Buch-Cover, Rosemary Sutcliff: König Artus und die Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde

König Artus und die Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde

Originaltitel: The Sword and the Circle (u.a.) [EN]
Übersetzer: Frauke Meier
Genre: Kinderbuch oder Jugendbuch
Verlag: dtv
Seiten: 638
Erschienen: 08/2008 (Original: 1979)
ISBN: 978-3-423-71306-1
Preis: 11,95 Euro (Softcover)
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Dunkle Zeiten liegen über dem Land Britannien als König Uther Pendragon stirbt. Doch es existiert ein Erbe: Artus, mit Merlins Hilfe gezeugt und bei Sir Ector zur Pflege gegeben ahnt jedoch nichts von seinem wahren Vater. Eines Weihnachtsfests jedoch zieht er ein Schwert aus einem Stein, was ihn als rechtmäßigen Herrscher anzeigt. Krieg folgt, doch nach einer Zeit der Unruhe kommt es zu einem der strahlendsten Reiche, welche die Welt jemals gesehen hat: dem Reich von Logres und den Rittern der Tafelrunde, die schließlich aufbrechen, den Heiligen Gral zu finden bis sie schließlich untergehen, verschuldet durch Artus' Sohn Modred...

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

"König Artus und die Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde" ist ein Sammelband. Dieser beinhaltet: 1. Das Schwert und der Kreis (The Sword and the Circle); 2. Das Licht jenseits des Waldes (The Light beyond the Forest); 3. Der Weg nach Camlann (The Road to Camlann).

Im Laufe der Jahre hat es sehr viele Nacherzählungen der Ritter der Tafelrunde gegeben. Manche sind schlecht, manche sind gut; manche entfernen sich von den Quellen und erfinden neue Ritterabenteuer, manche bleiben den Quellen treu; manche betonen Historizität, manche betonen Fiktion. Rosemary Sutcliff betont weder das eine noch das andere besonders, tendiert jedoch stärker Richtung Fiktion als ihre Vorlage dies tut. Als Vorlage kommen viele Artussagen in Frage doch Rosemary Sutcliff orientiert sich zu 90% an Thomas Malorys "Morte D'Arthur", dem wohl bekanntesten englischen Werk über die Ritter der Tafelrunde. Und um es einmal eindeutig zu sagen: Malorys Werk ist für 'normale' Leser der heutigen Zeit doch recht schwer verdaulich. Dies hat mehrere Gründe, unter anderem viele Wiederholungen nahezu immergleicher Kämpfe und eine Handlung die weniger kohärenter Roman mit Spannungsbogen ist als eine Ansammlung verschiedener Episoden, welche die Zeit der Tafelrunde überspannen und - wenn überhaupt - lose Zusammenhänge haben, die zeitlich teilweise durcheinander laufen und sich an manchen Stellen sogar widersprechen.

Sutcliff ändert wenig an der Episodenhaftigkeit, streicht jedoch einige der Episoden: am auffälligsten ist hier die komplette Streichung der Tristan und Isolde Handlung. Gleichzeitig fügt Sutcliff aber auch einige Handlungen zusammen, etwa indem sie "Elaine le Blanche" mit der Jungfrau von Astolat gleichsetzt und die Handlung entsprechend strafft und kürzt. Um dies zu erreichen sind teilweise enorme Umstellungen erforderlich: Was bei Malory Teil der letzten Bücher (Kapitel) ist, wird von Sutcliff fast an den Anfang gesetzt. Abgesehen von einigen solchen Umrückungen ist die Handlung jedoch nahezu identisch mit dem Werk Malorys auf das Sutcliff explizit Bezug nimmt. Weitere Veränderungen sind solcher Natur, dass sie dem modernen, jugendlichen Leser (so die primäre Zielgruppe) eher zusagen: endlose Namensaufzählungen wurden weggelassen, das Personal deutlich reduziert – gleichzeitig aber einige ungewöhnliche Details beibehalten –, Schlachtszenen werden nicht explizit mit jedem unbedeutenden Kampf geschildert sondern kurz abgehakt, Wiederholungen gibt es nur, wo es dem Spannungsbogen dienlich ist (z.B. bei der Geschichte von Gareth). Expliziter hingegen wird die Nacherzählung bei den Motivationen der Charaktere. Die subjektive Wahrnehmung und die Gedanken der Figuren fehlen bei Malory komplett, werden hier von Sutcliff - durchaus sinnig - hinzugefügt, ebenso einige "menschliche" Züge. Dabei rückt sie Artus in ein deutlich positiveres Licht und nimmt Rekurs auf das "eine Gesetz für die ganze Welt" und hebt die Beziehung zwischen Lancelot und Ginevra stärker hervor. Auch das Aussehen der Charaktere erfährt stärkere Beachtung, insbes. Sir Lancelot der recht ungewöhnlich als "hässlich aber den Frauen genehm" bezeichnet wird.

In Malory bilden Tristan und Isolde ein gewisses Gegengewicht zu diesen zwei unglücklich Liebenden. Diese Handlung fiel wie erwähnt weg. Statt dessen wurden jedoch einige wenige andere Handlungsstränge aus anderen Artussagen eingefügt: "Geraint und Enid" sowie "Gawain und die hässliche Dame" bilden hier ein Varianz von Liebesthematik, können jedoch nicht als Spiegel einer unglücklichen Liebesbeziehung bezeichnet werden. Parcival erhält ein Abenteuer aus dem "Conte de Graal" und als Engländerin wollte Sutcliff nicht auf eine kurze Nacherzählung von "Sir Gawain and the Green Knight" verzichten. Alle diese Geschichten sind sehr gut lesbar und haben keine langen Phasen wie die Vorlage - aber auch ihnen fehlt bisweilen der Zusammenhang. Zwar biegt Sutcliff einige Dinge zurecht indem sie z.B. Morgan aus dem Grünen Ritter entfernt, Nimue/Ninive mit "der" Herrin vom See gleichgesetzt und die Handlung um den Gral mit der Conte de Graal verwoben wird und stärker um Corbenic lokalisiert wird. Dabei versucht Sutcliff, der Geschichte mehr Logik zu verleihen, insbesondere einigen Aktionen und Handlungen die bereits bei Malory bizarr wirken. Dies gelingt nur begrenzt.

Doch alle Änderungen Sutcliffs können einfach nicht dazu führen, dass sich die für einen modernen Roman typischen Spannungsbögen ergeben. Einige Änderungen im Vergleich zu Malory sind zudem eher seltsam wie beispielsweise der christliche Geistliche, der hier einen anderen Namen und gänzlich unnötig andere Motivationen erhält oder das Schwert im Stein, welches hier zum rein christlichen Wunder wird. "Unnötige" Episoden fehlen, wie erwähnt - genannt sei hier das zweite Schwert im Stein, das zwar auftaucht, dessen Vorgeschichte (bei Malory Buch 2) bei Sutcliff jedoch weggelassen wird - man vermisst sie auch nicht. All diese Unterschiede sind jedoch eher für die Literaturwissenschaft denn für einen "normalen" Leser interessant

Alles in allem liefert Sutcliff eine exzellente Bearbeitung, die sich nah an Malorys Vorlage hält und diese für einen modernen, jungen Leser deutlich lesbarer macht. Eine durchgehende, stringente Romanhandlung darf indes nicht erwartet werden. Bleibt noch zu sagen, dass auch durchaus ältere Leser zu dieser Bearbeitung greifen können, wenn sie Malory selbst gar zu unerträglich fanden: erfreulicherweise bleibt auch der Großteil der häufig anzufindenden modernen Moralisierung aus. Eine gelungene Bearbeitung!

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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Lesermeinungen:

Name: Andrè Pietroschek (Website) Bewertung: Wertung: 4/5 Grimoires; 8/10 Punkte, Gut bis sehr gut (8) Datum: 30.08.2017 20:11:14
Das Sturmbringer und Trauerklinge (Michael Moorcock) dann ja historische Vorbilder haben, dass hatte ich gar nicht gewusst.

Mir gefiel an der Arthus Sage immer, das die Komplexität von Entscheidungen sich in andere Lebensbereiche auswirkt. In der Variante Gwynnefer (Jennifer) mit Lanzelot waren die Beiden ja auch Kuscheln und haben das nicht als Sabotage der Herrschaftsform gemeint. Oder treu zu Kameraden stehen und wie es die Angebetete erzürnt, oder die politischen Gegner bevorteilt.

Auch die Erkenntnis, das man in jungen Jahren entweder die Vielseitigkeit wählt und im Mittelfeld verbleibt, oder sich einer Aufgabe, Berufung, oder Pflicht ganz und gar widmet. Tugendbildung, nicht nur für Heranwachsende.

Ich gebe der Rezension 8 Punkte, weil Ehrlichkeit und kritisches Denken mir thematisch passten.

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