Buch-Cover, Stan Nicholls: Die Orks

Die Orks

Originaltitel: Bodyguard of Lightning, Legion of Thunder, Warriors of the Tempest [EN]
Übersetzer: Christian Jentzsch
Genre: Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 800
Erschienen: 11/2005 (Original: 1999)
ISBN: 3-492-28613-5
Preis: 9,95 Euro (Softcover)
Schlagworte: KoboldeOrks
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Grimoires.de    
Wertung: 2/5 Grimoires; 4/10 Punkte, geht so

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Im Lande Maras-Dantien herrscht eine enorme Rassenvielfalt. Orks existieren neben Goblins, Zentauren, Trollen, Kobolden, Gremlins, Pixies, Elfen etc. Nur eine Rasse stört den Frieden: die Menschen! Durch ihre rasende Verbreitung und ihre Vernichtung der Magie des Landes ist eine tiefe Feindschaft zwischen den Menschen und den älteren Rassen Maras-Dantiens entstanden.

Vor diesem Hintergrund schickt die brutale Königin Jennesta nun den orkischen Kriegstrupp mit dem Namen Vielfraße unter der Führung des disziplinierten Stryke aus, um den Menschen einen kleinen, aber wichtigen Gegenstand abzuknöpfen. Es dauert auch nicht lange, bis die Orks erfolgreich sind. Auf dem Rückweg zu Jennesta wird ihnen jener Gegenstand jedoch von einer Horde Kobolde abgenommen.

Stryke und seine Mannschaft nehmen die Verfolgung auf. Doch Jennestas Strafe für Verzögerungen sind hart und unbarmherzig. Schon bald sehen sich die Vielfraße außerstande dazu, wieder zurückzukehren. Fortan liegt all ihre Hoffnung auf jenem mysteriösen Gegenstand, den Jennesta so sehr begehrt. Bei der Entschlüsselung seines Geheimnisses landen die Orks schon bald zwischen allen Fronten.

Beim rezensierten Roman handelt es sich um die dritte Auflage der Gesamtausgabe, die die drei amerikanischen Bände Bodyguard of Lightning, Legion of Thunder und Warriors of the Tempest in sich vereinigt.

Kommt ein Ork durch die Tür und schreit: "Initiative!"

Ein alter Rollenspielerwitz, ich weiß, aber er passt phantastisch zu Stan Nicholls' Erfolgsroman Die Orks. Zum einen geht es, natürlich, um die titelgebenden Geschöpfe, ihres Zeichens Lieblingskanonenfutter eines jeden angehenden Rollenspiel-Meisters und Fantasy-Romanautoren. In diesem Buch dürfen sie ausnahmsweise mal die Hauptrolle spielen, während die Menschen das Kanonenfutter sind. Anders als auf dem Klappentext angegeben sind sie jedoch alles andere als "abgrundtief böse", sondern ganz normale Good Guys wie menschliche Hauptfiguren in den meisten anderen Romanen auch. In den ersten Kapiteln spielt Nicholls zwar ein bisschen mit dem schlechten Image der Grünhäuter, indem er sie mal eben eine ganze Menschensiedlung abschlachten und süße kleine Feen verspeisen lässt, aber das war's dann auch schon mit dem Bösartigsein... und mit der Imagepolitik. Man sollte eigentlich erwarten, dass ein aus der Sicht der Orks spielender Roman auch auf ihre Lebensweise und Kultur eingeht, aber Nicholls geht mit diesen Informationen so spärlich um wie irgend möglich - sicherlich zum Bedauern vieler Ork-Fans, die sich anhand des Titels mehr erhofft haben.

Was nicht heißen soll, dass seine selbst erdachte Welt Maras-Dantien völlig fleischlos daherkommt. Ein religiöser Konflikt tobt dort, nämlich der zwischen den menschlichen Monotheisten der Unis (die die anderen Rassen gerne schonmal als "Untermenschen" bezeichnen) und den polytheistischen Mannis, ebenfalls Menschen, die mit den anderen Rassen allerdings Bündnisse eingehen. Weil alle Menschen, auch Spätankommer genannt, jedoch irgendwie die Magie des gesamten Landes zerstören, sind die älteren Rassen ziemlich stinkig. Darin mag man eine Parallele zur Entstehung Amerikas und dem Konflikt Eingeborene vs. Kolonisten sehen, aber sollte das von Nicholls beabsichtigt sein, so löst er diese Analogie zum Schluss so bescheuert auf, dass es peinlich ist. Das ewige Gemeckere des Romans über die umweltverschmutzenden Menschen nervt jedenfalls recht bald...

Welt hin, Perspektive her, in Die Orks geht es vor allem um eins: Um die Action! Der Roman schmeißt einen sofort in den ersten Zeilen mitten ins blutige Geschehen, einen von vielen Dutzenden Kämpfen, die im Laufe des 800 Seiten starken Buches durchgeführt werden und alles andere als zimperlich sind. Man sollte sich also von detaillierten Blutfontänen und zu Brei geschlagenen Feinden nicht abschrecken lassen. Die Kämpfe mögen zwar anfangs ganz gut beschrieben sein, aber spätestens wenn sich die Orks das sechste oder siebte Mal gegen irgendwelche Gegner, seien es Kobolde, Trolle oder vor allem Menschen, zur Wehr setzen müssen, hat sich die Aufregung jener Gefechte vollkommen verflüchtigt - es ist halt immer dasselbe, irgendwann kann selbst der beste Autor aus Schwerthieben, dem Suchen einer Lücke der Deckung beim Gegner und ähnlichen Schwertkampffinessen nichts mehr rausholen. Und wohlgemerkt, all das Schlachten und Kämpfen setzt sich über die gesamten 800 Seiten konstant und mit ermüdender Regelmäßigkeit fort, selbst, wenn es vollkommen unnötigt gewesen wäre.

Um den Bezug zum anfangs gebrachten Witz nochmal herzustellen: Die Orks erinnert mich sehr stark an die Umsetzung einer klassischen Rollenspielkampagne. Das Ziel der Kampagne: Findet die fünf Artefakte! Dabei leitet der Meister seine Hauptcharaktere, hier die Orks, von Schauplatz zu Schauplatz, von Kampf zu Kampf und bringt immer genau dann den entscheidenden Hinweis, wenn die Charaktere ihn brauchen, um in der Kampagne weiter voranzukommen. Genau diesen Eindruck hatte ich beim Lesen des Buchs, vor allem, weil die vom Autor/Meister eingesetzten Mittel zur Verknüpfung von Schauplätzen so erschreckend plump sind. Außerdem scheinen die Spieler in den Kämpfen mit gezinkten Würfeln zu spielen, mindestens haben sie aber ein Schweineglück, denn aus jeder Schlacht, aus jedem Kampf (mit wenigen Ausnahmen) gehen die Orks im Roman nahezu unversehrt hervor. Unnötig zu erwähnen, dass das nicht nur langweilig, sondern auch noch völlig unglaubwürdig ist.

Aber wie steht es eigentlich mit den Charakteren selbst? Nicht gut. Der Roman konzentriert sich auf die fünf Anführer der Vielfraße, und das sind halt alles harte Kerle (und eine Frau), die mächtig austeilen können, zynische Sprüche klopfen und sich untereinander kabbeln. Die Unterschiede zwischen ihnen sind marginal, und sie besitzen nicht genug Seele, als dass einen ihr Schicksal wirklich kümmern würde. Das wird nur von Oberbösewichtsfigur Jennesta getoppt. Ihren Charakter als eindimensional zu beschreiben, ist eine Beleidigung für alle Figuren der Literaturgeschichte, die hart gearbeitet haben, um als eindimensional bezeichnet werden zu können. Jennestas einzige Charaktereigenschaft ist, dass sie böse ist. Das war's. Sie hat keinerlei Motivationen, sie hat keinen Hintergrund, sie hat keinen Stil in der Ausführung ihrer Bösartigkeit und sie verhält sich vor allem so unglaublich dumm, dass es wehtut. Schön, sie soll als grausam und brutal charakterisiert werden, weil sie jeden Untergebenen umbringt, der ihr missfällt oder der ihr auch nur schlechte Nachrichten bringt. Aber welcher Herrscher ist bitteschön so strunzdoof, dass er seine besten und fähigsten Untertanen reihenweise abschlachtet, nur, weil es ihm Spaß macht? Jennesta ist als Bösewicht und als Charakter eine einzige Beleidigung!

Doch sie und alles andere in diesem Roman muss man nunmal 800 Seiten lang ertragen. Anfangs ist das eigentlich noch äußerst spaßig, ein geschwindtes, simples Abenteuer mit klarer Zielsetzung und einfachen, aber unterhaltsamen Mechanismen. Über 300 Seiten hätte das vielleicht gutgehen können, aber nein, nicht über 800. Wenigstens ist der Roman abgesehen von den Kämpfen nicht zu repititiv, Nicholls führt also entlang der unkomplexen Geschichte immer neue Schauplätze und Randfiguren ein, trennt seine Hauptcharaktere voneinander, bringt sie in bedrohlichere Situationen und hebt sich vor allem die wichtigsten Geheimnisse bis zum Schluss auf. Zu dem Zeitpunkt ist ihm dann allerdings auch jede Form von Logik sowie eine konsistente Welt egal, und er lässt bspw. mal eben Charaktere ohne Begründung das gesamte Reich von unten nach oben innerhalb eines Tages durchqueren, nur um sie an Ort und Stelle haben zu können.

Je länger man den Roman also liest, desto mehr artet das Lesen in bloßes Durcharbeiten aus. Immerhin ist der Stil einigermaßen solide und unterhaltsam, leistet sich aber nicht selten peinliche Ausrutscher. Was bspw. haben Worte wie "diametral" oder "Defätismus" in einem Fantasy-Roman zu suchen? Am Übersetzer mögen dann Zeilen liegen wie "[Sie gebot] über Energiekugeln voller zerstörerischer Energie[...]." Außerdem hat er sich dazu entschieden, dass sich die Figuren durchgängig siezen, was im Rahmen des militärischen Hintergrunds und Jargons aber noch okay sein mag.

Letztendlich ist man jedenfalls mit jeder normalen Rollenspielrunde besser bedient als mit dem Roman Die Orks.

Fazit: Überlange Metzelorgie, die mit jeder Seite anstrengender wird.

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Avatar von DerDoktor Rezension von: (Grimoires.de)
Der Doktor ist preisgekrönter Wahnsinniger in mehreren Freundeskreisen. Seit langem ist er im Bereich Fantasy unterwegs. Oder vielleicht eher im Bereich Realität?

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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Lesermeinungen:

Name: Gast Bewertung: Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet (10) Datum: 29.08.2007 19:45:43
Diese Beschreibung des Buches ist vollkommen schwachsinnig und unglaubwürdig. Hätten sie dieses Buch richtig durchgelesen würden die ''peinlichen'' Aktionen vom Autor sich selber beantworten.

Name: Gast Bewertung: Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet (10) Datum: 09.12.2007 22:05:58
Die dümmste Rezzesion die ich je gelesen habe. klar in dem buch wird viel gekämpft, aber es sterben auch wenige aber immerhin einige. in herr der ringe starb nicht ein einziger wichtiger charakter und in dir orks sterben einige (alfray) die charaktere haben charakter. sie streiten sich, sie entzweien sogar manchmal, sie necken sich gegenseitig, also alles was ein charakter braucht. jennesta ist nicht nur böse sondern will halt einfach aus der welt raus in eine in der die magie stark genug ist so dass sie nochmehr macht hat. und dazu braucht sie die sterne und alles andere ist eben im gegensatz dazu unwichtig (generäle) immerhin hat man in der neuen welt die dann sowieso nicht mehr also wieso rücksicht nehmen? alles in allem ist diese rezession unsinn. nich lesen!!

Name: Gast Bewertung: Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet (10) Datum: 25.03.2008 23:40:34
Also ich muss ehrlich sagen von dieser Rezension bin ich absolut enttäuscht! Vielleicht stimmen ein paar der Argumente, aber ich habe selten ein Buch so verschlungen wie diesen Roman.
Selten wurde so drastisch realistisch ein Kampf beschrieben. Immer diese heroischen Schlachten bei denen der Held mit glämzender Klinge aus dem Gefecht kommt, ohne Kratzer und sich die Prinzessin schnappt. Das kennen wir alle genug!
Stan Nicholls ist meiner Meinung nach ein brillianter Autor, doch seit der Übersetzer wechselte kann ich seine anderen Werke (Der magische Bund etc.) nicht mehr lesen. Egal das gehört nicht zum Thema. Trotzdem:
Immer werde ich mich an jenen Tag erinnern an dem ich dieses Buch in den Händen halte und binnen weniger Tage las.

Name: Deran Sartor Bewertung: Wertung: 2/5 Grimoires; 5/10 Punkte, Naja (5) Datum: 05.04.2008 21:21:57
Öhm, hi.Ich wollt nur mal sagen: kann es sein, dass die drei Kommentare über diesem von ein und derselben Person geschrieben wurden?Es scheint mir irgendwie so. ^^Greets, DeránPs: ich fand das Buch einigermaßen ok. Es ist halt etwas für jene, die gerne fette Schlachten lesend mitereleben. Ganz einfach.

Name: Gast Bewertung: Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet (10) Datum: 20.08.2009 17:01:34
Denke ich nicht, da Datumunterschiede viel zu groß ist

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