Buch-Cover, Phil Foglio: Girl Genius

Girl Genius

Originaltitel: Girl Genius [AME]
Illustrator: Kaja Foglio
Genre: Phantastik
Verlag: Internet
Seiten: 0
Erschienen: 2005ff (Original: 2001)
ISBN: N/A
Preis: Euro (Digitaler Text / eBook)
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Grimoires.de    
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Agatha Clay ist eigentlich Assistentin an der Universität von Beetleburg – und als Konstrukteurin nicht gerade erfolgreich. Ihr ganzes Leben wird jedoch auf den Kopf gestellt als Baron Klaus und Gilgamesh Wulfenbach zu Besuch kommen: offensichtlich hat Professor Beetle eine Slaver-Engine versteckt. Als er die beiden auch noch angreift kommt es sehr schnell zu tödlicher Gewalt und bald darauf ist Agatha zuerst ihren Arbeitsplatz los und wenig später Gefangene im schwebenden Schloß Wulfenbach: sie dient als Geisel um einen Spark, ein technisches Genie, im Zaum zu halten - oder so glaubt der Baron. Sein Sohn Gilgamesh hingegen hat inzwischen eine andere Vermutung: nicht der Söldner sondern Agatha selbst ist der Spark und er soll recht behalten. Mehr noch: Agatha ist zudem ein Abkömmling der Heterodyne-Familie, welche allerorts als Helden verehrt werden. (Nun, zumindest die letzte Generation, die erfreulicherweise nicht aus Irren Genies bestand, die Zerstörung liebend gern in Kauf nahmen...). Dies ist natürlich einigermaßen problematisch, da die Macht des Barons durch einen Erben der Heterodynes direkt in Frage gestellt wird. Doch gibt es weitere Rätsel: Warum schlugen alle Erfindungen Agathas fehl? Und ist sie wirklich die Tochter von Bill Heterodyne und Lucrezia Mongfish? Und warum weiß anscheinend niemand etwas über sie? Eine Jagd durch Europa folgt, bei der es zuletzt ein Ziel gibt: Schloß Heterodyne in Mechanicsburg. Nur dort kann Agatha ihr Erbe beweisen - und sich hoffentlich endlich vor jenen in Sicherheit bringen, die sie verfolgen. Denn selbst wenn sie es nicht möchte hat sie keine Wahl: alle wollen sie für ihre Ziele einspannen - Klaus Wulfenbach, der sie als Bedrohung sieht, die Geisterdamen mit ihren undurchsichtigen Zielen, Gilgamesh Wulfenbach, der sie schlicht und ergreifend heiraten will... und natürlich ist die Wildnis auch angefüllt von verschiednen Monstrositäten, die schlicht und ergreifend alles angreifen, was in irgendeiner Form lebendig erscheint...

"Girl Genius" hat eine relativ kuriose Geschichte. Zunächst erschien die Geschichte als geducktes Comicalbum, wurde dann jedoch als Webcomic fortgesetzt. Die ersten Bände wurden nachträglich digitalisiert (der erste noch in schwarz-weiss). Aus dieser Veröffentlichungsgeschichte ist bereits erkennbar, dass es eine durchgehende, epische Geschichte ist. Diese ist - auch als Webcomic - noch in verschiedene Bücher unterteilt welche wiederum "Kapitel" in Form des Dropdown-Menüs zur Auswahl haben, die einzelne Handlungsabschnitte über mehrere Seiten zusammenfassen.

Was das Genre angeht ist "Girl Genius" schwer zu spezifizieren und hat auch hier eine interessante Geschichte. Einer der Co-Autoreinnen beschrieb es einst als "Gaslamp Fantasy" - weil sie den Ausdruck "Steampunk" vergessen hatte. Allerdings ist diese Bezeichnung gar nicht so falsch und hat sich zumindest für diesen Comic gehalten. Steampunk an sich impliziert normalerweise einen Hintergrund ähnlich einer alternativen viktorianische Ära in der fortgeschrittene (und verrückte) Technologie vorherrscht, die zumeist mit Dampf (Steam) betrieben wird und sich durch andere mystisch/mythische Besonderheiten von der echten Historie abhebt. Durch jene Technologie wird das Genre in einigen Ausprägungen in Richtung Science-Fiction gelenkt. Solche Tendenzen sind auch in Girl Genius vorhanden, jedoch überwiegen hier "phantastische" und Fantasy-Elemente, wie etwa Kämpfe Mann (Frau) gegen Monster und vergleichbares - gegenüber "spekulativer Fiktion". Die Maschinen sind zwar Wunderapparate, funktionieren aber ohne eigentliche Erklärung; es entsteht nie wirklich das Gefühl in einem Zukunftsuniversum zu sein. Zwar laufen riesige Maschinen herum, jedoch wirken diese im Vergleich zu unserer heutigen Technik "alt" (wenngleich nicht weniger beeindruckend oder gefährlich oder gar weniger effizient: oft ist das Gegenteil der Fall); auch sind Zeppeline in Benutzung und es fehlt an dem, was man unter "High-Tech" zusammenfassen würde – zumindest was den generellen Eindruck angeht. Viel eher als eine hochtechnisierte Welt erinnert der Schauplatz von "Girl Genius" an eine postapoaklyptische Welt. Dies stimmt sicherlich nicht, es gibt jedoch Parallelen: die Wildnis außerhalb der Städte ist gefährlich (wenngleich grün); Menschen gibt es vor allem in geschützten Städten etc.

Statt generell fortschrittlicher Technologie gibt es "Sparks", "Funken" - oder einige Menschen haben eben jenen Funken. Das heißt sie sind außerordentlich intelligent und zu enormer Konzentration fähig. So fähig, dass man sie ebenso gut als verrückt bezeichnen kann, denn wenn sie einmal dabei sind, etwas zu bauen, dann bauen sie es auch. Unglücklicherweise sind unter den ersten Maschinen, die ein solcher Mensch baut meist Waffen und das Resultat eines durchgedrehten aber unerfahrenen Funkens ist ein toter Funke - viele Menschen haben schlichtweg Angst vor diesen "Irren".

Die Handlung insgesamt verfolgt die Suche von Agatha Clay/Heterodyne nach ihrem Platz. Weitern Aufschluss gibt die Schlagzeile "Adventure, Romance, MAD SCIENCE!". Abenteuer und verrückte Wissenschaft sollten bereits klar sein. Die Romanze kommt primär in Form der - durchaus nicht einfachen - Beziehung zwischen Gilgamesh Wulfenbach und Agatha daher, hat aber durchaus einige Nebenschauplätze. Wie der Rest der Handlung ist aber auch diese Romanze nicht tiefgründig. Fast immer gibt es humoristische Untertöne, selten bleibt es mehrere Seiten lang ernst. Wenn dies doch der Fall ist, so kommt es meist kurz darauf zu direkt daraus resultierender Komik, sei es durch Ergebnis oder Hintergründe oder in Form eines sarkastischen Kommentators. Was erwartet man auch in einer Welt der verrückten Wissenschaftler, in der man sogar die Stadttore für eine feindliche Invasionsarmee öffnet, nur um einen besseren Blick auf die Maschinen werfen zu können? Auf diese Art kommt es bisweilen auch zu Humor im schwarzen Bereich. Zwar gibt es auch potentiell traurige Szenen und Zerstörung sowie Tode sind nicht selten (meist jedoch von Maschinen, wobei der Unterschied zwischen "Clank" und Mensch gelegentlich stark verwischt) jedoch nicht der Angelpunkt der Handlung sondern eher Beiwerk.

Girl Genius hat derzeit (September 2008) 3 Updates pro Woche (Montag, Mittwoch, Freitag) in bisher 8 "Bänden", die gelegentlich von FanArt und Geschichten der "Heterodyne-Boys" unterbrochen sind. Nebenbei existieren einige andere Abenteuer Agathas, die auf der Seite verlinkt sind. "Girl Genius" bietet lockere und dennoch spannende Unterhaltung in einem kuriosen Gebiet irgendwo zwischen Fantasy, Science Fiction und Steampunk, die sich jedoch keinem Genre wirklich zuordnen lässt. Und vor allem bietet der Comic natürlich: MAD SCIENCE!

"Girl Genius" ist englischsprachig mit einigen deutschsprachigen Anklängen insbesondere in Form der Jägermonster, die ein "germanisches Englisch" sprechen mit dem Muttersprachler allem Anschein nach bisweilen Probleme haben. Dies kann durch Aussprache einem deutschen Leser jedoch durchaus leichter fallen. Wie so oft sollte ein solides Schulenglisch für das Lesen weitestgehend ausreichen.

Inzwischen gibt es Girl Genius auch in gedruckter Form oder als PDF im Foglio-Merchandise-Bereich.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Leseprobe

Es gibt eine oder mehrere Leseprobe(n) zu diesem Buch:
Direkt zum Webcomic: Girl Genius (extern)

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