Buch-Cover, Thomas Thiemeyer: Reptilia

Reptilia

Genre: Paläofiction
Verlag: DroemerKnaur
Seiten: 385
Erschienen: 08/2005 (Original: 2004)
ISBN: 3-426-66153-5
Preis: 18,90 Euro (Hardcover)
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Wertung: 3/5 Grimoires; 6/10 Punkte, Kann-Lektüre

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Im Kongo, einer der menschenfeindlichsten Umgebungen des Planeten, hat anscheinend ein Dinosaurier überlebt. Genforscher David Astbury ist überwältigt, als die reiche Lady Palmbridge ihm und den beiden Großwildjägern Stewart Maloney und Sixpence im Geheimen eine Videoaufzeichnung vorspielt, die das Ungeheuer zeigt.

Aufgenommen wurde es von Mrs. Palmbridges Tochter Emily, die kurz darauf zusammen mit ihrer Expedition im afrikanischen Dschungel verschwand. Nun soll David, ein guter Bekannter der Familie Palmbridge und immer noch in Emily verliebt, zusammen mit den Jägern und einer afrikanischen Forscherin auf den Schwarzen Kontinent reisen und ihren Verbleib ausfindig machen, sollte sie noch leben. Außerdem soll das Team dem Urzeitwesen eine Gewebeprobe entnehmen, dessen hochentwickelter genetischer Code den Schlüssel zur Bekämpfung aller Krankheiten tragen könnte.

Schon bald macht sich David nach Afrika auf, zum Lac Télé, der Heimat des berüchtigten Mokéle m'Bembé, so der Name des Monsters. Doch keiner aus der Expedition hat eine Ahnung, mit was für einer Naturgewalt sie sich da einlassen ...


Autor Thomas Thiemeyer muss sich dessen bewusst sein, dass er mit einem Roman, der als Hauptzutaten den afrikanischen Dschungel, Dinosaurier und Genetik besitzt, gefährlich nah auf den Spuren des Bestsellerautors Michael Crichton wandelt und sich von daher unweigerlich dem direkten Vergleich stellen muss. Nun kann man von Crichton halten was man will, er versteht es aber immer wieder, in seinen Romanen aus vorherigen Rechercheleistungen interessante Ergebnisse abzugewinnen und diese spannend aufzubereiten. Thiemeyer hat in seinem Abenteuerroman Reptilia ähnlich Ambitionen: Das Buch soll spannend sein, aber auch ein paar wissenschaftliche Fakten als Würze bieten, wie es aktuell auch durch Dan Brown oder Frank Schätzing sehr beliebt geworden ist. Nur leider beschränkt sich seine Recherche auf Informationen, die man bereits im Biologie-Grundkurs in der Schule vermittelt bekommen hat - dass sich zwei Wissenschaftler des Fachgebiets diese im Roman nochmal gegenseitig erläutern müssen, hilft der Sache leider auch nicht weiter. Den Rest der Fakten klaut er einfach von Crichtons Romanen. Aber heutzutage müssen halt anscheinend immer wieder pseudowissenschaftliche Erklärungen für außergewöhnliche Ereignisse ran. Da sehnt man sich fast nach den simpel gestrickten Abenteuerromanen im Stile von Jules Vernes zurück, bei denen weniger die Erklärung und der Zweck als das Abenteuer an sich zählte.

Reptilia versteht es aber zunächst sehr gut, eben jene Abenteuerlust des Lesers zu wecken. Ein Europäer wie du und ich reist auf den Schwarzen Kontinent, wo die Natur über weite Strecken noch unberührt ist und wie ein feindlicher Organismus erscheint. Thiemeyers solider Stil und anfänglicher Aufbau dieser Geschichte machen jede Menge Laune, sich zusammen mit David auf die Reise zu machen. Da der Roman größtenteils aus dessen Ich-Perspektive erzählt wird, ist das Reisegefühl noch umso stärker. Thiemeyer führt Zentralafrika glücklicherweise als das ein, was es ist: Ein Gebiet, in dem wilde Natur und Zivilisation auf engstem Raum miteinander liegen, ein Gebiet, in dem Armut, Krankheit und Milizen herrschen, mit Ländern und Regierungen, die die Halbwertszeit instabiler radioaktiver Substanzen besitzen. Natürlich hätte er diesen Aspekt Afrikas noch wesentlich deutlicher herausstellen können, aber darum geht es in Reptilia natürlich nicht - dafür liefert es eine tolle Kulisse, die einen unweigerlich in ihren Bann zieht.

So kann man die erste Hälfte des Romans als durchaus gelungen betrachten, ist sie doch äußerst stimmig und weckt mit einigen geheimnisvollen Vorkommnissen den Appetit auf mehr. Aber leider beginnt Reptilia in der zweiten Hälfte immer häufiger über sich selbst zu stolpern. Am Lac Télé angekommen, weiß Thiemeyer mit der afrikanischen Kulisse auf einmal nicht mehr so viel anzufangen, die Atmosphäre geht leider langsam verloren. Außerdem stellt sich heraus, dass viele der begonnenen Handlungsstränge sich einfach verlaufen, dass gestellte Fragen einfach unbeantwortet bleiben. Es macht fast den Eindruck, als habe ein übereifriger Lektor den dicken Rotstift ohne Rücksicht auf Verluste zur Hand genommen. Das kostet das Buch in seiner zweiten Hälfte leider seine Integrität, denn was übrig bleibt, ist eine Geschichte, die man so von Anfang an bereits vorhergesehen hat. Die fiktiven Erklärungen, die Thiemeyer dem Leser serviert, sind nur wenig glaubwürdig, die Entwicklungen der Charaktere wenig interessant, das Monster wenig unheimlich, die Geschehnisse wenig spannend. Zudem irritiert der dann stetige Wechsel zwischen den Erzählperspektiven in der ersten und dritten Person. Kurzum: Die Erwartungen, die vorher geschürt wurden, werden nicht erfüllt. Am unverzeihlichsten sind dabei fehlende Spannung, hanebüchene Auflösungen und ein äußerst unstimmiges Monster. Denn wie kann ein Monster den Gedanken des Tötens verabscheuen, wenn es durch sein Gebiss eindeutig als Raubtier ausgewiesen wird und vor allem vorher mehrere Male blutigen Gebrauch davon gemacht hat? So einiges möchte in Reptilia nicht mehr wirklich zusammenpassen.

Es ist einfach nur schade. Die erste Hälfte des Romans hat bei mir eine Lust auf Abenteuer geweckt wie ich sie schon lange nicht mehr zuvor hatte - und dann bricht das Buch derart massiv ein. Immerhin ist Reptilia deswegen kein kompletter Reinfall.

Fazit: Der Anfang ist hui, das Ende pfui. Als ob Indiana Jones kurz vor dem Finden der Bundeslade kehrt gemacht hätte. Aber bis dahin hatte man ja auch schon viel Spaß.

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Avatar von DerDoktor Rezension von: (Grimoires.de)
Der Doktor ist preisgekrönter Wahnsinniger in mehreren Freundeskreisen. Seit langem ist er im Bereich Fantasy unterwegs. Oder vielleicht eher im Bereich Realität?

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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