Buch-Cover, Ivo Pala: Die eisige Göttin

Die eisige Göttin

Serie: Elbenthal-Saga (#3)
Autor: Ivo Pala
Genre: Urban Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 432
Erschienen: 02/2015 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-423-62599-9
Preis: 9,95 Euro (Softcover)
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Alberich ist tot, doch Elbenthal ist gerettet und Svenya kann endlich Hagen heiraten. So schien es, denn im letzten Moment zog Laurin sie durch ein Portal. Das, was sie auf der anderen Seite entdecken, entspricht aber ganz und gar nicht den Vorstellungen des Schwarzen Prinzen: Weder Dunkelelben noch Lichtelben herrschen in Alfheim, sondern eine neue, fremde Macht. Bald finden sich Laurin und Svenya als Gladiatoren wieder. Nur vereint scheinen ihre beiden Völker eine Chance zu haben.

Das Buch erhält 7-8 von 10 Punkten.

Ich begann Die eisige Göttin gleich nach Der Schwarze Prinz. Das war vermutlich ein Fehler, denn im sofortigen Anschluss wirkte der Auftakt lahm und hingezogen. Beim zweiten Anlauf mit ein wenig Abstand ging es zügig über diesen hinweg und hinein in eine Geschichte, die gehabt locker auf der nordischen Mythologie ausbaut und sie mit moderner Technologie verwebt.

Wendungen: vorhersehbar und überraschend

Wenn eine der zentralen Personen eines Romans gleich zu Anfang stirbt, dann glaube ich das nicht - Leseerfahrung lässt grüßen. Die Perspektive von anderen Figuren kann verfälschen. Und natürlich ist dies ein Setting, in dem Götter aktiv sind und mancher von den Toten zurückkehrt. Daher ist es kaum eine Überraschung, wenn Figuren früh verschwinden und für tot erklärt werden, aber später wieder auftauchen.

An Wendungen gibt es allerdings genug. Einige sind vorhersehbar, andere weniger - oder gar nicht. Letzteres gilt insbesondere für das Ende, das noch einmal zu einer Geschichtsstunde ausholt. Das erklärt zwar einiges, war für mich aber auch langweilig und wirkte wie ein einfacher Ausweg, um schnell alles zusammenzufassen.

Zwischen dem langsamen Auftakt und dem Ende steht allerdings der Rest des Buches. Erste Überraschung: Nicht Laurins Dunkelelben herrschen über Alfheim, sondern die Fyrr'Albi, Feuerelben, unter ihrer eisigen Göttin Alba. Licht- wie Dunkelelben sind bestenfalls Sklaven. So müssen auch die bekannten Figuren immer neue Bündnisse mit früheren Feinden schließen. Dies geschieht logisch und immer mit Eigennutz - allerdings blendet Ivo Pala die Emotion fast völlig aus, die gerade Lau'Ley schon zwei Romane lang im Weg stand. Vereinfachung? Ja. Komplexer wird hingegen die Beziehung zwischen Svenya und Laurin: Nun, da die beiden gemeinsam gefangen sind, zeigt sich, dass da mehr zwischen den beiden ist - und mit der Vergangenheit zusammenhängt.

Nordische Mythen treffen Steampunk

Wer sich mit Nordischen Mythen auskennt, entdeckt einiges wieder. Einige Ausführungen und Zurechtrückungen wirken allerdings etwas gezwungen. Schon im vorigen Roman erfuhren die Leser die Geschichte des Rings Andvaranaut - die sich aus Hagens Mund anders darstellt als beispielsweise im Nibelungenlied.

Insgesamt erkennt man Mythen und Götter (ja, von denen tauchen mehrere auf) wieder und in Teilen baut Ivo Pala auch auf deren Bekanntheit auf. Manchmal wirkt der Bezug auf Legenden jedoch mehr bemüht als überzeugend. Bei der Erklärung im oder nach dem Finale fallen zudem verschiedenste Erklärungen und Abweichungen ineinander, was mich störte, aber nicht übermäßig.

Zu den Nordischen Myhten mischt Ivo Pala auch einen Schuss Steampunk: In Alfheim schwimmen riesige Eisberge als Städte über den Ozean; am Himmel gleiten Luftschiffe dahin und manche Waffen scheinen der Science-Fiction entnommen.

Actionreiche Erzählung

Die eisige Göttin ist (Anfang und Ende ausgenommen) eine recht actionlastige Erzählung. Gleich zu Beginn geraten Svenya und Laurin in einen Hinterhalt. In einer Art Gefängnis müssen sie um ihr Überleben kämpfen, danach als Gladiatoren in der Arena und schließlich in einer Rebellion gegen das bestehende System. Ruhepausen sind hier seltener als Kampf.

Außerdem springt Ivo Pala zwischen mehreren Figuren, die alle einen eigenen Konflikt austragen: Wargo steht zwischen seinen Freunden und seiner totgeglaubten Frau; Yrr beansprucht ein mysteriöses Erbe. Diese Figuren bleiben allerdings eher blass - ihre Geschichte hätte vermutlich auch einen eigenen (Kurz-)Roman füllen können.

Aber auch wenn die Reihe Elbenthal-Saga heißt: Vor allem ist dies Svenyas Geschichte, wobei sie als Hüterin Midgards in diesem letzten Teil eigentlich gar nicht mehr so wichtig ist. Vielmehr bekommen andere Personen und ihre Beziehungen mehr Raum. Gerade Hagen und Laurin entwickeln sich stärker weiter.

Svenya: Immer noch naiv

Dass nicht Svenya allein im Mittelpunkt steht, gefällt mir. Denn Svenya hat einiges an sich, das ich nicht ausstehen kann: ihre beharrliche Weigerung, auch nur ein Opfer zu bringen, einen Feind zu töten, um das (zugegeben und objektiv noble und gute) Ziel zu erreichen, beispielsweise. Diese Haltung fand und finde ich einfach unrealistisch. Besonders dann, wenn es gegen übermächtige Feinde geht.

Auf der nervigen Seite ist Svenyas Zauber, der ihren magischen Panzer beschwört. Ivo Pala schreibt jedes Mal erneut die lange Zauberformel. Ich mag Sprachspiele - aber dieser Zauber nervte mich nur, nahm Tempo und gab auch kein Flair. Warum die Formel genau so lautet, bleibt auch ein Geheimnis.

Offene Rätsel und Auflösungen

Viele Entwicklungen waren schon im ersten oder zweiten Teil angedeutet; andere kann man mit etwas Leseerfahrung vorhersehen. Wie so oft gilt nur: wie genau sich etwas entwickelt, bleibt offen, auch wenn die generelle Richtung klar ist.

Wird am Ende alles geklärt? Ja und nein: Wie Hagen, Laurin und Svenya zusammenhängen, wird erzählt - leider in einer wenig spannenden Geschichtsstunde. Diese passt durchaus, wirkte auf mich aber weit hergeholt und einfach zu praktisch. Denn wie der Grund, weshalb Svenya ihren Fluch mit einem Mal ignorieren konnte, löst es ganz praktisch alle Probleme. (Mal ehrlich: Das ist ein so massives Loch im Fluch, dass es jemandem aufgefallen sein sollte.)

Auf weitere Details kann ich nicht eingehen, ohne massiv zu spoilern. Daher nur: Ich stehe dem Ende sehr zwiegespalten gegenüber. Es kommt sehr plötzlich, ist in mancher Hinsicht verwirrend und versucht, noch einmal eine mythisch-epische Dimension zu öffnen, die mir nicht richtig zu passen schien, zu groß war - und auch unnötig. Zumal sie doch beträchtlich von den bekannten Nordischen Mythen abweicht. Diese weiterzuspinnen ist legitim - hier empfand ich es aber als weniger gelungen.

Auch spielten die Emotionen und Animositäten der Figuren plötzlich nur noch eine geringe Rolle, konnten überbrückt werden. Ja: Gefahr schweißt zusammen. Aber in diesem Roman ging alles zu glatt. Und die Frage, ob alles nur ein Traum sei, ist einfach abgedroschen.

Gut hingegen: Dies ist kein reines Happy End. Geradezu ironisch kann man den verstorbenen Alberich im Nachhinein als Oberschurken begreifen. Wobei das weniger Absicht war als eine Reihe vollkommen schiefgelaufener Ereignisse.

Am Ende des Buchs ist diese Geschichte abgeschlossen, die unmittelbaren Probleme sind gelöst. Allerdings stehen die Figuren vor vielen weiteren Problemen: "Leicht wird es nicht, aber wir können es schaffen". Und damit wird der Leser verlassen. Dies missfiel mir ebenso wie das recht plötzliche Ende - den Eindruck, dass eine bestimmte Seitenzahl vorgegeben war und jetzt der Schluss kommen muss, konnte ich nicht ganz verdrängen.

Aber trotzdem: Abgesehen von Anfang und Ende unterhielt mich Die eisige Göttin gut und ich verschlang die Seiten in hohem Tempo. Actionlastige Fantasy mit einem Touch Nordische Mythen und Steampunk? Die bekommt man hier - wobei leider der Anfang etwas stockt und gerade das Ende für mich eine echte Schwäche darstellt.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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