keinen Respekt kennt und ebenso wenig Bedenken hat, selbst Hohenpriestern oder "Göttern" auf die Pelle zu rücken. Sein neuester Fall führt ihn aus Treva (Hamburg) in die Bretagne. Wie hängt der Mord an einem Souvenirhändler mit dem frisch renovierten Gasthaus zusammen? Wurde die verschwundene Tochter der Hoteliers zum Opfer für eine Gottheit?

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Sind die Götter echt oder ein Betrug? Diese Frage lässt Markus Heitz im ersten Teil seines Dark Fiction eSerials offen. Sie, der zynische Protagonist und ein mysteriöser Verfolger sorgen trotz einiger Exposition für Spannung.

Erklärungen zum Auftakt

Aera - Die Rückkehr der Götter ist hingegen eine Erzählung, die auf unserer realen Welt aufbaut, diese aber modifiziert. 2012, zum Ende des Maya-Kalenders änderte sich der Lauf der Geschichte: Die Götter kehrten zurück - und das hat natürlich Auswirkungen auf die weltweite Politik und das Machtgefüge. Einiges hat sich geändert, und das muss natürlich erklärt werden.

Markus Heitz reduziert die Exposition auch durch ein verlinktes Glossar (s. u.), aber um alle Erklärungen kommt er nicht herum. Stellenweise nimmt die Erklärung auch etwas Tempo aus der Handlung - für manchen vielleicht zu viel; für mich in einem gesunden Maß. Denn man nehme allein die Götter: Thor, die Asen und die Vanen kennen vermutlich die meisten; auch Kali ist relativ bekannt. Aber wie sieht es aus mit Lir, Kek, Goibniu? Markus Heitz beschränkt sich nicht auf eine einzelne Mythologie, nicht auf ein einzelnes Pantheon. Alle Götter sind zurückgekehrt - nur nicht die von Christentum, Islam und Judentum.

Ist dies Fantasy?

Genres sind Schubladen; Sie sind Etiketten, die uns ermöglichen, ein Buch schnell einzuordnen. Wir haben konkrete Vorstellungen von einem Fantasy-Roman, einem Krimi, einem Sachbuch. In jüngster Zeit werden Gattungen jedoch problematischer: Viele Autoren überschreiten mit ihren Romanen Genregrenzen. Das gilt auch für Aera - Die Rückkehr der Götter.

Ist es Fantasy? Das hinkt an der Frage, ob die Götter echt sind. Malleus bezweifelt dies, sucht andere Erklärungen für die Entitäten. Tatsächlich tritt auch keine einzige Gottheit persönlich auf. Droemer-Knaur vermarktet die Reihe als Dark Fiction. Die Bezeichnung ist jedoch auch wenig hilfreich: Unter dieser Bezeichnung findet man oft düstere, dystopische Romane in der nahen Zukunft; aber auch urbane Vampire, mundane Krimis und Lovecraft-Horror. Sind die Götter echt, müsste man von Urban Fantasy sprechen; Mythic Fiction ist es ohnehin; auch Phantastik passt.

Ein Teil der Inspiration könnte durch Neil Gaimans American Gods gekommen sein. Dies zeigt auch den Unterschied: Bei Gaiman waren die Götter definitiv sehr real. Bei Heitz muss sich erst zeigen, wie sich die Serie weiterentwickelt.

In einem Rutsch durch: Spannend

Gattungen helfen hier kaum weiter. Daher müssen umständlichere Beschreibungen her: Opfergaben ist spannend. Als erster Teil einer Reihe, bei der einiges erklärt werden muss, kommt die Geschichte aber nicht ohne Exposition aus. Dass sie schnell und spannend bleibt, verdankt sie immer wieder auftretenden Action-Szenen - und einem mysteriösen Verfolger, der in kurzen Abschnitten zu Wort kommt. Warum genau er Malleus folgt? Wer ist er? Das bleiben zwei der Rätsel.

Wenig ausgearbeitet sind hingegen die Nebenfiguren. Einzig Malleus Bourreau wirkt wie eine echte Person - und selbst dort sieht man Anleihen bei Bekanntem, die mir jedoch sehr gefallen. Malleus hat einige Züge eines hardboiled detective - aber in einer Welt mit Göttern und als Ermittler für Interpol. Er ist Skeptiker, Zyniker, wählt immer einen BMW i8 als Fahrzeug und raucht eigentlich immer eine seiner Culebras. Rauchverbot? Pah! Oder eher paff. Vom Qualmen seiner speziell gefertigten Zigarren mit farbcodierten Banderolen bringt ihn nichts ab.

Wie viele Zyniker und einsame Detektive scheint auch Malleus Bourreau noch einige Schicksalsschläge in seiner Vergangenheit verborgen zu haben. Auch auf diese freue ich mich. Und um es explizit zu sagen: Ich mag zynische Figuren. Strahlende Helden ohne Fehl und Tadel sind doch langweilig und unglaubwürdig.

Umfangreiches Glossar

Ich las und las - und plötzlich war es vorbei. Bei einem gedruckten Buch wird das Ende offensichtlich. Aber auch mein eBook-Reader zeigte mir Seite 70 von 128 an. Dennoch war Schluss - und das durchaus sinnvoll, denn der erste Fall ist an dieser Stelle abgeschlossen. Trotzdem kann man das Gefühl haben, die Geschichte sei zu kurz. Das liegt natürlich auch im Format des eSerials, des elektronischen Fortsetzungsromans, und sollte keine echte Überraschung sein.

Dass dennoch etwa 50 Seiten folgen, liegt am umfangreichen Glossar. Hier bekommt der Leser alle Informationen zu den Gottheiten geliefert. Ein Vorteil des elektronischen Formats: Die Namen sind im Text verlinkt. (Bei meinem Kobo leider nur schwer sichtbar.) So kann einfach nachgeschlagen werden. Das Glossar beschränkt sich dabei auf mythische Informationen zu den Wesenheiten (via Wikipedia) - erklärt aber auch Begriffe wie Haruspex ausführlicher, als die Erzählung. Dieses Glossar ist sinnvoll - denn dass eine Person alle Götter und Wesen kennt, dürfte die Ausnahme sein.

Bleibt abschließend die Frage: Wer sollte in die Reihe hineinschauen? Fans von Markus Heitz; Fans von zynischen Helden; Leser, die sich gerne mit Göttern, Religion und Mythen beschäftigen und (wichtig!) einige Zeit mit ungelösten Fragen leben können. Denn genau das, die Frage, was mit den Göttern ist und wie die auferstandenen Kulte die Welt beeinflussen, macht den großen Reiz der Reihe aus.

P. S.: Die folgenden eBook-Teile haben eine ähnliche Länge und erscheinen in wöchentlichem Rhythmus - und so auch die Rezensionen, die damit ein wenig in Richtung "Lesetagebuch" rücken.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • Prunk. Reichtum. Göttlichkeit, die an Malleus' Überzeugungen scheiterte. Wo sich andere in den Staub warfen, zündete er sich eine Culebra an und stellte Fragen. Auch einem Gott, wenn es denn einer wagte, sich seinem Verhör zu stellen.

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