Buch-Cover, Tobias O. Meißner: Das Paradies der Schwerter

Das Paradies der Schwerter

Genre: Heroische Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 362
Erschienen: 01/2006 (Original: 2006)
ISBN: 3-492-26588-X
Preis: 9,95 Euro (Softcover)
Schlagworte: Duell
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Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet

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In der Befestigten Stadt soll es am Achten Tag des Achten Monats ein großes Turnier geben: Einer gegen einen, auf Leben und Tod. Dem Sieger winkt ein Reif im Wert von eintausend neuen Talern; den Zuschauern winkt ein Tag voller Belustigung.

Die verschiedensten Menschen finden sich zu dem Spektakel hingezogen, aus verschiedenen Gründen: ein heruntergekommener Prunkgardist, der glaubt, auf diese Art noch einmal Ruhm ernten zu können; ein Stabkämpfer, der so die Kampfkunst anderer Länder studieren will; zwei Brüder mit dem Schwert ihres Heldenvaters, die Geld für ihre Familie verdienen wollen; der letzte Überlebende einer Kampfschule; ein Jahrmarktskämpfer, der den Abschluss seiner Karriere sucht; ein Muskelprotz mit einem „Pflug“ als Waffe; ein Wegelagerer und ein Kopfgeldjäger; ein Kannibale, ein Entstellter und einige mehr, nicht zuletzt DeVlame, den Sieger von bereits zweien solcher Turniere.

Jeder einzelne von ihnen hat eine eigene Motivation, an dem Turnier teilzunehmen und nicht allen geht es um Geld. Jeder einzelne hat seine Geschichte und viele dieser Geschichten werden am Achten des Achten enden. Nur eine Geschichte wird sicher weitergehen: Die des Arenaleiters. Doch auch seine Welt ist langsam bedroht, denn die großen Krieger der Welt kämpfen in den vielen Kriegen. Es scheint, das die Ära der Gladiatorenkämpfe dem Ende zugeht: vielleicht ist dieses Turnier das letzte seiner Art.

Das Buch erhält 10 von 10 Punkten.

Verflucht sei Tobias O. Meißner. Er hat es geschafft, mich mitten im Semester bis drei Uhr Nachts wachzuhalten. Das Buch war schneller verschlungen als ein beliebiges anderes des letzten Jahres.

Meißner beginnt seinen Roman mit kurzen Episoden um einzelne Charaktere: Ihre Motivation, ihre Herkunft. Dies gelingt ihm außerordentlich gut, ohne irgendwelche Listen sondern mit einer Kurzgeschichte für jeden der Kämpfer, die zwar viel Raum in ihrem Leben offen lässt, das Wichtige jedoch auf den Punkt bringt. In diesem Sinne ist das Paradies der Schwerter eine Ansammlung vieler Kurzgeschichten - viele Charakterentwürfe - die zuletzt gnadenlos durch den Fleischwolf gedreht werden und einander zerfleischen. Denn mehr und mehr zeigen sich Verbindungen zwischen den Charakteren: nach und nach treffen sie in der Befestigten Stadt ein und die letzten freien Plätze werden besetzt.

Ab dann geht es einer gegen einen. Wie ein außerhalb stehendes Paar Geschäftsmänner - die wie andere auch ihre kurze "Geschichte" verpasst bekommen - kann der Leser wetten: auf einzelne Begegnungen, auf den Gesamtsieg, auf was immer er will. Und es gelingt Meißner, hier auch zu überraschen, wenngleich einige Konfrontationen fast klar vorhersehbar sind. Zudem hat man nie das Gefühl, bei einem Kampf betrogen zu werden: die Ergebnisse scheinen immer logisch, Kampfglück eingerechnet.

Ist das nicht langweilig? Fünfzehn Kämpfe auf Leben und Tod? Nur banale Kampfbeschreibung? Nein. Jeder der Kämpfer benutzt andere Techniken und hat dementsprechend andere Probleme gegen jeden der anderen; kein Kampf gleicht dem anderen. Jeder Kämpfer hat seinen Hintergrund, seine Ziele; jeder Kampf ist sprachlich geschickt und unterschiedlich wiedergegeben. Zudem gibt es um das direkte Kampfgeschehen herum noch die persönlichen Tragödien verschiedener Zuschauer, die den unterlegenen Kämpfer anfeuerten, kannten oder sogar eine engere Verbindung mit ihm hatten. Und natürlich jene, für die der Sieg "ihres" Kämpfers ein Freudenfest bedeutet. Dies ist kein einfacher Gladiatoren-Roman, der sich an die Fersen eines Einzelnen heftet. Es gibt genug Sympathieträger und Hassfiguren in der Arena um für jeden Geschmack zu sorgen.

Manko bei dem Ganzen? Zunächst einmal fielen mir einige (geringe!) stilistische Unsauberkeiten in der Wortwahl auf. Diese bemerkte ich aber shcon bald nicht mehr: entweder gab es keine oder die Spannung - die nur gegen Ende ein wenig abnimmt – ließ sie mich übersehen. Auch due teilweise Merkwürdig anmutende Relation des Geldwertes - nur 1000 Goldstücke für den Sieger, wenn ein einfaches Frühstück schon 2 kostet? - gehen unter. Auf der anderen Seite macht das relativ unbedeutende Preisgeld die Sinnlosigkeit des Kampfes bei näherer Betrachtung noch einmal deutlich. Der Roman hat sich die Höchstwertung daher redlich verdient.

Was schwerwiegender sein kann - nicht muss: wir haben hier keinen klassischen Roman. Es sind vielmehr ineinanderfließende Kurzgeschichten, die sich gegenseitig beenden. Dessen muss man sich klar sein. Das Paradies der Schwerter liest sich dann wie von selbst, wird umgekehrt nur jene Enttäuschen, die einen eindeutigen Fokus brauchen und sich an diesen heften. Einen solchen gibt es nicht - selbst wenn der Favorit des Lesers gewinnt, verschwindet er zuvor doch immer wieder aus dem Blickfeld – zuordnen kann man die Charaktere jedoch jederzeit.

Auch moralisch gesehen hat Meißner ein wenig zu bieten, von dem Warum der Kämpfe bis hin über das Paradox, sich lieber im Krieg die Schädel einzuschlagen, hin zu der weiteren Entwicklung dekadenter Vergnügungen und dem Niedergang der Menschheit allgemein.

Das Paradies der Schwerter ist sicher ein Roman, der von der Besonderheit seiner Erzählstruktur lebt. Mehrere solcher Romane hintereinander würden deutlich an Reiz verlieren. Diese gibt es aber nicht - zumindest keinen mir bekannten - und das macht das Paradies zu einem herausstehenden Roman, der eine nahezu 100%ige Empfehlung an all jene ist, die es lieben mit Charakteren konfrontiert zu werden, die einfach nicht gut oder böse sind. Gladiatorenvorurteile? Braucht man nicht zu haben, dies ist kein Gladiatorenroman im üblichen Sinne, wie ich nur erneut betonen kann. Angst vor Stereotypen? Braucht man auch nicht! Jeder der Charaktere blieb mir ohne Notizen im Gedächtnis. Zugegeben, auf ihre eigene Art sind sie stereotyp, doch jeder hat Geschichte und Motivation. Daher, auch wenn ich nicht sagen möchte "Bitte immer mehr von dieser Sorte": Auf jeden Fall kaufen! Das Paradies der Schwerter ist zugleich ein Paradies für Leser.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • "Ich bewundere wirklich Eure Fähigkeit, Menschenleben in Zahlen zu verwandeln, und völlig ungerührt mit diesen Zahlen umzugehen. Wie war das mit der Würde und der Ehrenhaftigkeit, die nicht mehr zeitgemäß sind?"
  • Unter den Zuschauern waren auch viele Kinder. Bischöfliche Kampfspiele hatten den Ruf, aufgrund ihres frommen Verzichts auf die Zurschaustellung nackter Frauen ein unbedenkliches Vergnügen für die ganze Familie zu sein[...].

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