Fantasy

(Allgemeine) Fantasy wird oft auch mit "High Fantasy" betitelt - bei Grimoires.de wird hier auch alles zusammengefasst, was nicht besser in eine Unterschublade passt, das heißt: was nicht klar besser in ein Subgenre passt. Auch "Low Fantasy" fällt derzeit in diese Gesamtkategorie.

Problematisch ist die doppeldeutige Unterscheidung zwischen "High Fantasy" und "Low Fantasy", da zwei Definitionen nebeneinander stehen, die auf grundsätzlich unterschiedliche Aspekte abstellen.

"High Fantasy":

Nach der ersten Definition ist "High Fantasy" Fantasy, die in einer komplett eigenständigen Welt spielt. Diese Welt hat eigenständige Geschichte, Legenden, Sprachen, Völker (Rassen) und ist oft an das europäische Mittelalter angelehnt. Probleme gibt es bereits bei einer Rahmenhandlung in der der Übertritt in die "Zweite Welt" (die Welt der Fantasy) erfolgt. Strikt genommen ist diese Welt mit unserer Verbunden. Der Begriff "Parallelwelt-Fantasy" wurde von einigen Stellen ins Spiel gebracht. Dies scheint aber wenig sinnvoll, wenn es sich auf eine Rahmenhandlung beschränkt. Aber auch wenn 98% in einer anderen Welt spielen, ist dies nicht unproblematisch.

Nach der zweiten Definition beschäftigt "High Fantasy" sich mit "hohen Konzepten". Die Bedrohung betrifft die Welt, hat eine epische Breite, das Individuum tritt hinter dem Großen und Weltumspannenden zurück. Magie ist mächtig und reichlich vorhanden, Protagonisten sind Edel, Schurken sind böse - das klassische "schwarz-weiß". Diese "Quest-Struktur" ist angelehnt an die Artus-Epik des Mittelalters. Moderne Fantasy löst sich jedoch stellenweise von diesen schablonenartigen Handlungen zugunsten von mehr Realität in einer Vermischung mit Konzepten der "Low Fantasy" (s.u.)

Wie man unschwer erkennt haben diese beiden Definitionen kaum eine Gemeinsamkeit. Als Beispiel am Herrn der Ringe wird ein Problem deutlich: Nach einer Definition kann ein Titel High Fantasy sein - der Herr der Ringe ist zweifellos episch, handelt von der gesamten Welt und nicht vorrangig von Einzelcharakteren. Aber "Mittelerde" ist "midden-erd", die historische Erde - wenn man es auf die Spitze treibt, denn hier kann man durchaus auch den Punkt vertreten, dies sei eine "andere Welt". Die Frage ist dann jedoch, wo eine "andere Welt" anfängt. Reicht eine verfremdete empirische Welt (man denke an Urban Fantasy)? Eine "vorzeitliche, verfremdete Welt" (Conan)? Die Grenzen sind grau und oft werden nicht alle Punkte einer Definition erfüllt. Recht typisch wird "High Fantasy" von Robert Jordans "Rad der Zeit"-Zyklus erfüllt.

"Low Fantasy":

Low Fantasy bildet dementsprechend den Kontrast zur "High Fantasy". Wichtig ist vorab, dass dies keine qualitative Wertung der Gattungen ist - keines ist besser als das andere, sie sind nur unterschiedlich.

Nach der ersten Definition spielt "Low Fantasy" in unserer realen, empirischen Welt. Diese Definition ist sehr schwach und allenfalls ein Hilfsmerkmal bei der Zuordnung. Meist lässt sich dies besser in einer Mehrzahl von Subgenres unterteilen als in diesem Verlegenheitsbegriff. (z.B.: Historische Fantasy, Urban Fantasy, Phantastik im engeren Sinne...)

Eine zweite Definition zielt auf den Plot ab: "Low Fantasy" verzichtet auf weltumspannende Handlungen. Statt einer globalen Bedrohung steht das Problem weniger oder (meist) eines einzelnen im Mittelpunkt. Direkte Konfrontationen, Action und bildlich-konrete Szenen sind häufiger vertreten als in der "High Fantasy", die Welten sind oft rückständiger und barbarischer, egal ob sie eigenständig sind oder nicht. Meist sind diese Welten auch düstere als in der High Fantasy. Der Protagonist ist häufig kein glänzender Held und oft zwiespältig zu sehen. Die Konflikte sind "grau gegen grau" (ohne klaren moralisch Überlegenen) oder enger an der High Fantasy "grau gegen schwarz" (mit einem moralisch nicht wirklich tragbaren aber dem anderen überlegenen) Für die archaische Welt ist Conan das beste Beispiel; auch Elric von Melniboné passt in das Schema einer düsteren, zugrunde gehenden Welt.

Eine weitere Definition, die sich je nach Schreiber mit vorhergehenden vermischt, zielt auf das Gewicht, das magische und mythische Elemente haben. Während diese in der High Fantasy häufig vorkommen, Götter oftmals direkt oder über ihre Diener eingreifen (Wunder, Kleriker-"Zauber"), ist die Magie in der Low Fantasy eher mundan und praktisch angewandt. Hier findet man tendentiell keine Heere vernichtenden Feuerbälle, sondern Zauber, die die Wundheilung unterstützen - aber nicht sofort bewirken. Hier scheint "Low Magic" als zusätzliche Definition angemessener.

Eine Mischung quer durch High und Low Fantasy bietet z.B. "Game of Thrones" mit wenig Magie, einer weltumfassenden Handlung, einer eigenständigen Welt, und vielen Charakteren auf verschiedenen Seiten, die kaum jemals moralisch einwandfrei sind und individuelle Ziele verfolgen. Magie spielt hier kaum eine Rolle.

Ein Roman ist nicht "entweder oder" sondern bewegt sich auf einer Skala zwischen diesen beiden Extremen. Meistens kann man jedoch eine klare Tendenz zuordnen, wobei einzelne Elemente aus dieser Tendenz herausfallen können.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Genre-Info wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .

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