Buch-Cover, Monika Felten: Die Nebelsängerin

Die Nebelsängerin

Serie: Das Erbe der Runen (#1)Genre: Heroische Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 459
Erschienen: 09/2004 (Original: 2004)
ISBN: 3-492-70065-9
Preis: 19,90 Euro (Hardcover)
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Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Wertung: 3/5 Grimoires; 7.3/10 Punkte, Gut

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Die Bewohner des Kontinents Nymath stehen vor ernsten Problemen: Die Nebel, welche die magische Grenze zu den Ländern der Uzoma, den Anhängern des Dunklen Gottes, bilden und sie einst schützten wurden schwächer und schwächer und verschwanden schließlich ganz. Die alte Elbenmagie, geschaffen als letzte Möglichkeit, dem religiösen Fanatismus, dem die Ureinwohner verfielen, zu entfliehen, harrten vergeblich auf Erneuerung: die Nebelsängerin kehrte nicht zurück und auch die Elben, welche die Nebel schufen, sind ratlos.

Es scheint als interessiere sich die Nebelsängerin nicht mehr für ihre Aufgabe. Niemand hat mehr etwas von ihr gehört. Inzwischen munkelt man sogar von Verrat - und der einzige Pass ins Reich wird nicht mehr lange halten...

Ajana war bis zu diesem Zeitpunkt eine ganz normale Jugendliche doch plötzlich erbt sie ein Runenamulett, das ihrer Großmutter gehörte, von der sie bis zur Erbschaft nicht einmal etwas wusste. Als sie das Amulett anlegt, ertönt eine seltsame Melodie und schliesslich wird sie in eine andere Welt gerissen. Ohne zu wissen, wo sie ist, gerät sie in Gefangenschaft, wird jedoch fast ebenso schnell befreit und findet sich mitten im letzten Aufgebot der Stämme Nymaths wieder.

Bald schon stellt sich heraus, dass Ajana die letzte lebende weibliche Blutsverwandte der letzten Nebelsängerin ist - alle anderen starben, ohne das Amulett erhalten zu können. Unglücklicherweise weiss Ajana nichts über ihre Aufgabe und wie sie zu bewerkstelligen ist. Und außerdem: Welchen Sinn hat es, die magischen Nebel neu zu erschaffen, wenn das feindliche Heer diese Grenze schon längst überschritten hat?

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten

"Die Nebelsängerin" kommt in recht ungewöhnlichem Gewand daher, denn mit dem Buch wird eine CD mitgeliefert, die etwa 12 Minuten "mystischer" Musik enthält. Die Zeitschrift Nautilus wies in diesem Zusammenhang schon auf einen interessanten Zufall (?) hin: Die Sängerin, selbst von der Autorin ausgewählt, hat eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Protagonistin. Doch zur CD später mehr.

Was als erstes auffällt ist, dass die Autorin durchaus gekonnt eine Welt mit größerem Hintergrund erschuf, allerdings längst nicht so ausgereift und vielschichtig wie Tolkiens Mittelerde - doch wer erwartet eine derartige Welt ernsthaft?

Warum ich Mittelerde dann überhaupt erwähne? Einige Dinge scheinen doch in gewisser Weise abgeguckt worden zu sein, erinnern jedenfalls nach dem Hype um die Filme sehr stark an Elemente aus Tolkiens Trilogie. So fliegen die Uzoma auf geflügelten Echsen, welche Gift speien und Schrecken verbreiten - hier habe ich immer noch die Reittiere der Nazgul vor Augen. Inzwischen ist einige Zeit seit dem letzten Kinofilm vergangen und daher steht zu vermuten, dass, wäre der Roman früher veröffentlicht worden, die Ähnlichkeit mindestens in diesem Punkt zu einem gewissen Unmut ob scheinbarer Plagiatrie geführt hätte.

Vom generellen Setting her ähneln die Uzoma zudem den Orks und der Pass der letzten Schlacht vor dem Morannon (oder einer anderen der großen Schlachten), wo die freien Völker gemeinsam versuchen, der einen dunklen Bedrohung entgegen zu treten. Als solche sehen sie die Uzoma schließlich auch, als pure Bosheit, welche es nur auszulöschen oder zumindest auszusperren gilt. Bis hierhin wäre es eigentlich ein typisches Setting gut gegen böse, doch Zweifel kommen ausgerechnet in der Nebensängerin selbst auf. Die Uzoma waren schließlich die Ureinwohner - und haben sie nicht ebenso ein Recht auf die fruchtbaren Länder, welche die freien Völker beherrschen? Ist es nicht ungerecht, sie einfach in eine Wüstenei zu verbannen? Der Leser erhält zudem einige Einblicke in das Land der Uzoma - leider nur in die Reihen des höchsten Herrschers. Jedoch zeigt sich auch dort, dass die Uzoma keine "willenlosen Kampforks" sind und sich mitunter lieber gemütlich ausruhen.

Genannte Zweifel Ajanas kommen leider während des gesamten Buches nicht wirklich zur Geltung, jedoch lässt sich erahnen, dass sie in den weiteren Teilen an Gewicht gewinnen werden - die Endlösung der Nebelsängerin wird vermutlich nicht die der freien Völker sein. Ebenso wurden einige Nebenhandlungen begonnen ohne einen höheren Sinn zu entfalten. Jene werden sicher später fortgeführt.

Merkwürdigkeiten ergaben sich an verschiedenen Stellen: Die Karte im Buch darf man - trotz schönem Aussehen, wie auch Cover, CD u.ä. - wohl nicht allzu ernst nehmen. Zumindest der Maßstab mutet doch sehr seltsam an, vergleicht man Marschgeschwindigkeiten. Das Land muesste demnach ziemlich klein und von mehr als nur ein wenig beschränktem Raum sein. Wie es eine Hohepriesterin schafft, ihren GOTT zu belügen ist mir auch rätselhaft - ist er ein Gott oder nicht?

Bis auf diese größeren Ausnahmen konnten mich die Charaktere und die Welt jedoch überzeugen. Trotz Fehler an einigen Stellen funktioniert die Welt als Ganzes. Stellenweise lief es jedoch auch ein wenig "zu glatt" - eine bedeutsame, geheime Höhle wird von jenen gefunden, die dort hin müssen - einfach so - und mit einer weisen Frau funktioniert es auf gleiche Art. Ein wenig "deus ex machina" ist bei einem Werk, das mitunter auf dem Schicksal beruht, einer wirklich direkt implizierten Vorbestimmung, sicher nicht herauszuhalten, jedoch erschien dies bisweilen überstark und wäre - hätte Ajana auch noch Interesse daran gezeigt, die große Retterin zu spielen - fast schon lächerlich geworden. Das tut sie aber zum Glück nicht sondern hadert vielmehr mit dem, was ihr angeblich bestimmt sei.

Zur CD ist in diesem Zusammenhang noch zu sagen, dass sie mit der Geschichte wenig zu tun hat - Lieder wie "Weit über die Nebelberge" aus Tolkiens Hobbit oder andere kamen auch nicht vor. Das einzige im Buch vorhandene Lied wurde dann aber auch nicht umgesetzt. Schade eigentlich, zumal Tolkiens Elbisch verwendet wurde, was Platz für zwei Versionen gegeben hätte. Ob man die Lieder bzw. die Musik als mystisch empfindet wird sehr vom persönlichen Eindruck abhängen. Die Texte (im Buch abgedruckt) ordnen sie in jedem Fall der Phantastik zu. Für die CD das Buch zu kaufen wäre herzlich sinnlos, jedoch bildet sie eine nette Dreingabe, die ich auch schon öfter nebenbei laufen ließ - jedoch nicht beim Lesen, dabei stört zumindest mich der gesungene Text.

Auch wenn Monika Felten einiges von Tolkien übernahm oder Teile seinem Werk zumindest ähneln, wäre es dennoch lächerlich, es als eine bloße Kopie mit leichten Änderungen zu bezeichnen. Dann nämlich ließe sich jedes Buch als von einem anderen abgekupfert bezeichnen. Aus diesem Grund bleibt der Roman eine Empfehlung für Freunde der epischen Fantasy - die wenigen Hauptmotive kehren hier immerhin schon seit vielen Jahren wieder. Abzuraten ist Lesern, die einen runden Abschluss aller Handlungen wünschen oder größere Innovationen suchen. Diese sind wohl bei Fortführung der Nebenhandlungen zu finden (hoffentlich!). Der Abschluss des Buches zeigt doch eindeutig, dass es an mehreren Stellen weitere Erzählung bedarf. Letztendliches Fazit: Für Leser epischer "gut-gegen-böse"-Fantasy das richtige.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Leseprobe

Es gibt eine oder mehrere Leseprobe(n) zu diesem Buch:
Die Nebelsängerin - Leseprobe (extern)

Zitat(e) aus dem Buch

  • I aur thinnam i dhaw eria. I daur thuia, dhû veria... Der Tag verblasst, die Nacht steigt herauf. Der Wald atmet, die Dunkelheit beschützt...
  • I ven ereb dhartha, As istam i'ell randir... Der einsame Weg wartet. Und wir wissen, dass Glück ein Wanderer ist.
  • Avo dharthao na nen edh-rîw, canis han dôg'urtg a thrîw... Bleibe nicht am Wasser der Grenze, denn es bringt Tod und Winter.

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