Buch-Cover, Bernd Perplies: Kampf um Aidranon

Kampf um Aidranon

Serie: Imperium der Drachen (#2)Genre: Fantasy
Verlag: INK (Egmont)
Seiten: 543
Erschienen: 07/2015 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-86396-071-1
Preis: 12,99 Euro (Softcover)
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Bis vor einigen Monden war Iolan der Sohn eines einfachen Fischers. Doch tatsächlich ist er der Erstgeborene von Iurias Agathon, dem Tyrann von Cordur. Eben diesen Tyrann erschlug Iolan, als er sich in Zorn und Angst in einen Drachen verwandelte. Nun sitzt er als neuer Herrscher auf dem Thron - und es gefällt ihm durchaus. Doch er hat viele Fragen: Welche Ziele haben jene, die ihn manipulierten? Wer hat überlebt; wer ist tot? Was hat es mit seinem Fluch auf sich? Während Iolan sich der ersten Intrigen erwehrt und seine Macht sichert, taucht Mirene in die Lehren der Quano ein und Markos kämpft auf der anderen Seite des Inneren Ozeans gegen die Xol. Aber auch Iolan hält es nicht in Aidranon: Mehr und mehr fühlt er, dass ihn etwas mit den Dyrrachern verbindet.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Kampf um Aidranon, der zweite Teil der Reihe Imperium der Drachen setzt die Geschichte aus Das Blut des Schwarzen Löwen unmittelbar fort. Und die Drachen bzw. ein Drache ist von Anfang an da - jedoch weiterhin weniger prominent als man es beim Serientitel erwartet. Vor quasi-antikem Hintergrund geht es vor allem um die Intrigen und Kriege um das Cordurische Reich in die die Ziehgeschwister Iolan, Markos und Mirene hineingeraten sind. Im Kern ist es die dreifache Geschichte einer Selbstfindung, die Bernd Perplies spannend und ereignisreich erzählt - und der Wiedereinstieg in die Geschichte(n) gelingt ohne Probleme.

Verschiedene Rassen

Cordur ist ein Großreich, das in mancher Hinsicht dem Römischen Reich ähnelt. So wundert es kaum, dass viele Völker Vasallen sind: Borden, Quano, Dyrracher, Atlesier, Phoekier. Eigentlich dachte ich, dies wären alles schlicht unterschiedliche Menschenvölker - andere Hautfarben und kulturelle Andersartigkeit hin oder her.

Tatsächlich gibt es aber mehr als nur kulturelle Unterschiede. In der Fantasy ist der Unterschied zwischen Volk und Rasse kaum definiert und vermutlich eher fließend: Orks sind im Grunde nicht nennenswert anders als Menschen. Ja, sie haben eine andere Kultur und unterscheiden sich im Körperbau und je nach Autor auch in der generellen geistigen Fähigkeit. Etwas Ähnliches scheint auf Menschen (Cordurer, Borden, Atlesier), Dyrracher und Quano zuzutreffen - eventuell auf andere. Sie alle sind menschenähnlich, haben aber mehr Unterschiede als ihre Heimatregionen oder -kulturen begründen können - nur weil man etwas weiter östlich lebt, wird man nicht drachen- oder katzenartiger.

Verschiedene Denkweisen

Gerade in der Fantasy wird das Aussehen verschiedener Rassen gerne benutzt, um Völker und ihre Denkweise komplett durch Archetypen zu definieren. Durch das Aussehen erkennen wir andere Wesen als Fremdartig und schreiben Ihnen schnell bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten zu, geprägt durch unsere Erfahrung mit vorhergehenden Erzählungen und Medien - es ist eine Methode zur Vereinfachung des Erzählens.

Für Kampf um Aidranon ist Kultur und Denkweise der Figuren weit wichtiger als ihr Aussehen und die Frage, ob sie nun Rassen oder Völker sind. Kurios: Bernd Perplies schmückt dies kaum aus. Lediglich in Mirenes Bestreben, mehr über die Quano zu erfahren und in Iolans Suche nach seiner Herkunft geht es verstärkt in die Kultur der Völker. Trotzdem bekam ich das Gefühl, dass gerade deren unterschiedliche Ideale und Selbstverständnisse zentral sind:

  • Die Menschen von Cordur sind relativ zufrieden in einem Abbild des Römische Reichs
  • Die Quano: Ratgeber, eine Mischung aus Vulkanier und buddhistischen Magiern.
  • Die Drachen verehrenden Dyrracher - von Cordur und den Quano unterjocht.

Zusätzlich zu diesen drei größeren Mächten gibt es weitere Vasallen: Borden (Kelten), Atlesia (?) und Phoekia ("Nordafrika"). In der Wüste leben die mysteriösen Sidhari ("Wüstenlfen") und als Feinde überschreiten die Reiche on Carthaos und Xol die Grenzen. In der klassischen Geschichte des zurückgekehrten, totgeglaubten Thronerben wären diese die bösen externen Feinde, zusätzlich zu den Intrigen im Inneren. So kann man es auch hier sehen. Aber man kann sich auch fragen, ob die Katzenkrieger der Xol mehr Dämon sind als die Magie der Quano oder die Drachen der Dyrracher. Einerseits sind Gut und Böse recht klar vergeben; andererseits zweifle ich immer wieder.

Quano: Intrigante Fantasy-Vulkanier-Buddhisten

Das gilt besonders für die Quano. Schon im letzen Buch zeigte sich, dass sie keineswegs einheitlich denken. Einerseits ist ein Quano der engste Berater und Freund des letzten Cordurischen Herrschers gewesen; die Quano sind in vielen machtvollen Positionen.

Ihr Glaube an die unbestechliche und Gleichgewicht bringende Weltseele Gahat ähnelt zudem dem Buddhismus. Die Magie, welche sie durch Gahat wirken, drängt zudem sie in die klassische Rolle der weisen Berater. Ihre Rationalität und emotionale Distanziertheit lässt sie zudem wie Fantasy-Vulkanier wirken. Um bei Star Trek Vergleichen zu bleiben: Dann haben sie aber auch einiges von den Romulanern übernommen, denn einige Quano intrigieren massiv und wollen das Cordurische Reich stürzen.

Das finde ich im Gesamtbild der Quano irritierend. Was treibt diese Quano an? Was genau fiel in der Vergangenheit zwischen Dyrrach und Quanish vor, dass solch ein Hass entstand? Und warum riskieren die Intriganten eine äußerst gute Position, nur um Cordur zu stürzen? Ich hoffe, hier gibt es im dritten Teil nachvollziehbare Begründungen - denn an ihnen wird im Rückblick einiges hängen.

Einfach frei zu sein, und wenn es nur ist, um zu sterben, wäre die klassische, idealistische Begründung. Diese finde ich aber unbefriedigend. Ich musste an Monty Pythons Das Leben des Brian denken: In einer Szene fragt ein Rebellenführer seine Mitverschwörer, was die Römer je für sie getan haben - und erhält einige überzeugende Dinge mehr zur Antwort, als er sich wohl dachte. Den Quano scheint es ebenfalls recht gutzugehen. Sie profitierten durch Cordur und konnten ihren Erbfeind Dyrrach de facto besetzen. Für mich sieht es so aus, als würden die Quano bei ihrem Plan nur verlieren, und ich frage mich, welche Facette ich übersehe.

Klassische Geschichte: Selbstfindung

So lang wie ich auf Quano und Co eingehe, so sehr hält Bernd Perplies sich damit zurück. Intensive Erörterungen zu soziopolitischen Strukturen gibt es in Kampf um Aidranon nicht. Das wäre wohl auch zu trocken. Für mich schweben diese Fragen im Hintergrund. Im Vordergrund steht hingegen die Geschichte um Iolan, Markos und Mirene. Das ist eine klassische Handlung: Die Helden ziehen aus, geraten in Gefahr, verlieben sich, finden ihren Platz in der Welt, ihre Bestimmung.

Dabei gehen die drei Ziehgeschwister ganz unterschiedliche Wege: Markos gerät in den Krieg mit den Xol und reist gen Aidranon, um Iolan und Mirene wiederzufinden. Mirene geht einen spirituellen Weg und erkundet die Kultur der Quano - was vor allem an einem ganz bestimmten Quano liegt. Beide Figuren erlauben es Bernd Perplies, Stimmungen im Cordurischen Reich einzufangen. Will man eine einzelne Hauptfigur benennen, ist dies jedoch Iolan.

Drachenfluch und Charakterwandel

Es ist nicht überraschend, dass Iolans Fluch eine wichtige Rolle im Titel gebenden Imperium der Drachen spielen dürfte. Jener Fluch macht Iolan zu schaffen. Nicht dass er etwas dagegen hat, sich in einen Drachen zu verwandeln - das hat schon etwas! Aber dass er sich als Drache nicht kontrollieren kann, ist problematisch.

Noch problematischer ist, dass seine engsten Verbündeten dies als Fluch oder Gabe der Dyrracher Gottdrachen sehen - mit denen sie zutiefst verfeindet sind. Als Iolan von den Berührten Dyrrachern hört, die sich kontrolliert in Drachen verwandeln können, ist er fest entschlossen, mehr herauszufinden. Was steckt wirklich hinter seiner Fertigkeit? Ist es Fluch oder Segen? Mehr als bei Mirene und Markos sucht Iolan so nach seiner Identität und seinem Ursprung.

Dies treibt jedoch immer mehr einen Keil zwischen ihn und die Quano. Zumindest jene Quano, die vom Fluch wissen und ihn allzu gern als Marionettenherrscher auf dem Thron gehabt hätten, um das Reich zu spalten. Und auch andere versuchen, den jungen Herrscher für sich zu nutzen. In mancher Hinsicht sind dies genau die Intrigen, die man in dieser Grundgeschichte erwartet. Auch, dass Iolan sich durch die neue, ungewohnte Macht verändert, kann man erwarten. Offen bleibt die Frage: Zum Guten oder zum Schlechten?

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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