Buch-Cover, Sarah J. Maas: Throne of Glass - Königin der Finsternis

Throne of Glass - Königin der Finsternis

Originaltitel: Queen of Shadows [AME]
Serie: Throne of Glass (#4)
Übersetzer: Tanja Ohlsen
Genre: Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 767
Erschienen: 05/2017 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-423-71707-6
Preis: 12,95 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

8/10

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Kurz & Knapp
  • Gute Nebenfiguren
  • Hauptfigur ohne Veränderung
  • Action und Handlung überdecken kleinere Schwächen

Nicht Celaena Sardothien kehrt aus Wendlyn zurück, sondern Aelin Galathynius, rechtmäßige Königin von Terrasen. Doch Terrasen ist ein Königreich, das sie sich zunächst zurückerobern muss. Denn zwischen ihr und ihrem Thron steht der König von Adarlan - und Kronzprinz Dorian, ihr ehemaliger Geliebter und Freund, der von einem Valg-Lord besessen ist. Auch persönliche Rechnungen hat der ehemalige Champion des Königs zu begleichen und begibt sich zurück in die Hauptstadt ihres Feindes, während in den Bergen ein Heer aus Hexen und Wyvern bereit ist, loszuschlagen.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

An einem wird sich in dieser Serie nichts ändern: Mit Celaena werde ich nicht warm - auch wenn sie inzwischen Aelin ist. Daran ändert auch manche Entwicklung nichts, denn gerade Celaena/Aelin veränderte sich ultimativ kaum: Auch wenn die Assassinin nun in einer Truppe agiert, handelt sie oft allein. Durch einige interessante Figuren kann ich über Celaenas mangelnde Entwicklung hinwegsehen. Gleichzeitig verhindert es aber, dass das Buch in meine absolute Spitzenklasse aufsteigt.

Guerilla-Truppe statt Einzelkämpferin

Celaenea ist zu ihrem alten Namen - Aelin Ashryver Galathynius - zurückgekehrt. Und sie hat ihre rechtmäßige Stellung als Königin von Terrasen angenommen, allerdings ist sie weit davon entfernt, tatsächlich zu herrschen. In Wendlyn hat sie immerhin die Magie ihres Fae-Erbes erlernt; doch in Adarlan ist die Magie nach wie vor blockiert. Dies ist dann auch eines ihrer großen Ziele: Die Magie wieder freisetzen.

Inmitten der Hauptstadt des Feindes tut Celaena sich mit Rebellen zusammen. Für diese ist sie allerdings keineswegs eine Heldin oder Retterin. Schon zuvor geriet man unglücklich aneinander und keine der Parteien vertraut der anderen ganz. Die Stimmung ist schlecht, denn mit den notwendigen Guerilla-Taktiken können längst nicht alle Hinrichtungen verhindert werden. Und auch durch Chaol, der die Rebellen führt, gibt es ganz besondere Probleme.

Denn Aelin hat die Valg-Fürsten kennengelernt. Sie geht davon aus, dass der Tod ihrer menschlichen Körper die einzige mögliche Gnade für den Menschen ist. Chaol verbietet es jedoch, Dorian zu töten: Es muss einen Weg geben, ihn zu retten!

Neue Beziehungen und Alte Beziehungen

Natürlich ist die Zusammenarbeit der beiden auch problematisch, weil Chaol eine der vielen Romanzen Celaenas ist. Das finde ich recht ungewöhnlich, denn es war nicht einfach ein kurzer Flirt. Für die Hauptfigur einer mehrteiligen Serie ging Celaena eine ausnehmend hohe Zahl an ernsten Beziehungen ein: Dorian, Chaol ... und nun ist da der legendäre Fae-Krieger Rowan, wobei sich keiner der beiden die gegenseitige Anziehung eingestehen will.

Rowan ist Chaol jedoch ziemlich egal. Er und Celaena gingen keineswegs unbeschwert auseinander. Zwischen ihnen gibt es keine Freundschaft, kein Vertrauen, kein bedauerndes Zurückblicken. Vielmehr ist ihre Zusammenarbeit von Verachtung, Vorwürfen und Misstrauen geprägt. Dazu trägt durchaus auch die Arroganz bei, die Celaena auch als Aelin nicht verliert: Die "Maske" der Celaena, die sie so lange trug, blitzt immer wieder auf. Deren Arroganz kotzt auch mich als Leser immer wieder an und über die schier grenzenlose Bewunderung, die ihr von fast allen Seiten entgegengebracht wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Besonders schade: Die Verletzlichkeit, die sie im dritten Teil fand, ist nun wie weggeweht. Celaena kann wieder alles.

Dennoch sollte man meinen, dass Chaol und Celaena sich für ein gemeinsames Ziel etwas zusammenreißen könnten - wenn es noch nie Celaenas Stärke war, besaß Chaol doch eine solche Disziplin. Besaß. Denn der Waffenmeister hat sich sehr verändert und wirkt nicht mehr so stoisch und diszipliniert wie zu Beginn der Serie. Geblieben ist seine Loyalität zu Dorian; aber Chaol wirkt (nachvollziehbar) verunsichert in seiner ganzen Position. Diese Figurenentwicklung, nicht nur ins Positive, gefällt mir - und gleichzeitig vermisse ich sie bei der Hauptfigur.

Trotzdem Einzelkämpferin

Aelin bleibt auch Einzelkämpferin. Ihren Cousin Aedion zu befreien mag noch allen nutzen - immerhin ist er ein bekannter und beliebter General der Rebellion. Andere Dinge hingegen sind höchstpersönlich. Sam, Celaenas erste große Liebe, rückt weiter in den Vordergrund - und bleibt dabei doch so vage, dass ich mich fragte, wozu. Sympathischer macht es sie für mich nicht. Letztlich ist er nur ein Grund für Rache an Arobynn Hamel, dem König der Assassinen, der sie einst rettete, ausbildete und dann verriet, ihren Geliebten folterte und tötete. Immerhin nutzt sie Arobynn zugleich als Informationsquelle über den König von Adarlan um die Valg und die Wyrd-Steine. Und kaum jemand ist in besserer Lage, bestimmte Dinge zu beschaffen. Solcherart werden persönliche Ziele mit der epischen Handlung verknüpft - dennoch wirkt Celaena auf mich abgehoben und arrogant.

Celaena ist aber auch Einzelkämpferin, weil sie ihre Pläne verheimlicht - sowohl vor ihren Verbündeten als auch vor dem Leser. Beide erfahren erst im Nachhinein, was sie getan hat. Ich finde es übertrieben, wie Aelin einfach alles kann und hinbekommt. Die Heimlichtuerei und nachträgliche Enthüllung der Pläne finde ich jedoch durchaus passend: passend für Celaena, heimlich zu handeln; und passend für Celaena, niemandem ganz zu vertrauen.

Viele Actionszenen

Bei all diesen Plänen, gemeinsamer Planerei, Grübelei, persönlichen Problemen und Twists gibt es eine recht hohe Zahl an Action-Szenen. Dabei geht es nicht nur gegen den König und die Valg. Ein zweiter Fae-Krieger ist Aelin gefolgt und er hat nicht ihr Bestes im Sinn.

Auch die zweite große Handlung versteckt Gefahr an jeder Ecke: Manon Blackbeak, Schwarmführerin der Ironteeth-Hexen mit ihren Wyvern, wird gegenüber den Dienern des Königs immer skeptischer. Gegen Grausamkeit hat sie nichts einzuwenden, aber was der König tut ... Als Spionin nutzt sie ein Menschenmädchen mit Hexenblut und erkennt schließlich, was vor sich geht. Aber selbst, als sich ihre engsten Freunde gegen sie wenden, wagt Manon es nicht, gegen den ausdrücklichen Befehl ihrer Großmutter zu handeln.

Beendete und Offene Handlungen

Hier muss ich gestehen: Ich erwartete ein großes Finale. Endlich ging es gegen den König, der von Beginn an der große Feind war. Der Rückentext spricht von offenen Rechnungen. Celaena ist wieder Aelin und bereit, ihr Erbe anzutreten. Also steht doch der Endkampf an?

Nein, tut er nicht - es werden weitere Romane folgen. Das wird vor allem im letzten Drittel des Romans spürbar, da einfach zu vieles offen bleibt, inklusive neuer Rollen.

Andere Handlungen, wie um die ehemalige Hofdame Kaltain, werden abgeschlossen - oftmals sind es diese "Nebenrollen", die für mich einen größeren Reiz ausmachten als die unbesiegbare Celaena. Gerade bei ihr gibt es am Ende zwar einen sauberen Abschluss, aber auch ein Gefühl, das sich am besten mit "Ja, und jetzt?" ausdrücken lässt.

Insgesamt entwickelt sich die Reihe trotz zahlreicher kleiner und persönlicher Geschichten in Richtung Epik. Die Wyrd-Steine, das Wyvern-Heer der Hexen, die Valg als Bedrohung für die ganze Welt und die Rückkehr der Königin von Terrasen mit ihren Verbündeten werden das Schicksal der Welt bestimmen. Offen ist, wer sich mit wem verbünden wird, wer sich von wem lossagt. Denn am Ende dieses Romans sind sich mehr Figuren ihrer Lage und den Tatsachen bewusst - und mehr als eine Figur muss ihre Loyalitäten infrage stellen. Dahingehend, wenn auch weniger wegen Celaena, bin ich durchaus auf den nächsten Band gespannt.

Celaena bleibt in meinen Augen arrogant, unnahbar und wird auch im vierten Roman nicht sonderlich sympathisch - gerade auch, weil sie die Lektionen des vorherigen Buches zu vergessen haben scheint. Schade, denn dass sie Figurenentwicklung beherrscht, zeigt Sarah J. Maas in manchem Nebencharakter.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Leseprobe

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