Buch-Cover, Kelley Armstrong: Nacht der Geister

Nacht der Geister

Originaltitel: Haunted [AME]
Serie: Frauen der Anderswelt (#5)
Übersetzer: Christine Gaspard
Genre: Phantastik
Verlag: Knaur
Seiten: 535
Erschienen: 09/2008 (Original: 2005)
ISBN: 978-3-426-50007-1
Preis: 8,95 Euro (Softcover)
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Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

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Eve Levine kümmert sich gern um ihre Tochter. Dabei gibt es nur ein nicht gerade unwesentliches Problem: Eve Levine ist seit einiger Zeit tot. Dass sie eine mächtige Hexe und Halbdämonin war - oder ist - hilft ihr in der konkreten Situation wenig: sie kann ihre Tochter zwar beobachten, jedoch in keiner Weise mit ihr kommunizieren. Zudem droht diese Obsession ihren Geliebten Mann und Vater ihrer Tochter - ebenfalls bereits tot - nun auch im Leben nach dem Tode abzustoßen. Vielleicht kommt der Auftrag, den die Parzen für Eve haben also genau zur richtigen Zeit, eine Ablenkung.

Eine Nixe trieb vor Jahrhunderten ihr Unwesen. Mehr durch Zufall gelang es den Parzen, sie in einer Nebendimension gefangenzusetzen, doch nun ist die Nixe entkommen und stiftet erneut Chaos in der Welt der Lebenden. Eve ist schnell bereit, das Wesen zu verfolgen, doch dies ist schwerer als zunächst angenommen. Zudem gefährlicher, wie Eve schnell erfährt, denn sie ist nicht die erste, welche die Parzen aussenden. Dass die erste Verfolgerin mental höchst instabil geworden ist, hilft nicht gerade, die Aufgabe leichter klingen zu lassen - umso weniger als diese ein Engel ist... Auf ihrer Suche nach der Nixe gerät Eve schließlich auf die Spur eines Amuletts, das es ihr ermöglichen würde, endlich mit ihrer Tochter in Kontakt zu treten.

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Wieder einmal kommt der neueste Roman von Kelley Armstrong mit einem Perspektivwechsel daher. Leser der Vorromane haben bereits von Eve gehört, jedoch immer aus einer anderen Sicht, jüngst aus jener von Paige Winterbourne, der Ziehmutter von Eves Tochter Savannah, davor von einigen anderen. All diese Personen tauchen in den Geschichten immer wieder auf, wobei die Hauptrolle stets wechselt und die Präsenz der anderen einmal stärker und ein andermal schwächer ist. Die Hauptfigur, hier also Eve, übernimmt dabei den Part des Ich-Erzählers und fokussiert allein dadurch auf unterschiedliche Aspekte. Dies liegt auch daran, dass die Gegensätze zwischen den Figuren bisweilen sehr stark sind - und damit ist nicht zwangsläufig gemeint, dass Eve tot ist, wenngleich dies natürlich auch einen Unterschied macht. Im Vergleich zur letzten Erzählerin, Paige, ist Eve eine Hexe, die es zu Lebzeiten ganz einfach auf Macht abgesehen hat, wo Paige das friedliche Miteinander sucht. Was, wie Altleser wissen, nicht heißen soll, dass sich die beiden nicht ausstehen können (ganz im Gegenteil!), sondern dass ihre Herangehensweisen sich drastisch unterscheiden.

Diese generelle mentale Disposition sowie die "Lebens"umstände Eves führen bereits zu Beginn zu einer deutlich anderen Atmosphäre als im vorigen Roman. Im Wesentlichen in der Geisterwelt spielend ist die Autorin hier auch nicht an die "normalen" Gesetze unserer Welt gebunden sondern kann mit exotischen Schauplätzen herumspielen und Merkwürdigkeiten verschiedener Art einbauen: Verschiedene Arten des Jenseits, echte und falsche Gespenstergeschichten, geisterhafte "Themenparks" und ähnliches schaffen ein kurioses Bild vom Jenseits unter der steten Aufsicht der Parzen. Dies schließt ein, dass es durchaus eine "helle" und eine "dunkle" Seite des Nachlebens gibt, wenngleich eine direkte Umsetzung von Himmel und Hölle nicht stattfindet und wohl auch zu moralisierend wirken würde. Die Verbindung zur Welt der Lebenden ist in diesem Roman eher rar: Zwar muss Eve die Nixe in unserer Welt jagen, doch ist sie für die meiste Zeit auf die Geisterwelt beschränkt. Hieraus resultiert auch eine deutliche Distanz zu den anderen (lebenden) Figuren, insbesondere ihrer Tochter. Das zentrale Problem, das aufgegriffen wird ist dennoch auch für Lebende aktuell. Es ist das Nicht-Loslassen-Wollen und das Beschützen-Wollen der eigenen Kinder - in Eves Fall selbst nach dem Tod, doch in vielen anderen Fällen eben auch im Leben.

Die Handlung bleibt stets spannend, was nicht nur durch den "thrill" (auch dieser Roman läuft unter „Magischer Thriller“) der Jagd erreicht wird. Genau genommen tritt diese in weiten Teilen eher in den Hintergrund. Spannung wird stattdessen erzeugt durch die seltsamen Umstände, Nachforschungen an ungewöhnlichen Orten oder bei seltsamen Wesen; durch die Einbindung realer Schauergeschichten und den "Tatsachen", wie diese wirklich sind. Miträtseln kann man nicht, die Suche nach der Nixe ist schlicht und einfach keine Detektivgeschichte. Eher kann man sie als eine Entdeckungsreise im Geisterreich beschreiben, auf die man Eve begleitet. Diese Entdeckungsreise ist interessant und bietet sowohl Kurioses, Unterhaltsames und Amüsantes als auch Düsteres und Bedrohliches ohne je langweilig zu werden oder Spannung ins unerträgliche zu steigern. Und ja: bisweilen kommt auch der "Thrill" auf.

Aufgrund der Struktur wechselnder Erzähler ist auch der Einstieg von Neulesern problemlos möglich. Für neue wie alte Leser ist auch dieser Armstrong Roman eine echte Empfehlung. Was mir als Frage bleibt? Warum "Nacht der Geister" als Titel? Dieser macht nun überhaupt keinen Sinn. Zwar spielen Geister eine Rolle, die Nacht jedoch nicht und erst recht nicht eine bestimmte. Na gut, bleibt das Fazit: den Titel sollte man ignorieren, der Roman an sich ist trotzdem sehr gut.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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