Buch-Cover, Evelyne Okonnek: Die Flammen der Dunkelheit

Die Flammen der Dunkelheit

Genre: Fantasy
Seiten: 352
Erschienen: 01/2010 (Original: 2010)
ISBN: 978-3-8000-9509-4
Preis: 14,95 Euro (Softcover)
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Die Sonne über der Insel ist am verlöschen; nur noch selten dringen ihre Strahlen durch die stets präsente Wolkendecke. Wie lange kann ein Volk ohne Sonne überleben? Zudem existiert noch immer das Erbe der einst besiegten Dämonen - und eine Prophezeiung deren Bedeutung nicht klar ist.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

Die Zusammenfassung klingt wie Standard-Fantasy und gibt ansonsten wenig her. Das stimmt in gewissem Sinne: Es gibt zwei "Auserwählte" und eine Prophezeiung, intrigante Priester, eine naive Königin und die Verfolgung von Dämonenabkömmlingen. In diesem Setting verfolgt die Handlung mehrere Charaktere, zentral die Auserwählten und ihre Gegenspieler. Dementsprechend kann der Leser sehr schnell vorhersehen was passiert. Aber es passiert nicht; jedenfalls nicht so, wie es passieren sollte. "Die Flammen der Dunkelheit" ist düster aber noch keine Dark Fantasy. In einem Satz beschreiben lässt sie sich mit "Fantasy in der alles schief läuft". Dies ist nicht auf die Schreibweise bezogen, denn es ist eher erfrischend, einmal einen gelungenen Fantasy-Roman zu lesen, in dem die typischen Romanzen-Muster des auserwählten Helden, der alle Probleme löst, durchbrochen werden. Evelyne Okonnek ist zudem konsequent und verdirbt das Ende nicht durch eine göttliche Rettung. Das Ende der Geschichte wie das Ende einiger Figuren bleibt ambivalent und man kann sich Fragen, ob nicht alles viel Schlimmer ist als zu Anfang. Hier hat der Roman einen deutlich unabgeschlossenen Charakter, der aber passend wirkt. Das Ende ist offen - und offen ist auch das Ende verschiedener Charaktere, deren Sinn: Figuren sterben nicht im Kampf gegen ihre Nemesis, sie sterben nicht für die Erfüllung ihrer Ziele oder scheitern an diesen; sie sterben zufällig und unnütz. Dies lässt den Roman in gewisser Hinsicht "realistisch" wirken, wozu auch eine selten dämliche Königin beiträgt bei deren Naivität man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen will; allerdings ist es eine Art der Naivität, die überzeugend wirkt. Auch die Entscheidungen mancher Charaktere sind höchst fraglich; Götter im üblichen Sinne gibt es nicht und das Schicksal der Figuren liegt in ihrer eigenen Hand - und der Hand des Zufalls. Selbst das Auflehnen gegen die Vorherbestimmung bekommt einen resignierenden Charakter.

"Die Flammen der Dunkelheit" ist damit atypische Fantasy. Wer die Geschichte eines strahlenden Helden sucht, der ist hier schlecht beraten. Dies gilt auch für Dinge jenseits der Handlung, wie etwa die "Dämonen", die hier mehr oder weniger die Chiffre für Magiebegate und als böse verschriene Humanoide sind.

Das Werk hat einige mittelschwere Probleme: Die Zählweise "seit Verschwinden der Sonne" macht durchaus Sinn, gibt aber keinen echten Anhalt, wie viel Zeit vergeht bzw. wann der Text geschrieben wurde. (Niemand rechnet doch die Jahre aus. Und selbst wenn, wer garantiert mir 365 Tage pro Jahr?) Dies ist vor allem in einem "Tagebuch" problematisch - dass es ein solches ist, wird erst im letzten Kapitel klar. Vorher hätte es auch eine lang zurückliegende Chronik sein können. Vermuten konnte man die wahre Natur mehr und mehr, aber nur unsicher. Insgesamt versagt das Buch darin, die vergehende Zeit richtig darzustellen. Ein weiteres Manko ist die Vielzahl an Personen: Am Anfang gibt es einfach zu viele Charaktere. Von der Mitte bis zum Ende sind diese jedoch zunehmend einfacher zu unterteilen und machen weniger Probleme.

Insgesamt ist "Die Flammen der Dunkelheit" ein interessanter Roman, welcher der Prämisse "Fantasy geht schief" folgt, dies aber weder ins Lächerliche zieht noch auf einer Meta-Ebene kommentiert, und ansonsten eine typische Handlung hat die durchaus von einem Auserwählten "gelöst" werden könnte. Auf diese Art ist der Roman realistisch, denn auch im echten Leben gibt es selten eine perfekte Lösung. Das richtige Buch für alle, die ein Werk suchen, in dem der Zufall und der Unwille das oft allzu vorherbestimmende Schicksal der Fantasy ablösen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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