Buch-Cover, Alexander Lohmann: Gefährten des Zwielichts

Gefährten des Zwielichts

Serie: Gefährten des Zwielichts (#1)Genre: Fantasy
Seiten: 476
Erschienen: 04/2009 (Original: 2009)
ISBN: 978-3-404-28527-3
Preis: 14,00 Euro (Softcover)
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Grimoires.de    
Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut

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Die letzte Schlacht gegen den Dunklen Herrscher Leuchmadan ist gewonnen, sein Herz in einer Schatulle durch einen Wichtel entwendet - doch plötzlich ist die Schatulle verschwunden. Dennoch: Leuchmadan ist besiegt und vernichtet...

...bis er schließlich wiederkehrt. Im nie eroberten Daugazburg plant er, sein Herz zurückzuholen. Geliuna, die Schwarze Fee, Statthalterin Leuchmadans macht ihm den Vorschlag, statt seinen Wardu eine gemischte Gruppe zu schicken: drei Gnome, einen Ork, einen Troll, eine Dunkelelbe und einen Wardu. Gemeinsam sollen sie das Herz finden und an sich bringen. Doch auch die Elben, Zwerge und Menschen haben eine Gruppe gebildet und verfolgen ihre Ziele mit dem Herzen. In beiden Gruppen gibt es jedoch mehr als ein Ziel...

Das Buch erhält 9 von 10 Punkten.

Genug von Anklängen an den Herrn der Ringe? Finger weg und hier bereits aufhören.

Noch am Lesen? Gut. "Die Gefährten des Zwielichts" nimmt an vielen Stellen Bezug auf den Herrn der Ringe. Das beginnt bei den Titelgebern, eben einer Gruppe der Finstervölker, welche das Herz (=den Ring) zurückholen sollen. Die Vernichtung Leuchmadans (Saurons), seine Rückkehr und viele weitere Beispiele ließen sich in einer endlosen Reihe auflisten. Der "Twist" laut Rückencover? Dies ist die Perspektive der Bösen. Nun ja - jedenfalls nicht die Perspektive der "Guten". Viele Autoren versuchen irgendwann, auch die Bösen zu Wort kommen zu lassen und deren Perspektive zu schildern. Zwangsläufig werden die Bösen dadurch "menschlicher" und "netter" um eine Identifikation zu ermöglichen. Aber nicht zu Menschlich: Lohmanns Ork ist immer noch ein Ork, sein Troll immer noch ein Troll - mit all den üblichen Eigenschaften. Alexander Lohmann zeichnet eine durchaus liebenswürdige kleine Gruppe auf der Schattenseite. Der Wardu ("Nazgul") bekommt einen überaus menschlichen Hintergrund - warum wurde er überhaupt zu einem Wardu; ebenfalls erhalten der Ork, der Troll, und die Dunkelelfe eine Persönlichkeit, die über das übliche Feindschema hinausgeht und durchaus nicht üblich ist. Und vor allem: Denken können sie alle und haben unterschiedliche Ansichten, was man denn tun solle. Hätte man nicht die klassische Zuordnung zu "Finsterlingen", dies mögen durchaus die Helden sein - und natürlich stellen sich die "Kleinen" hier als die Helden heraus und tragen die Geschichte in den nächsten Teil fort.

Der Gegentrupp kommt nicht eben strahlend daher: Mensch, Zwerg, Zauberer, Elf, Wichtel. Sie ziehen aus, den Schicksalsberg zu erreichen und den Ring in den Feuern zu zerstören. Pardon. Sie ziehen aus um die Schatulle an der Quelle des Blutes zu vernichten. Eine Neuauflage der Gefährten? Ja und nein. Der Elf ist ein König und sieht arrogant auf alle herab, der Mensch ähnelt durchaus Boromir, die Wichtel ein wenig den Hobbits (aber viel mehr eigentlich den Gnomen der "dunklen" Seite), der Zwerg bleibt recht farblos und der Zauberer ist eben ein Zauberer. Vor allem aber ist diese Gruppe untereinander höchst intrigant und jeder hat seinen eigenen Plan - was den anderen durchaus bewusst ist. Auch hierdurch wirkt die „böse“ Truppe im Vergleich netter. Schließlich kommt es sogar so weit, dass sich die beiden Gruppen zeitweilig verbünden - und das funktioniert in mancherlei Hinsicht besser als man es erwarten würde. Und ist natürlich höchst amüsant, was neben den Schelmereien der Gnome den Humor beisteuert. Die Spannung hingegen kommt nur teilweise aus den Bemühungen der zwei Gruppen. Viel mehr steuern hier die Intrigen bei - wobei manchmal eher "spontane Aktionen" passt, bei deren bloßer Idee der Leser die Katastrophe vorherahnt. Eine Spannung wie bei Trommeln in den Minen Morias gibt es nicht; und auch ein heimliches Schleichen in das Land des Feindes ist selten. Statt "schaffen sie es?" gibt es andere Fragen: Was geht nun wieder schief, wer plant diesmal etwas - und was? Was kommt als nächstes?

Noch einmal zurück zum Vergleich mit Tolkiens. Die grobe Modellierung ist nicht zu leugnen und will es auch gar nicht. Vieles wird aufgegriffen aber nichts wird eins zu eins kopiert. Alles erfährt eine leichte Veränderung, so dass man den Ursprung noch erkennt. Durch manche dieser Veränderungen wird man überrascht; andere sind einfach amüsant; andere bringen es aus mancher Sicht einfach auf den Punkt. (Ich bin doch wohl nicht der einzige, der die Schnauze voll hat von solchen arroganten Elben die so herablassend sein können wie sie wollen aber dennoch immer "edel" sind?). Die Liste wäre hier lang und würde den Lesespaß verderben, weswegen ich auf Beispiele verzichte. Natürlich lebt der Roman auch von der Veralberung genretypischer Klischees - aber es gibt keine totale Persiflage. Am Ende ist dies noch immer "echte" Fantasy, keine humoristische Fantasy, die nur an Stellen durchschimmert. Gerade durch die Sachte Verdrehung einzelner Aspekte gewinnt "Gefährten des Zwielichts" seinen Reiz.

Ein weiterer Vergleich mit Tolkien: Tolkien schuf neue Sprachen; Lohmann bedient sich alter Sprachformen. Wer einen Blick auf beispielsweise "Wardu" wird via Englisch und insbesondere älteren Sprachformen auf eine ihrer Funktionen gestoßen und auch andere Namen sind ähnlich passend und vorausdeutend. Diese Spielereien werden meist zweifelsohne nicht bemerkt werden und müssen es auch nicht. Tut man es dennoch können sie noch einmal Perspektiven in Frage stellen. "To ward", schützen, klingt ja nicht eben nach dem, was man typischerweise mit den Bösen assoziiert, die liebend gern ihre Verbündeten opfern um ihre Feinde zu schädigen. Dies ist bereits Rückentext und gibt eine perfekte Zusammenfassung einer Kernaussage ab: "Ob gut gleich gut und böse gleich böse ist, hängt allein von der Perspektive ab..."

Fazit: Wer Spaß an einem Roman hat, der nach Tolkien modelliert ist, der aber nahezu alle Details einer Veränderung unterzieht und zudem die Grenzen von Licht und Dunkel verwischt, der ist mit Alexander Lohmanns "Gefährten der Finsternis" sehr gut beraten.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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