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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

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Wertung: 4/5 Grimoires; 8.2/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Tolkiens Geschöpfe ist wieder einmal eine dieser Kurzgeschichtensammlungen, die kurz vor dem nächsten Teil des Herr der Ringe Kinofilmes herauskommen und nahezu obligatorisch den Namen des Weltenschöpfers im Titel tragen. Was die Qualität dann leider doch nicht erhöht.

Im Gegensatz zu einigen anderen Sammlungen - wie beispielsweise der regelmäßigen und regelmäßig grausamen "Fantasy Selection" eines gewissen deutschen Autoren (hm, ja, wieso dann ein Englischer Titel?) hat diese Sammlung es auch gar nicht nötig!

Die jeweils 4 Geschichten der 6 Teile - allesamt mit einem kurzen Vorwort der Herausgeber - bieten eine schöne Mischung aus humorvoller und ernster Fantasy mit verschiedenen Perspektiven. Unter den Geschichten finden sich teilweise Erstveröffentlichungen aber auch Ausschnitte aus Romanen - die alle immer noch für sich lesbar sind. Mit Tolkien haben sie einmal mehr, einmal weniger zu tun. Bewertet wurden im Folgenden die einzelnen Geschichten, die Gesamtwertung ist der Schnitt (6,625). Als Autor ist einer der beiden Herausgeber genannt (Eric Simon und Franz Rottensteiner).

Den Anfang bildet der Abschnitt von "Elfen und Elben", eigentlich eine Wortverdopplung - Elben SIND Elfen.

Michael Swanwick erzählt "Die Erzählung des Wechselbalgs", in der selbiger in kurzen, halb gehetzten Episoden die Ereignisse seines Lebens wiedergibt, allen voran das Verschwinden der letzten Elben. (7)

Paul Edwin Zimmer gibt die Geschichte "Die Frau auf dem Elfenhügel" wieder, quasi eine Romeo & Julia Version mit einem Clan Elfen der mit einem Menschenclan verfeindet ist. Zu Anfang nett, zum Schluss tragisch, aber insgesamt nicht wirklich befriedigend. Es fehlt das gewisse Etwas und alles ist zu vorhersehbar. Elfenliebhaber: Warnung! Der Autor orientiert sich an den Originalen, nicht an der zarten Tolkien-Version (6).

Monika Felten erzählt von "Galadriel Island". Warum zum Teufel ein "halb-englischer Titel"? In diesem Fall macht er Sinn, denn Galadriel Island ist der Name, den sich die Protagonistin für eine schöne, verwilderte Insel ausgedacht hat, die sie zu einem Elben-Erlebnispark machen will. Nur die Bewohner der Insel haben etwas dagegen. (7)

Swjatoslav Lorinov berichtet vom "Tal Lórien", welches sich auf der Erde der Zukunft befindet und eigentlich Teufelswald hieß. Zudem ist Galadriel der Herr des Waldes. Tolkien schient also einiges durcheinander bekommen zu haben. Dieser Wald ist jedenfalls zu einem Reservat erklärt worden - nicht während der dort lebenden Elben sondern wegen Tieren. Círdan, ein Mensch, der diesen Ehrennamen erhielt, kehrt nach 20 Jahren Abwesenheit zu seinen Elbenfreunden zurück und versucht, sie vor dem langsamen Aussterben zu retten. Eine ganz andere Elben-Geschichte. Interessant, aber nicht überragend. (7)

Teil zwei ist betitelt mit "Zwerge, Hobbits und andere". Hier beginnt Markus Heitz mit "Zwergenzorn". Dieses ist der Prolog des Romans "Die Zwerge", den ich gerade las, und schildert die letzte Schlacht eines Zwergenstammes. Zu meinem Bedauern muss ich sagen, dass der Prolog mir nicht zusagte - im Gegensatz zum Buch (5).

Ihm folgt Henry Kuttner nach mit "Es war einmal ein Zwerg", in dem ein Mensch nach einem Bergsturz in einen Zwerg verwandelt wird. Unglücklicherweise ist er Gewerkschaftsführer und hat etwas gegen den Dauerarbeitstakt der Zwerge. Chaos ist also vorprogrammiert, zumal er die Hoffnung nicht aufgibt, irgendwie doch in einen Menschen zurück verwandelt zu werden. Verwirrend. Ganz andere Zwerge als man sie kennt, ganz anderer Ursprung. Logikfehler: Es müsste unendlich viele Zwerge geben. Nicht mein Geschmack, aber gute End-Pointe. (5)

Nummer drei des zweiten Teils ist Andrzej Sapkowski mit "Das Ewige Feuer", einem Ausschnitt aus seinem Geralt-Zyklus. Dieser hat es mir schon bei einem vorherigen Leseausschnitt angetan, wie auch dieser. Ein Gestaltwandler geht um und macht sich ausgerechnet einen Kaufmann zum Ziel. Geralt muss natürlich etwas tun. Gekonnt mit Witz geschrieben. (Ich muss unbedingt Sapkowskis ganzes Werk in die Finger bekommen) (9)

Andy Duncans "Senator Bilbo" spielt einige Jahre nach dem Herrn der Ringe im Auenland. Bilbo - ein Namensvetter des bekannten Bilbo - setzt sich für die Partei des Auenlandes ein und versucht alle "nicht-Halblinge" auszugrenzen. Ganz offensichtlich ist diese Geschichte eine Anspielung auf den Nationalsozialismus und evtl. heutige Parteien - mit kleinen Unterschieden und im Gewand der Fantasy. Mag zum Nachdenken anregen und erhebt nicht allzu direkt einen mahnenden Finger (6-7).

"Goblins, Kobolde, Orks" heißt der dritte Teil, welcher von Esther M. Friesner mit "Der Gottesmann und der Kobold" begonnen wird. Ein Pfarrer versucht, seine Tochter vor all den bösen Einflüssen der Welt zu bewahren und bittet einen befreundeten Kobold, sie fortzunhemen - die möglichen Konsequenzen erkennt er zu spät... (7)

Bernhard Hennen stellt "Eine Frage des Glaubens", mit höchst philosophischem Ansatz. Wie weit kann es gehen, etwas bedingungslos zu Glauben? In diesem Zusammenhang kann ich es mir nicht verkneifen, zu erwähnen, dass tatsächlich Menschen in einem Kühlwagen gestorben sind: erfroren. Wohlgemerkt: Der Kühlwagen war nicht eingeschaltet und die Temperaturen ließen ein Übernachten im Freien durchaus zu... (8)

Gunda Sell macht uns mit "Platiks Brettern“ bekannt. Auf jenen stehen die krakeligen Worte eines Menschen aus Nurn, welcher Tag um Tag neue Orktruppen für Sauron hinfort ziehen sieht - und hinter ihr Geheimnis kommt. Amüsant, mit ungewohnter Perspektive. (7)

Maxim Terin schließlich überbringt uns das "Tagebuch des Orks Gyrsch", der einiges an Schlägen einstecken muss. Zudem kann eine geraubte Jungfrau höchst lästig sein. Das Leben als Ork ist hart... (7)

In Teil vier finden sich "Allerlei seltsame Wesen".

Tom Godwin erzählt in "Noch ehe die Rosen Dornen hatten" von einem perfiden Mordplan und dem Geheimnis der Yucca-Bäume, welche die Macht haben, ihr Leben selbst zu beenden - und sich an jenen zu rächen, welche sie und ihre Freunde bedrohen. (8).

"Die Erzählung der Frau" ist eine Wer-Geschichte mit ungewohnter Erzählerin. Allerdings fand ich sie weder spannend noch pointiert. (3)

"Ein Meisterliches Mahl" von Markolf Hoffmann lässt sich in die Reihe "Das ging daneben" stellen. Ein Troll lauert wie gewohnt seiner Beute auf, doch gerät er an einen Meisterkoch. Dem schmeckt es natürlich gar nicht, dass er einfach so in heißes Wasser geworfen werden soll und bereitet dem Troll eine schmackhafte Soße... (8)

Neil Gaimans "Trollbrücke" beherbergt einen ungewöhnlichen Troll. Dieser lässt sein Opfer mehrfach laufen und verzichtet darauf, sein Leben zu fressen. (7)

"Zauberer und Helden" warten im vorletzten Teil des Buches.

Im "Schattenwald" von Diana L. Paxson wartet ein Überfall auf eine Prinzessin. Ein Prinz im Exil will durch ihre Entführung an seinen Thron gelangen, doch sein Bruder hat etwas dagegen. Der Prinz scheint zudem mehr als sympathisch. Eine Geschichte von Ehre und Schuld, welche man nicht wieder los wird aber für bestimmte Dinge einzugehen bereit ist. Spannung fehlt. (5)

"Der Verfolger" Marion Zimmer Bradleys ist einer Magierin auf den Fersen. Zudem ist es in dem Gasthaus, in dem sie absteigt nicht geheuer: Die Gäste werden in Schweine verwandelt. Nicht überragend, aber gut zu lesen.(6)

"Steinhaut" von John Moressy ist ein Krieger, der von einer Hexe unverwundbar gemacht wird. Im Laufe der Jahre schart er eine große Zahl Gefolgsleute um sich, wird König und schließlich sogar Berater anderer Könige. Doch eine undurchdringliche Haut schützt nicht vor Alter.... Kleinere Logikfehler (wie hilft eine Steinhaut gegen Gift?) ansonsten eine wohlüberlegtes Ende und eine selbst-evidente Moral, die nicht stört. (8)

Erik Simons "Der Zauberer Marnôt" ist in Endreimen verfasst, die jedoch oft unecht sind. Zudem stimmt der Rhythmus der Zeilen nicht, was mich enorm störte. Jener Zauberer verhilft einem König, unerkannt als Tier in seinem Reich zu reisen. Natürlich merken die Bewohner dies irgendwann. (6)

Nach den Helden kommen im letzten Teil "Drachen und Drachentöter" zum Zuge.

S.W. Wittmann berichtet von den "Drachen der Mitternachtsberge", welche die Welt bedrohen sollen. Der Drachenjäger hat allerdings bedenken: Bisher hat er es nur mit einzelnen Tieren aufgenommen und in diesen Bergen sollen hunderte sein! Zudem hat er so wie so einen Auftrag, so dass er den Zauberer unmöglich in die Berge begleiten kann. Nicht zwangsläufig erwartetes Ende. (8)

"Drei Ellen Drachenhaut" soll ein Edelmann in der Geschichte von Lyon Sprague de Camp besorgen um seine Liebste heiraten zu dürfen. Allerdings muss er feststellen, dass Reisen mitunter unangenehm ist und Abenteuer mitunter gefährlich. Wenn dann noch sture Beamtenschädel hinzu kommen, fragt man sich, ob der Drache wirklich das Schlimmste an der Reise ist. (8)

"Die Drachenprobe" müssen alle angehenden Drachenjäger bestehen - zumindest in der Geschichte von Angela und Karlheinz Steinmüller. Irgendeiner von den angehenden Jägern ist ein Drache. Dieser muss gefunden und getötet werden. Nur wer ist es? Plötzlich belauert jeder jeden. (6)

Den Abschluss macht George R. R. Martin mit "Der Eisdrache". Dieser kommt eigentlich nur im Winter und ist gefürchtet, da er für die schlimmsten, kältesten Winter verantwortlich ist. Nur ein einzelnes Mädchen kann heimlich auf ihm reiten und ist so wie so unheimlich und eiskalt. Irgendwie ist die Geschichte nichtssagend und eine der schlechtesten des Buchs. (5)

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • Die ganze Zeit, während ich das erzählte, hat mich ein Gespenst verfolgt, und der Name des Gespensts war Hoffnung.

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