Buch-Cover, Mark Twain: Ein Yankee am Hofe des König Artus

Ein Yankee am Hofe des König Artus

Originaltitel: A Connecticut Yankee in King Arthur's Court [AME]
Autor: Mark Twain
Genre: Humoristische Fantasy
Seiten: 0
Erschienen: 00/1889 (Original: 1889)
ISBN: N/A
Preis: Euro (Digitaler Text / eBook)
Bestellen
amazon.de
▾ Optionen ▾
Wertung:  
Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

9/10

Leser (Person-Icon 3)  
Wertung: 2/5 Grimoires; 4.7/10 Punkte, geht so

4.7/10

»Details
5/5 Grimoires
(1)
4/5 Grimoires
(0)
3/5 Grimoires
(0)
2/5 Grimoires
(0)
1/5 Grimoires
(1)
0/5 Grimoires
(1)
Deine Wertung:
          

Ein Yankee aus Connecticut findet sich plötzlich im Angesicht eines Ritters wieder. Die schnelle Flucht auf einen Baum rettet ihn nicht: er wird gefangen genommen. Auf der Suche nach dem zugehörigen Zirkus - oder dem Irrenheim - bleibt er jedoch erfolglos und bald erfährt er, dass er (angeblich) 13 Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt wurde.

Trotz allem, was er sieht, will der Yankee es nicht glauben. Doch es gibt etwas, das ihm Gewissheit verschaffen kann: in zwei Tagen soll es eine Sonnenfinsternis geben - ihm bekannt, den Menschen jenes Jahrhunderts nicht. In seiner Gegenwart hingegen gibt es keine solche. Tritt diese also auf, so wird er in der Tat in einer falschen Zeit sein.

Bald darauf muss der Yankee einsehen, dass er tatsächlich in einer anderen Zeit ist. Praktisch veranlagt beschließt er, das Beste daraus zu machen und sichert sich eine hohe Position am Hof und beginnt, die Moderne und die Industrie einzuführen, stets verdeckt vor den Augen der Kirche und den "irrationalen" Menschen. Nebenbei muss er sich auch noch mit Merlin herumschlagen und wird schließlich auf eine Queste geschickt, um sich Ruhm zu erwerben.

Artus' Hof ging in den Quellen unter und der Yankee will ihn gewisslich nicht retten: Ziel ist eine Republik, frei von den unsinnigen Bezeichnungen "Freeman" etc., die nichts anderes sind als Sklaven. Doch kann es ihm dieses vorhaben gelingen, dem sowohl Feudalherren als auch Kirche wenig zugeneigt sein werden?

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Ich rezipierte dieses Buch in einer kostenlosen Audio-Book Version von LibriVox (englisch). Das Auffinden einer derzeit im Handel erhältlichen deutschen Übersetzung war mir leider nicht möglich, weswegen ich keinerlei ISBN angebe sondern lediglich auf verschiedene frei erhältliche Versionen im Internet eingehe (s.u.).

Mark Twains "Connecticut Yankee" ist eines der Bücher, die unsere Sicht des Mittelalters wesentlich geprägt haben. In diesem Werk ist das Mittelalter schmutzig, die Menschen leben in Angst, geprägt von einem traditionellen System, das niemand herausfordert; der Adel ist kaum besser und die Rationalität geht kaum über die von Tieren hinaus. Scharlatane wie Merlin (der zuletzt anscheinend doch zu irgendeiner Art Zauberei fähig ist) können profitieren: niemand zweifelt an, dass sie die Wahrheit sagen. Der Yankee mischt diese Gesellschaft selbstredend auf. Er schafft Schulen im Geheimen und erste Fabrikationsanlagen, in welche er junge Leute ausbildet, die noch nicht durch den Aberglauben ihrer Zeit geprägt sind. Seine Einstellung gerät dabei immer wieder in Konflikt mit der Zeit: er behandelt alle Menschen gleich, wo der Adel das Volk nur als Vieh sieht; er hält Rittertum für veraltet und unsinnig - insbesondere wirtschaftlich; Magie ist schlichtweg irrational.

Jedoch ist es dem Yankee klar, dass er dies nicht einfach abschaffen kann sondern langsam vorgehen muss: Tradition ist mächtig. So beginnt er, nach und nach moderne Dinge herzustellen und sie unter dem Mantel der Zauberei einzusetzen. Als er schließlich selbst auf Wanderung geht - um einige Damen aus den Händen von Ogern zu befreien - sieht er sich um so mehr mit den ungewöhnlichen Gepflogenheiten konfrontiert und ebenso bei einem späteren Ausflug mit dem König (incognito).

Das gesamte Werk ist Geprägt von Humor und Anachronismen. Selbstredend gehört das Telegraphennetzwerk, das der Yankee aufbaut NICHT in Artus' Zeit und ebenso wenig seine Einstellung zur Wirtschaft und die Grunderneuerung Großbritanniens. Die Meinungen und zynisch-sarkastischen Kommentare auf die Gesellschaft sowie die "verrückten" Lösungen bringen aber stets zum Schmunzeln - und auch die perplexen Reaktionen von Rittern und Bauern.

Literaturgeschichtlich ist der "Connecticut Yankee" ein sehr frühes Beispiel für einen Zeitreise-Roman (6 Jahre vor H.G. Wells' bekanntem "The Time Machine"). Im Kontrast zu diesem Roman gibt es jedoch keine wirkliche Erklärung - der Yankee findet sich im 13. Jahrhundert wieder und schließlich in der Gegenwart. Die Rahmenhandlung, in der Mark Twain diesen Yankee in Warwick Castle trifft und das Manuskript seiner Aufzeichnungen bekommt, bietet freilich eine Erklärung: Der Yankee bekam einen Schlag auf den Kopf, kann das Ganze also auch phantasiert haben. Hingegen steht dazu im Kontrast die Erklärung, zurück zu sein, in der Merlin den Yankee letztlich mit einigen Handgesten in Schlaf versetzt. Anspielungen auf die Artussage finden sich allerorts und die bekannten Charaktere treten auf und sind in die Geschichte eingewoben - mit leicht veränderten Positionen, immerhin wird hier auch die Geschichte geändert. Innerhalb der Satire finden sich auch Anspielungen auf Twains eigene Zeit, aber vor allem werden das Rittertum und der Magieglaube gnadenlos attackiert. (So stark, dass einige Kritiker meinen, dies schade der Satire selbst.) Diese Gnadenlosigkeit, diese Kompromisslosigkeit mit den Traditionen und dem Glauben der Menschen kann als das gesehen werden, was den Yankee letztlich scheitern lässt - Reflexionen über die Schwierigkeit, den Lebensstil von Menschen zu ändern, finden sich von ihm selbst genug, doch markanterweise versucht er dennoch, 13 Jahrhundert innerhalb seiner eigenen Lebensspanne einzuführen.

Kurz ein Absatz zum Genre. Ich platziere den "Connecticut Yankee" in Humoristischer Fantasy. Historische Fantasy schließe ich wegen der Vielzahl der Anachronismen aus. Science-fiction wäre eine mögliche Klassifizierung: Zeitreise kann durchaus in dieses Genre fallen und der Schwerpunkt liegt offensichtlich auf Technologie, was diesem Genre nahe steht. Jedoch wird die Zeitreise NICHT technologisch erklärt und die Gesellschaft, die den Hintergrund bildet ist die mittelalterliche Feudalgesellschaft, die ebenfalls im Hintergrund eines Großteils der Fantasy steht. Die Satire auf diese Gesellschaft und deren Gepflogenheiten ist offensichtlich, weswegen ich mich für genanntes Genre entschied. Unnötig zu erwähnen ist es fast, dass gerade diese Satire zu großen Teilen auch auf diverse Fantasywelten angewandt werden kann, wählen diese doch oft genug eine mittelalter-ähnliche Gesellschaftsstruktur als Hintergrund.

Insgesamt ist der "Connecticut Yankee" ein humorvolles Buch voller Anachronismen, das durch den Kontrast der Modernen Gesellschaft gegen die Mittelalterlich immer wieder Schmunzeln und Augenverdrehen bewirkt. Überdies ein Klassiker der Science-Fiction Literatur (insbes. im Hinblick auf Zeitreise) und in vielen Episoden auch die spätere Klassifizierung der Fantasy antizipierend - und vor allem: Auch heute noch überaus gut zu lesen.

Links:

Illustrierter Text, englisch (Bulfinch's Anthology)

Text m. Illustrationen, englisch (Project Gutenberg)

Bestellen bei:
amazon.de ebooks.de abebooks Thalia
Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Hat Dir diese Rezension geholfen/gefallen?   

Diese Rezension bewerteten 3 positiv und 1 negativ. (7506 Leser bisher.)


Deine Meinung

Sag uns deine Meinung zu Ein Yankee am Hofe des König Artus





Grimoires.de auf Facebook
Grimoires.de auf GooglePlus
Grimoires.de auf Twitter
Zum Seitenanfang