Buch-Cover, Tad Williams: Das Beste von Tad Williams

Das Beste von Tad Williams

Originaltitel: The Very Best of Tad Williams [AME]
Übersetzer: (Sammlung) verschiedene
Genres: Fantasy; Kurzgeschichten
Verlag: Cross Cult
Seiten: 580
Erschienen: 10/2015 (Original: 2014)
ISBN: 978-3-86425-795-7
Preis: 16,99 Euro (Softcover, Sonderformat)
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Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

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Das Beste von Tad William: Über Superlative kann man immer streiten, zumindest dann, wenn es nicht um harte Fakten geht. Zu den Fakten gehört: Nicht alles in dieser Sammlung von Kurzgeschichten ist Fantasy. Zu den Fakten gehört auch: Wenn es vielleicht nicht das Beste ist, so ist es doch eine sehr gute und sehr diverse Auswahl an Erzählungen - und einigen Sonderformen. Riss mich jeder Text voll mit? Nein. Das kann man auch gar nicht erwarten; weder bei dieser Sammlung noch bei irgendeiner anderen. Das Beste von Tad Williams? Jeder hat vermutlich eine andere Erzählung, die ihm besser gefällt; fast immer ist in einer Kurzgeschichtensammlung auch etwas dabei, das den eigenen Geschmack weniger trifft. Auch für mich gab es Erzählungen, die weniger gefielen. Aber: Keine Kurzgeschichte ist in meinen Augen ein kompletter Fehlschlag. Und so gut wie jeder Text lädt aus mindestens einer Perspektive zum Nachdenken und Hinterfragen ein.

Fantasy mit Twist

Tad Williams ist vor allem für Fantasy bekannt - kein Wunder also, dass viele der Geschichten auch mal enger, mal weiter in diese Gattung fallen. Allerdings haben sie fast ausnahmslos einen Twist - manchmal nicht ganz unerwartet. Wenn bei Ein mieser fieser Ritter eine Drachin erzählt, wundert es kaum, dass die Menschen schlecht wegkommen; auch das Ende des Drachentöterspiels war für mich vorhersehbar - was aber keineswegs die Lust an dieser Geschichte schmälerte. Ich lese immer wieder gerne Geschichten, die nicht dem Standard-Muster von "guter Ritter erschlägt bösen Drachen" folgt.

Twists gibt es auch in anderen Geschichten: Als Kind einer uralten Stadt verfolgt ein Vampir zunächst eine Reisegruppe, lässt sich dann jedoch auf einen Wettbewerb im Geschichtenerzählen einlässt - eine sehr von 1001 Nacht angehauchte Geschichte.

Die Hände des Fremden haben eine besondere Macht - und auch der Fremde ist kein Unbekannter, wie sich herausstellt. Nur wie er zu dem wurde, was er ist, bleibt offen - und ob der Sieg des Guten wirklich gut ist.

Otherland-Leser werden im Jugenddetektiv von Oz in dieses Land zurückgebracht, wo es einen seltsamen Mord aufzuklären gilt - ein Mord in einer Simulation, in der er nicht stattfinden dürfte! Auf das alte Märchen vom gefangenen Fisch, der einen Wunsch verspricht, spielt Tad Williams an in Ein Fisch und drei Freunde. Und Alles fluffige Getier führt den Leser an den Beginn der Schöpfung, wo Gottes Tochter einige Fehler ihres Vaters behebt - sehr zum Verdruss der Engel.

Humoriges & Düsteres zum Nachdenken

An dieser Stelle schon einmal vorweggenommen: Nicht ganz richtig, nicht ganz üblich könnte der Leitsatz für diese Sammlung sein - und das ist positiv gemeint. Wie Gottes Tochter seine Schöpfung korrigiert; die Absurditäten im Otherland oder der große Plan im Drachentöterspiel; sogar das Versprechen des genannten Fisches und der unplanmäßige Ablauf sorgen immer wieder für Humor. Kein Humor, bei dem man brüllend loslacht; eher Humor zum Grinsen, Mund verziehen und Kopf schütteln.

Das gilt insbesondere, da viele Geschichten eher am düsteren Ende des Spektrums sind. In Die Fluttore erstarken die Wesen der Dunkelheit und breiten sich in der modernen Welt aus. Nicht von Mystik, sondern von Technologie, handelt Auch nicht mit einem Wimmern: Wie geht man mit einem Bewusstsein um, das sich vor allem bedroht sieht und Angst hat zu sterben - gleichzeitig aber eine Erdrückende macht. Geradezu brandaktuell ist Die Boten Gottes: In der fernen Zukunft wird ein religiöser Fanatiker als Agent auf eine rationale Welt geschickt. Fest überzeugt ist er von seiner Rechtschaffenheit, die auch Mord zum angemessenen Mittel macht - zumindest zu Anfang.

Sci-Fi und Wissenschaft

Auch Science-Fiction findet man also in Das Beste von Tad Williams. Zu diesen Geschichten zählt auch Omnitron, was geht ab? in welcher der Erzähler berichtet, wie er zu seinem Robo-Butler kam und welche Abenteuer er währenddessen überstand. Monsieur Vergalants Canard hingegen spielt in der Vergangenheit. Nichtsdestotrotz geht es hier um eine mechanische Erfindung, die den Königshof beeindrucken soll.

Dystopie trifft es bei Z steht für ...: Irgendetwas stimmt nicht, doch der Erzähler kann es nicht greifen. Zebras? Steht Z für Zebras? In unüblicher Form kommt Schwarze Sonne daher: als Film- oder Theaterskript. Hier steht eine neue Droge im Mittelpunkt, deren ultimative Auswirkung sich erst zeigt, als ein Protagonist in seine Heimatstadt zurückkehrt: Das, was in der letzen Feriennacht geschah, ist keineswegs zu Ende.

Realistisches

Drogen sind an sich etwas sehr Reales. Schwarzen Sonne besitzt jedoch noch ein phantastisches Element. Andere Geschichten sind gänzlich real, wenn sie auch zum Träumen einladen: Drei Duette für Jungfrau und Nashorn begleitet ein ausgestopftes Tier und eine junge Frau, von der gerade ein Mariengemälde gemalt wird. Auch die Gedanken zu DARK DESTRUCTOR könnte man unter Realerzählungen fassen - denn es ist die Kritik einiger Freunde (und einer Schwester, aber Mädchen haben ja eh keine Ahnung und zählen nicht.) an einem Comic. Von Teenagern mit entsprechend amüsanter Qualität der Rezension Marke "Ratschläge, die man weder will noch braucht". Der Stoff, aus dem die Träume sind, lässt sich als Detective Noir Geschichte einordnen. Hier wird ein leicht heruntergekommener (ok, vielleicht auch etwas mehr heruntergekommener) Bühnenmagier zum Protagonisten. Und das ganz ohne Magie - oder vielleicht doch nicht?

Bunte Mischung - aber das Beste?

Auf jede Geschichte einzeln und im Detail einzugehen, sprengt den Rahmen einer Rezension. Abschließend möchte ich noch einmal festhalten: Das Beste von Tad Williams ist eine sehr bunte Mischung unterschiedlicher Geschichten, von Fantasy über Science Fiction bis hin zu Detektivgeschichte, Filmskript und (Quasi-) Historischem.

Ist es wirklich das Beste von Tad Williams? Vielleicht ja; vielleicht nicht - entscheidend für den Genuss ist auch die Bereitschaft, sich auf sehr verschiedene Geschichten einzulassen. Wer Tad Williams mag und neben Fantasy auch gerne mal anderes liest, erhält von mir jedoch einen klaren Rat: Zugreifen, denn Abwechslung ist garantiert.

Inhalt

  • Einleitung
  • Das Drachentöter-Spiel
  • Die Fluttore
  • Die Hände des Fremden
  • Kind einer uralten Stadt
  • Der Jugenddetektiv von Oz: Eine Geschichte aus dem Otherland-Universum
  • Drei Duette für Jungfrau und Nashorn
  • Auch nicht mit einem Wimmern
  • Ein paar Gedanken zu DARK DESTRUCTOR
  • Z steht für ...
  • Monsieur Vergalants Canard
  • Der Stoff, aus dem die Träume sind
  • Ein Fisch und drei Freunde
  • Alles fluffige Getier auf Erden und alle pinkfarbenen Vögel unter dem Himmel
  • Ein mieser fieser Ritter
  • Omnitron, was geht ab?
  • Schwarze Sonne
  • Die Boten Gottes

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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