Buch-Cover, Brian Moreland: Schattenkrieger

Schattenkrieger

Originaltitel: Shadows in the Mist [AME]
Übersetzer: Michael Krug
Genre: Mystery
Seiten: 461
Erschienen: 02/2010 (Original: 2007)
ISBN: 978-3-8000-9517-9
Preis: 19,95 Euro (Hardcover)
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Oktober 1944, der zweite Weltkrieg tobt. Im Hürtgenwald versucht die Kompanie von Jack Chambers, das Verteidigungsnetz der Deutschen zu durchbrechen. Ein ums andere Mal scheitern sie, am Nebel, an Minenfeldern, am stetigen Regen und an den Verteidigungs-Stellungen der Deutschen. Doch der Durchbruch ist wichtig, und so wird eine Spezialeinheit geschickt. Um seine Männer nach Hause zu bekommen meldet Chambers seinen Zug freiwillig für die Mission...

Viel Zeit ist vergangen seit dem zweiten Weltkrieg. Die Alliierten waren siegreich, Hitler ist tot. Jack Chambers fühlt sein Ende kommen, doch eine Sache muss er unbedingt erledigen: Er muss die Wahrheit über das erzählen, was 1944 im Hürtgenwald passiert ist, auch wenn er geschworen hat, das Geheimnis ins Grab zu nehmen: Tief unter einer Kapelle im Hürtgenwald ruht ein Nazi-Relikt, versteckt von Chambers selbst. Albtraumvisionen haben ihn davon überzeugt, dass es unbedingt geborgen werden muss: Die Ereignisse dürfen sich nicht wiederholen, denn 1944 standen die Amerikaner keinen gewöhnlichen Deutschen gegenüber.

Das Buch erhält 7 von 10 Punkten.

Die Verbindung zwischen Nazis und Okkultismus erfreut sich immer wieder Beliebtheit. Dunkle Rituale und die allzu realen Taten der Nazis erzeugen eine Resonanz die, so phantastisch sie auch sein mag, oft schlicht passt.

In „Schattenkrieger“ geht es jedoch nicht um die Jagd nach einem verlorenen Schatz in den Ausläufern des Krieges; der Roman spielt inmitten eines der übelsten Schlachtfelder. Die Figuren wollen nur eins: raus; raus aus diesem Dreckloch, dem "Fleischwolf" der unzählige Menschenleben fordert und gleichzeitig jedes Vorwärtskommen verhindert. "Schattenkrieger" ist hier ein Kriegs-Buch, dunkel und düster und ohne den Glanz von Heldentum. Es gibt keine Schwerter schwingenden Heroen, die in glorreichem Zweikampf das Schicksal der Welt entscheiden. Es sind Sprengminen, die kaum erwachsene Soldaten zerfetzen; es sind Nebel und Regen, die Gesundheit und Moral ruinieren; es ist ein verdammter von Fallen und Leichen wimmelnder Wald aus dem man nur fort möchte.

Brian Moreland zeichnet das Bild des Krieges vergleichsweise realistisch und orientiert sich an historischen Ereignissen. Dabei verzichtet er jedoch auf Psychologisierung und lässt die Handlung durch Action ablaufen. Weniger realistisch sind hingegen die Kapriolen des Wetters, die bei genauer Betrachtung doch etwas unwahrscheinlich wirken – aber darüber kann man hinweg lesen, denn die Spannung hält Brian Moreland meist hoch. Zu erwähnen ist hier noch die Bedeutung der Schlacht im Hürtgen-Wald für die Amerikaner, die in dieser Nation einen weit stärkeren Eindruck zurückgelassen hat als bei den Deutschen. Es war eine Schlacht voll von eben jenen Minen und Fallen, die Moreland schildert.

Allerdings ist dies nun ein „Mystery-Thriller“ und verlässt die rationale Realität daher. Mit dieser Meta-Information im Hinterkopf wundert es nicht, dass die okkulten Rituale der Nazis hier Erfolg haben und im Roman Realität werden: Irgend etwas haben die Nazis in de Wäldern losgelassen. Ein Teil der Spannung entsteht durch einen Hauch von Detektivgeschichte, durch die Frage was dieses Etwas denn ist. Auch Tendenzen zu Horror und Splatter (geht moderner Krieg ohne?) gewinnen immer wieder an Stärke - als "bester Horror-Roman 2007" erhielt das Werk zudem eine Auszeichnung. Die Spannung hält Brian Moreland extrem hoch, was insofern bemerkenswert ist als dass das Ende einigermaßen klar ist und die Geschichte in Rückblende erzählt wird. Auf die Rahmenhandlung hätte der Autor hingegen gut verzichten können. Neben einem (zu) langsamen Einstieg gibt sie nur zu einem ebenso langsamen Abschluss und einem Happy Ending.

Einen Dämpfer erhält die Spannung durch das Erkennen des echten Feindes. Mythologisch Bewanderte werden schnell die naheliegendste Lösung finden. Auf mich wirkte diese jedoch nicht überzeugend: warum ausgerechnet diese Mittel? Nach der großen Erkenntnis übertreibt Moreland es: Geheimgesellschaften und Verschwörungen in Masse lassen die „suspension of disbelief“ zusammenbrechen. Hätte man es bei den Nazis und einer okkulten Geheimlehre belassen, so hätte es funktioniert – aber zum Schluss war es einfach zu viel. Spannung gibt es im letzten Fünftel zwar immer noch, aber diese nimmt deutlich ab. Man kennt den Feind; man weiß genau, woran man ist – und damit ist ein Großteil des Schreckens verloren. Zwei weitere Kritikpunkte: Der Buchrücken suggeriert eine Handlung in der Gegenwart. Tatsächlich spielt das Buch bis auf die Rahmenhandlung jedoch 1944. Außerdem mag man bemängeln das einige Figuren derart stark als Arschloch schlechthin gezeichnet wurden, dass sie nur noch nerven und in ihrer letztendlichen Funktion auch nur noch vorhersehbar sind. Hier rächt sich in Teilen der Verzicht auf Psychologisierung. Immerhin positiv hervorzuheben: Moreland verzichtet auch auf eine allzu übliche Moralisierung, wenngleich gut und böse klar verteilt sind.. Die Nazis sind einfach nur der Feind und damit hat es sich.

"Schattenkrieger" bietet einen relativ authentisch erzählten, schmutzigen zweiten Weltkrieg ohne Glanz und Glorie. Die Rollen von gut und böse sind klar verteilt und bieten keine Überraschung. Über Mängel in der Logik von Wetter oder auch der Reaktion von Figuren sowie deren nicht vollständig gezeichneten Beziehungen kann man dank der hohen Spannung hinweg lesen. Brian Moreland erzählt hier eine absolut spannende Geschichte, die man besser nicht in einem dichten, nebligen Wald am Campfeuer liest.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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