Buch-Cover, Jack Vance: Cugels Irrfahrten

Cugels Irrfahrten

Originaltitel: The Eyes of the Overworld / Cugel's Saga [AME]
Serie: Die Sterbende Erde (Dying Earth) (#1)
Autor: Jack Vance
Übersetzer: Lore Straßl
Genre: Fantasy
Seiten: 525
Erschienen: 03/2006 (Original: 1966)
ISBN: 3-89064-462-7
Preis: 15,00 Euro (Softcover)
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Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut

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Cugel, der Schlaue, sitzt tief im Schlamassel: Nach einem "Tip" brach er bei Iucounu, dem Lachenden Magier ein, um diesen um einige wertvolle Artefakte zu erleichtern. Dummerweise kehrte Iucounu zurück, bevor Cugel sich davon machen konnte und seine Rache ist ein nicht allzu lustiger Witz: Mittels Zauberei wurde Cugel hunderte von Meilen in den Norden versetzt, wo er ein Artefakt für de Magier besorgen soll. Überdies befindet sich nun ein Wesen in seinem Körper, das ihn stetig peinigt, sofern er nicht alles ihm Mögliche tut, um schnell zu Iucounu zurückzukehren.

Cugel bleibt also nichts anderes übrig, als den Auftrag des Magiers auszuführen. Der magische Gegenstand ist relativ schnell gefunden (und dabei ein ganzes Dorf gegen sich aufgebracht), doch der Rückweg ist lang. Nicht umsonst jedoch heißt Cugel "der Schlaue"! Mit allerlei Schlichen und Tricksereien nähert er sich immer weiter seiner Heimat und plant auch bereits die Rache an Iucounu. Doch er ahnt nicht, dass er selbst es sein wird, der all seine Bemühungen zunichte machen wird und erneut seine Rache planen muss.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Dieses Buch vereint zwei Romane Jack Vances, "Die Augen der Überwelt" und "Cugel, der Schlaue", und umfasst somit alle Cugel-Geschichten. Diese waren schon für sich genommen keine Romane sondern aus Kurzgeschichten zusammengesetzt, die jedoch einen durchgehenden Handlungsfaden spinnen und bilden somit Episodenromane. Am Ende des ersten Romans gelingt es Jack Vance, Cugel zum Anfang des ersten zurückzubringen und somit alle Abenteuer noch einmal erleben zu lassen. Beziehungsweise eben nicht, da er bei gleichen Methoden an fast allen Orten gelyncht werden würde.

Cugel ist der Archetyp des "Streuners" (Rogue). Er lügt und betrügt und schummelt sich überall durch, nimmt alle Vorteile für sich an und plant dabei bereits, wie er möglichst schnell verschwinden kann ohne auch die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dies macht Cugel über weite Strecken zu einem unsympathischen oder zumindest zweifelhaften Helden. Er ist Cugel, der Schlaue - voll Straßenschläue und Gerissenheit, voll Erfindungsreichtum und verrückten Ideen, aber wenig klug. Auf lange Zeit gesehen wird Cugel zunehmend sympathischer: es fehlt ihm an Voraussicht und daher haben seine Pläne eine Tendenz, sich gegen ihn zu wenden. Zwar kann er sich immer herauswinden, doch steht er zuletzt ohne großen Gewinn da oder hat sogar mehr Verlust erlitten als wenn er diese tolle Gelegenheit ignorierte. Es geht ihm wie nach dem ersten Buch: ohne länger anhaltenden Gewinn steht er genau da, wo er angefangen hat.

Cugel trifft auf Gestalten, die moralisch ebenso fraghaft sind wie er und auch das macht ihn sympatisch ebenso wie die Tatsache dass er es letztlich doch immer selbst verpatzt. Cugel ist, zusammengefasst, der bedingungslose Opportunist, der jede Gelegenheit nutzt und sich nicht für Moral interessiert.

Die Cugel-Geschichten sind zu Beginn eine schwere Lektüre. Es fehlt an einer Identifikationsmöglichkeit mit Cugel. Diese stellt sich erst ein, wenn man ihn als den ewigen Pechvogel realisiert, der sich durch eine Welt lügt, die oft nicht besser ist als er selbst. Hat man den hierdurch etwas schleppenden Anfang jedoch überwunden, präsentiert sich eine großartige Geschichte: eine exotische Welt (die "Sterbende Erde", deren Sonne bald erlischt) mit vielfältigen Gefahren und cleveren Methoden diese zu umgehen oder sogar für sich zu nutzen. Manch ein Einfall ist dabei recht skurril, jedoch immer logisch. Durch das Pech Cugels kommt auch der Humor nicht zu kurz: oftmals sind die Abenteuer von einem Grinsen begleitet, selbst wenn es zu Beginn so scheint, als sei alles was Cugel betrifft absolut humorlos und ernst.

Abgerundet werden die zwei Romane von einer ausführlichen Bibliographei des Autors und dem Eintrag aus dem Lexikon der Fantasy-Literatur.

Fazit: Klasse Lektüre (in der Neuauflage zu gutem Preis - dies ist ein leichtes Überformat mit relativ dicht gedruckten aber gut leserlichen Seiten) für alle, die ein wenig Einlesezeit nicht scheuen und auch zunächst unsympathischen Charakteren nicht abgeneigt sind. Der archetypische Schurkenroman, der sich nicht gekünstelt durch eine "Robin Hood" Einstellung rechtfertigt.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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