Buch-Cover, Kerstin Zussy: Sailex die magischen Steine

Sailex die magischen Steine

Genre: Fantasy
Seiten: 331
Erschienen: 12/2007 (Original: 2007)
ISBN: 978-3-934438-37-8
Preis: 17,90 Euro (Hardcover)
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Eines Tages bekommt Luc die Mitteilung, dass er eine Welt retten muss: Einem Amulett fehlen einige Steine, über ganz Sailex verstreut. Nach Aufforderung seiner Großmutter begibt sich Luc in jenes Reich und erhält tatkräftige Unterstützung von Magier, Einhorn, Pegasus und mehr. Doch auch die Gegenseite verfügt über einen Magier.

Das Buch erhält 3 von 10 Punkten

Um es in einem Satz auf den Punkt zu bringen: Die Geschichte funktioniert nicht; aus diesem Grund funktioniert auch meine Zusammenfassung nicht wirklich und wirkt farblos. Zunächst bestand sie aus zwei Sätzen aus denen nur mit Anstrengung mehr wurden: „Eines Tages bekommt Luc die Mitteilung, dass er eine Welt retten muss. Das tut er dann auch.“

Dies liegt in erster Linie daran, dass die Welt und die Charaktere nicht lebendig werden. Ich erinnere mich daran, dass ein Wald vorkommt, ein Sumpf; ein Einhorn und ein Pegasus, ein Drache und noch ein paar "traditionelle" Gestalten mehr. Nichts von alldem könnte ich näher beschreiben. Beschreibung könnte durchaus sekundär hinter einen Plot zurückfallen - und tut es oft auch erfolgreich - und das hohe Tempo, das "Sailex" vorlegt wäre theoretisch auch dafür geeignet. Allerdings wird dies durch Charaktere und Plot zunichte gemacht: Der Plot ist, einfach ausgedrückt: "Sammle mehrere magische Steine und rette das Reich". Wenn man sich ansieht, wie sich einige Trilogien hinziehen auch nur EIN wichtiges Artefakt zu finden, dann ist das Tempo hier vergleichsweise hoch. Nur leider laufen alle Begegnungen sehr, sehr schematisch ab - geradezu unglaubwürdig: Magischer Helfer kommt, weiß Rat, schickt zum Edelstein, Edelstein gefunden; oder: Gefahr, Hilfe wird geleistet, Hinweis auf nächsten Stein, Stein Gefunden; oder gar: völlig unsinniger Fehler, Entdecken einer Spur zum Stein, Stein gefunden. Die Helfer und die Spuren wirken einfach nicht glaubwürdig. Immer genau dann wenn ein Stein gefunden ist passiert etwas; immer gibt es genau die richtige Lösung - der Held ist sowieso perfekt, kann alles und keiner zweifelt an ihm. Selbst wenn "Fehler" gemacht werden sind diese im Nachhinein genau richtig. Selbst naives Hereinfallen auf Tricks führt zum Ziel. Auch die magischen Hilfsmittel lassen die Figuren einfach dumm erscheinen. Luc erhält einen Trank zum Wiederbeleben, einen Geschwindigkeitstrank, einen Heiltrank und obendrein noch ein paar andere - gleich zu Beginn; das Einhorn in seiner Begleitung kann zudem mit Tränen heilen und ein Teleportring bringt später die Möglichkeit unbegrenzter Reise. Magie ist hier nicht rar, nicht einmal etwas Besonderes. Dadurch wirkt sie einfach wertlos und man fragt sich, weshalb sie nicht einfach genutzt wird – Nachteile hat sie in dieser Welt auch keine. Alles ist vorhanden und jeder Trottel könnte mit diesen Mitteln die Welt retten. Was an Luc Besonderes sein soll... ich kann die Frage einfach nicht beantworten. Wie auch die anderen Figuren wirkt er dümmlich. Ein normaler Junge, der immer richtig handelt – das reicht hier anscheinend; mir reicht das als Begründung für den Erfolg jedoch nicht. Auch andere Handlungen sind seltsam: entscheidet sich der König erstmal eine Armee zusammenzustellen (Es muss doch eine Endschlacht geben!) so ist sie dann auch bald da. Ja, durch Luc, aber hätte der König nicht schon bei der ersten Entführung seiner Tochter eine Armee sammeln können? Die Endschlacht ist dann glanzlos: Der Feind stirbt und stirbt – nebenbei kommen noch einmal einige ("ausgestorbene") Drachen hinzu, die aber ihren Feueratem erst nach einem anderen (vollkommen überflüssigen) Plan einsetzen. Eigene Verluste gibt es scheinbar keine. Ein Einhorn wird zwar vom bösen Magier getötet (wozu eigentlich?) aber gleich wiederbelebt. Es schien der Autorin hier zu widerstreben, echte Verluste einzufügen, ebenso wie echte Ressourcenknappheit. Ohne echte Verluste gibt es aber auch keine Gefahr und das wird hier sehr früh deutlich: die Geschichte ist langweilig und spannungslos. Der Held kann einfach alles und hat überragende Mittel. Dies könnte durch einen ebenbürtigen Gegner mit ebensolchen Mitteln behoben werden. Aber der böse Magier ist genauso dämlich wie alle anderen: er zaubert nicht, er flieht ein paar Mal, tötet das erwähnte Einhorn (warum erst jetzt? In seiner Gewalt war es seit Jahren) und fällt dann auf einen lahmen Trick herein. Das so bedeutsame Amulett scheint schließlich keinen Nutzen zu haben, jedenfalls war es offensichtlich nicht möglich, diesen in vielen Jahren herauszufinden; der einzige Zweck der offensichtlich wird, liegt darin, jenen bösen Magier zu verbannen? zu töten? irgendetwas in der Art.

Überdies muss man auch interne Inkonsistenz attestieren: Luc sagt seine Welt sei "in Ordnung", hat sich zuvor aber über mangelnde Aufmerksamkeit beschwert; die Distanzen innerhalb Sailex’ scheinen in etwa wie der Weg zum nächsten Supermarkt zu sein: alles wird erreicht noch ehe ein Gespräch über ist – nicht mit dem Teleportring sondern mit gewöhnlichem Ritt. Zwar gibt es einige Tag- und Nachtwechsel, aber diese scheinen eher kosmetisch: Ich bekam nicht den leisesten Eindruck vergehender Zeit oder langer Dauer; damit einhergehend kommt auch bereits angedeuteter Mangel an Aufwand: (scheinbare) Nähe lässt alles auch einfach erreichbar sein oder scheinen. Auch die "echte" Welt steht in kurioser Verbindung: Berge - in denen sich Sailex befindet - sind "für Menschen verboten". Das kann ich einfach nicht glauben. Es gibt schlichtweg keine Berge, die einfach verboten sind. Es gibt Berge die man wegen Spukgeschichten meidet, Sperrzonen und ähnliches. Selbst in Fantasywelten gibt es immer Gründe - echte oder auf Sagen beruhende, vorgetäuschte oder tatsächliche - für solche Verbote und diese Berge sind immerhin in der "realen" Welt. Ein anderes Vergehen der Zeit und Lucs Heimkehr samt auffinden sich sorgender Eltern und Bildung einer heilen Familie wirken schließlich einfach nachgeschoben. Ein Sinn für die Handlung fehlt, ebenso wie die Großmutter die schließlich zu ihrem Mann nach Sailex zurückkehrt (was nicht einmal überrascht. Auch nicht überraschend sondern nur irritierend ist ihr sofortiger Glaube an Luc Aufgabe und die bedingungslose Unterstützung).

Viele Dinge wirken unpassend, schlicht und ergreifend falsch. Natürlich ist dies die Geschichte der Autorin und sie kann sie gestalten wie sie möchte; dennoch können Dinge einfach falsch wirken, auch außerhalb interner Widersprüche: Feen die zur Strafe in Käfige gesperrt werden – von den Guten? Eine schreiende Prinzessin, der erstmal nur der Held zu Hilfe eilt und nicht die Eltern? Warum tauchen mit einem Mal "Araber" auf (Pferde, ja, schön - nur werden sie nie vorher Araber genannt und wie soll es in Sailex Araber geben?). Die einzige Begründung liegt in der Erzählung: weil die Handlung jetzt weitergehen muss passiert jetzt dies und führt so zügig zur nächsten Station. Zügig ja, aber weder interessant noch fesselnd noch spannend.

Hinzufügen kann man noch dass das Zielpublikum eher jung ist: Die Sätze sind parataktisch und sehr kurz gehalten; leider kommt es jedoch immer wieder zu unpassenden Wörtern, die deutlich komplexer sind als der Rest. (Die „Araber“ sind da noch harmlos – ich bezweifle jedoch dass die Verknüpfung von Araber=Pferde sehr schnell geht). Manchmal wird durch sie auch das wenige an Stimmung das vielleicht aufkommen könnte verhindert: ein Verweis auf das Spiel „Stronghold“ soll wohl dazu dienen, Luc wie einen normalen Jungen scheinen zu lassen. Jedoch passt dies so überhaupt nicht und die Beschreibung, ein Spiel „in dem es auch um Ritter und Burgen geht“, ist eigentlich nur ungeschickt. Zumal die Geschichte hier im Wesentlichen nicht davon handelt – zwar gibt es gerade eine Belagerung aber selbst diese Bezeichnung passt nicht, da einfach alles über den Haufen gerannt wird. Unter Belagerung verstehe ich dann doch etwas anderes, etwas, das mehr Zeit kostet - und Zeitdauer gibt es hier eben nicht. Ebenso seltsam wie die Namen wirkt das Personenverzeichnis, das doch zu den eher komplexeren Paratexten gehört. Paradoxerweise brauchte ich es dringend: ich konnte mich schlichtweg nicht daran erinnern, wer oder was sich hinter einem Namen verbarg und das wurde auch nicht immer deutlich. Ein Vorwort nach dem Prolog(!) mutet seltsam an, aber ok. Ärgerlicher ist da das Missachten von Druckkonventionen: Oft gibt es einen neuen Absatz obwohl die gleiche Person weiter spricht - das ist schlichtweg irritierend und verfolgt hier keinen Sinn; auch fehlen manchmal Anführungszeichen. Das wäre bei einer besseren Handlung vermutlich nicht aufgefallen und mag als kleinlich angesehen werden: in dieser Geschichte ist es aufgefallen. Alles in allem ist "Sailex, die magischen Steine" in meinen Augen nur eine Aneinanderreihung vieler einzelner phantastischer Questen, die sich allesamt von selbst lösen und kaum eine größere narrative Verbindung aufweisen - viele hängen auch einfach so in der Luft und wirken lediglich hineingeworfen "weil es so typisch Fantasy ist". Stimmung kommt nie auf. Man möge mir diesen ausführlichen "Verriss" verzeihen: ausführlich ist er vor allem deshalb, weil ich eine genaue Begründung für das zugegebenermaßen schlecht ausfallende Urteil geben möchte, nicht aus purer Bosheit. Ich lese liebend gern tolle Debutromane und gebe auch gerne hohe Punkte aber dies ist mir hier nicht möglich. Es ließen sich noch weitere Kleinigkeiten hinzufügen aber zu diesem Zeitpunkt sollte bereits überdeutlich sein, dass ich eigentlich nichts Wünschenswertes finden konnte.

Halt! Das Stimmt jetzt nun wieder nicht ganz, denn etwas Positives muss man auch diesem Roman lassen: Gelegentlich tauchen humoristische Szenen auf, wie ein tagsüber stockblinder Uhu oder ein Drache der plötzlich mehr ist als nur ein Haustier. An diesen Stellen – allesamt mit leichter Situationskomik – gewannen die Figuren kurzzeitig etwas Farbe. Leider wurden sie dann wieder vom "Plot" verschluckt. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen: weniger schnell die Handlung voranpeitschen; stattdessen Charakteren und Landschaft Farbe verleihen, die Aufgaben wirklich zu Aufgaben machen.

Vermutlich ist genau dieses Beschreiben das Problem: Im Nachwort schreibt die Autorin, alles sei ihr im Traum erscheinen "wie eine komplette Filmserie". Der Autorin mag es erschienen sein, mir als Leser jedoch überhaupt nicht.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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Lesermeinungen:

Name: Gast Bewertung:   (0) Datum: 17.01.2012 11:29:38
Langweilig, ohne Sinn, Lektor??? 17,90€ unfassbar für so etwas!!! So etwas schreibt man mit mittleren Bildungsabschluß besser, welchen hat die Autorin?

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