Buch-Cover, Michael Moorcock: I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

Originaltitel: Behold the Man [AME]
Übersetzer: Jürgen Langowski
Genre: Phantastische Klassiker
Verlag: Piper
Seiten: 191
Erschienen: 03/2007 (Original: 1969)
ISBN: 978-3-492-28618-3
Preis: 7,95 Euro (Softcover)
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Karl Glogauer ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Welt, in der er lebt, vor allem aber auf der Flucht vor sich selbst. Als Zeitreisender kommt er im Jahre 28 an und trifft dort auf Johannes den Täufer. Glogauer ist auf der Suche nach Jesus Christus von Nazareth. Doch Johannes hat noch nie von so einem Menschen gehört. Stattdessen möchte er lieber Glogauer, den er wegen der Zeitmaschine für einen Zauberer hält, für seine eigenen, rebellischen Zwecke einsetzen. Es scheint nicht so, als würde Karl Glogauer jemals Frieden finden. Doch kann er Jesus finden, in dieser Welt, in der noch nie jemand von dem Propheten gehört zu haben scheint?


Wenn jemand aus unserer heutigen Zeit in das Jerusalem des Jahres 28 kommt, auf der Suche nach Jesus ist, jedoch noch niemand von ihm gehört hat, dann liegt ein möglicher Clou dieser Geschichte bereits auf der Hand. Damit diese Rezension aus dem Vollen schöpfen kann, sei dieser Verdacht gleich einmal bestätigt. Das ist jetzt ein geringerer "Spoiler" als man vielleicht annehmen möchte, schließlich ist Michael Moorcocks Novella I.N.R.I. ganz und gar nicht auf eine spannende Handlung aus, sondern versteht sich als philosophischen Science-Fiction-Roman, der mehr Wert auf seine Aussage legt als auf den Knalleffekt, den sich eh jeder Leser mit ein bisschen intertextueller Erfahrung bereits gedacht hat.

Man kann I.N.R.I. sicherlich auf verschiedene Arten lesen, das beweist allein die kurze Interpretation des Texts am Ende des Buchs. Am sinnvollsten erscheint jedoch die Annahme, dass es sich hierbei um eine erbarmungslose Vernichtung des Christentums handelt - ob nun gewollt oder ungewollt. Die Hauptfigur Karl Glogauer, die letztendlich zu Jesus Christus wird, ist ein hoffnungsloser Neurotiker, ein Mensch, der mit seinem Leben nicht klar kommt, der mit seiner Religion und dank einiger homosexueller Tendenzen auch mit den Frauen hadert - ein echter Loser also. Und diese Figur spielt sich selbst in der zweiten Hälfte des Romans zum Retter und Erlöser, zum Gott der Menschheit auf. Eine herrliche Breitseite gegen das Christentum, und mehr noch, eine perfekte Metapher für die Entstehung von Religion selbst: Gott ist ein Produkt der Menschen, ein Produkt ihrer eigenen Phantasie, eine Projektion ihrer eigenen Sehnsüchte, den sie brauchen, über alles brauchen, um ihr eigenes Leben in Perspektive setzen zu können, ihm einen Sinn zu geben, Hoffnung auf Besserung zu haben. Moorcocks Religionskritik ist an dieser Stelle jedoch noch nicht vorbei, darüber hinaus stellt er die Vertreter dieser Religion auch noch überwiegend als Homosexuelle oder gar Pädophile dar, kurzum: als ebenso verklemmte Menschen wie Glogauer selbst. Wundervoll!

Unverständlich ist nur, warum Moorcock diesen atheistischen Großangriff so merkwürdig verpacken muss. Alle paar Seiten springt er von der Vergangenheit Christi in die Gegenwart von Glogauers vorherigem Leben und zurück, baut Bibelzitate und zusammenhangslose, fiebertraumhafte Äußerungen ein, stellt neue Charaktere vor, um sie ein paar Seiten später wieder rauszuschmeißen, hüpft wild durch die Zeit- und Handlungsebenen. Die zentrale Aussage hätte man wahrscheinlich mit allen wichtigen Elementen auch in einer Kurzgeschichte unterbringen können, doch selbst auf den sehr kurzen 191 Seiten wirkt die Handlung fast schon ein wenig aufgebläht und überzogen. Es scheint so, als wolle Moorcock mit allen Mitteln schocken, provozieren und gleichzeitig lyrisch sein, das geht jedoch eher in die Hose, ist er doch manchmal zu explizit. Mehr Zurückhaltung und etwas feinere Methoden hätten dem Roman wohl nicht geschadet - so ist's halt die volle Breitseite.

Fazit: Ein direkter Angriff auf alles, was uns heilig ist und damit ein Fest der Schadenfreude für Atheisten.

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Avatar von DerDoktor Rezension von: (Grimoires.de)
Der Doktor ist preisgekrönter Wahnsinniger in mehreren Freundeskreisen. Seit langem ist er im Bereich Fantasy unterwegs. Oder vielleicht eher im Bereich Realität?

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