Buch-Cover, Markus Heitz: Gerechter Zorn

Gerechter Zorn

Serie: Die Legenden der Albae (#1)Genre: Fantasy
Verlag: Piper
Seiten: 585
Erschienen: 04/2009 (Original: 2009)
ISBN: 978-3-492-70154-9
Preis: 15,00 Euro (Softcover)
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Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

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Sinthoras und Caphalor können einander nicht ausstehen: der eine Kriegsheld, der andere muss sich erst noch im Krieg beweisen. Während Sinthoras die Ruhe auf seinem Landgut genießt und sich wenig aus dem Segen der Unauslöschlichen zu machen scheint, gelüstet es Caphalor nach einem neuen Krieg und eben jener Segnung. Das Geborgene Land liegt vor ihnen - und könnte das Reich der Albae bedeutsam ausdehnen.

Beide zusammen werden auf eine Mission geschickt: Sie sollen einen Pakt mit einem Dämon schließen. Mit dessen Hilfe soll die von den Zwergen bewachte Pforte zum Süden endlich erstürmt werden. Zunächst durch gegenseitige Intrigen behindert entwickeln die beiden Albae Respekt für einander - und schließlich so etwas wie Freundschaft. Überdies müssen sie feststellen, dass die Albae nicht gänzlich unverwundbar sind, dass es Wesen gibt, die auch ihnen gefährlich werden und dass sie mitunter auf jene angewiesen sind, die sie verachten.

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Um das Wichtigste im ersten Satz zu sagen: die erste Legende der Albae ist gelungen - was nicht selbstverständlich ist, wenn man sich überlegt wie viele Werke auf einem zuvor erfolgreichen aufbauen um von dessen Erfolg mitzuprofitieren.

Mit den Albae wechselt der Fokus von den Zwergen weg - was recht gesund ist, denn trotz der hohen Qualität wirkte deren Handlung gegen Ende doch reichlich ausgeschöpft. Zudem wird ein Zeitsprung gewagt: gewissermaßen ist dies das Prequel zum ersten Zwergen-Roman und erzählt, was vor diesem geschah. Bekannt ist dem Leser nur das letzte Kapitel, in der es - überraschen wird es niemanden - um die Erstürmung des Steinernen Torwegs geht. Hier merkt man: Das Werk richtet sich an Leser, die auch die Zwerge bereits kennen. Es ist für andere durchaus lesbar - aber diesen fehlt stellenweise ein wenig Hintergrund, wenngleich das Wichtigste erklärt wird. Irritation mag allein das Wesen der Albae bereiten, einfach ausgedrückt "böse Elben", die sich als Herrenrasse über allen anderen sehen. Mit dieser Rasse gibt es also auch einen zweiten Schwenk weg von den Zwergen: nicht nur eine neue Rasse, sondern zudem noch eine ausdrücklich "böse" Rasse - wenngleich man dies zuletzt infrage stellen darf.

Bringt ein Autor eine "böse" oder "exotische" Rasse in den Fokus eines Romans so kommt er nicht ohne Vermenschlichungen aus, wird Rechtfertigungen für die Hauptcharaktere suchen, auf die Menschen sich beziehen können. Dies geschieht auch hier, jedoch keineswegs aufdringlich. Wer will kann die Albae sicher als "Übermensch" (oder wohl eher: "Überhumanoid") lesen; was sie jedoch wirklich von anderen Rassen unterscheidet ist weniger ihre Physis als ihre Kunst und die Einstellung dazu. Anders als in den Zwergen-Romanen welche diese Kunst recht eindeutig verdammten, wird sie hier neutraler geschildert. Durch die Augen einer menschlichen Sklavin erfährt sie zudem Bewunderung und dadurch eine Aufwertung. Letztendlich mag man fragen: Ist es denn verdammenswert, aus den Knochen von Feinden, aus deren Blut und Haut Kunstwerke zu schaffen? Sicher, den modernen Menschen stößt dies ab, aber Knochenschmuck oder -waffen sind nicht ungehört und letztlich gönnen die Albae es nur würdigen Feinden, solcherart zu Kunst zu werden. Fremd ist dies sicher - aber unbedingt verdammenswert? Man denke beispielsweise auch daran, dass man Verstorbene heutzutage zu Diamanten pressen und diese als Ringe tragen kann, was man als ebenso pietätlos betrachten kann. Der umgekehrte Blick wird ebenfalls von einem Nebencharakter gewagt, der in dem Werk eines Menschen eine würdige Qualität erkennt. Heitz gelingt es hier, das Bild der arroganten Über-Rasse aufrecht zu erhalten, ihr aber durch einzelne Charaktere auch "Menschlichkeit" mitzugeben, wobei deutlich andere Werte hochgehalten werden, teils aber auch typisch Menschliche.

Kleine Fehler haben sich eingeschlichen, die lokal irritieren: Die Elben zogen nach Norden ins Geborgene Land - das aber auf der (gelungenen) Karte im Süden eingezeichnet ist; in einer leeren Gegend ist mit einem Mal ein neues Pferd parat; ohne erkennbaren Grund wird plötzlich Immunität gegen Gift erklärt. Ein gelungener Spannungsbogen marginalisiert diese Fehler jedoch; interessante Nebenfiguren wie Fflex, Obboona und ein Galran Zhadar tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Was das alles sind? Nachlesen, wie auch die albischen Legenden, die jedem Kapitel vorausgehen.

Ein gelungener erster Albae-Roman, dem es gelingt die "böse" Rasse nicht plötzlich gut werden zu lassen und ihre Fremdheit verschiedentlich hervorhebt sowie zwei der Charaktere aus der Zwergen-Reihe mit einer Vorgeschichte zu versehen. Auch geeignet für jene, denen die arroganten (oder die verspielten) Elfen schlicht zum Halse heraushängen - über Blümchenpflücker und Baumbeschützer muss sich hier keiner ärgern, denn diese wären allenfalls Zielscheiben für die Pfeile der Albae.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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