Buch-Cover, Robert Louis Stevenson: Der Flaschenkobold

Der Flaschenkobold

Originaltitel: The Bottle Imp [EN]
Übersetzer: H. W. Draber
Genre: Phantastische Klassiker
Verlag: Reclam
Seiten: 48
Erschienen: 1986 (Original: 1891)
ISBN: 3-15-006765-0
Preis: 1,60 Euro (Softcover, Sonderformat)
Schlagworte: DämonenWünsche
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Es lebte einmal ein Mann auf Hawaii. Er soll nun Kaewe genannt werden, denn er ist noch am Leben und sein Name muss geheim gehalten werden.

Er war ein armer Mann, doch mutig und aktiv, fähig zu lesen und zu schreiben. Von Zeit zu Zeit heuerte er auf den Schiffen an und sah so die weite Welt.

Eines Tages kommt Kaewe in den Besitz einer magischen Flasche, die seinem Besitzer jedweden Wunsch sofort erfüllt. Zunächst ungläubig stellt Kaewe fest, dass diese Behauptung der Wahrheit entspricht. Leider hat der Zauber auch seinen Nachteil: Besitzt man die Flasche, wenn man stirbt, so gibt es keine Rettung. Man fährt auf direktem Weg in die Hölle.

Einfach wegwerfen kann man die Flasche auch nicht, denn dann kehrt sie zurück. Lediglich verkaufen hilft, doch da der Teufel seine Hand im Spiel hat, muss der neue Verkaufspreis immer geringer sein als der vorherige und es muss geprägtes Geld sein.

Doch Kaewe ist jung, der Preis beträgt 50 Dollar. Ein weiter Spielraum also und wer würde nicht eine solche Flasche wollen? Zumal: Wenn man das Übel ertragen muss, kann man auch den besten Nutzen aus dem Guten ziehen

Also erfüllt Kaewe sich seine Wünsche: Reichtum, eine geliebte Frau und dergleichen mehr. Sehr schnell überkommen Kaewe jedoch dunkle Gefühle, Albträume suchen ihn heim und das Antlitz des Kobolds, das er sich zu sehen wünschte, ist unvergesslich.

Bald schon wechselt der Besitzer der Flasche, nur um wieder zu Kaewe zurückzukehren, der wichtige Wünsche vergaß und sie erneut ersteht. Kaewe plagen zu allem Überfluss Gewissensbisse: Kann er es verantworten, dass sich jemand mit der Flasche selbst in die Hölle verbannt? Der Preis sinkt und sinkt, unaufhaltsam, und bald schon wird er nicht mehr zu unterbieten sein.

"Der Flaschenteufel" oder "The Bottle Imp" ist eine Kurzgeschichte, die man bequem in einer Stunde verschlingen kann. Stevenson ist eher für seine Schatzinsel bekannt, was aber an der Qualität seiner weiteren Werke nichts ändert. Der Flaschenteufel hat es sogar zu einem eigenen Kartenspiel gleichen Namens gebracht (zu finden u.a. auf http://www.spielphase.de), dem auch die Geschichte beiliegt.

Der phantastische Aspekt dürfte mit dem Kobold in der Flasche eindeutig klar sein, ebenso mit dem Werk des Teufels, wenngleich man hier vorsichtig sein muss um nicht Religion mit Phantasie gleichzusetzen. In jedem Fall bewegt sich Stevenson mit seinem "Imp" in der Nachfolge der Geschichten aus 1001 Nacht, in denen es bekanntermaßen nur so von Dschinnen und anderen Geistern wimmelt. Auch dort hausen sie schon oft genug in Flaschen. Oder sie wurden vom weisen Salomon in jene Gefäße verbannt.

Abgesehen von der Flasche ist die Geschichte realistisch. Sie spielt in unserer Welt - wenngleich zur Zeit von Stevenson - mit all ihren Übeln und bekannten Orten. Das langsame Schwinden des Preises und die Verwicklungen der Vorbesitzer geben der Geschichte einen guten Spannungsbogen und auch das Ende ist exzellent gelöst.

Schüler können diese Geschichte durchaus für den Englischunterricht vorschlagen. Ein Heft von 60 Seiten sollte zumindest im Leistungskurs der Oberstufe für jeden zu bewältigen sein, wenn nicht, ist es auch kein Roman von 300 Seiten. Aber auch in den Klassen neun und zehn kann man dieses Werk sicher antesten.

Als private Lektüre ist der Flaschenteufel selbstverständlich ebenfalls zu empfehlen. Jedem, der es sich zutraut empfehle ich, das englische Original zu lesen, wie ich es auch tat. Wer sich nicht sicher ist oder wem das Lesen am Bildschirm nichts ausmacht, der findet den kompletten Text im "Project Gutenberg" legal und kostenlos zum Download, siehe unten. Wer es lieber gebunden mag, dem stehen - neben einer Vielzahl anderer Veröffentlichungen - zwei Reclamhefte zur Auswahl, sowohl in deutscher als auch englischer Fassung, für bekannten Minimalpreis. Wer schnelle, günstige und phantastisch angehauchte Lektüre sucht, der kann hier also kaum Unsummen für nichts in den Sand setzen.

Fundort bei Project Gutenberg: http://www.gutenberg.org/ebooks/329 (zusammen mit einigen anderen Geschichten)

Englische Ausgabe bei Reclam: ISBN 3-15-009157-8

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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