Ballade

Balladen sind "erzählende Lyrik"; sie sind also eine - deutliche erkennbare - Grenze zwischen zweien der drei großen Literaturkategorien: Epik und Lyrik. Die Dramatik im eigentlichen Sinn ist nur durch mögliche Dialoge eingeschlossen, wenngleich wir in unserem heutigen Sprachgebrauch auch von "dramatischen Geschehnissen" in jenen Erzählgedichten sprechen können. Als solche haben sie die Merkmale 1. eine Geschichte zu erzählen, im starken Gegensatz zu impressionistischer Lyrik also Handlung darzubieten; und 2. in meist gereimter (standardmäßig Endreim, manchmal auch Binnenreim) Form, mindestens aber gleichmäßig rhythmischer Forme dargeboten zu werden. Zur Länge kann man bemerken, dass sie länger sind als andere Lyrik (sie erzählen immerhin eine Geschichte), aber gleichzeitig (meist) deutlich kürzer als eine Kurzgeschichte. Doch damit genug von der Literaturwissenschaft.

Phantastische Balladen wurden durch alle Zeiten geschrieben. Sei es Bürgers "Lenore", in der zuletzt Geister tanzen oder Fontanes "Brücke am Thay", in der Hexen als Auslöser dienen - oder aber auch der "Erlkönig", welcher niemand anderes als der Elfenkönig ist, sowie (in Richtung Horror abgleitend,) Edgar Allan Poes "Der Rabe".

Sicher, meist wurden andere Dinge in diese Balladen hineininterpretiert und dies hat seine volle Berechtigung. Ebenso, wie man aus Fantasy auch Gesellschaftskritik und vieles mehr ableiten kann und darf. Es ist eher erstaunlich, dass dies nicht geschieht, denn die Idee, es zu versuchen.

Probleme macht die Rezension eines derart kurzen Textes: weil er eben sehr kurz ist und der Inhalt ebenfalls kurz dargestellt werden kann. Dies führt dazu, dass sich in Rezensionen zu Balladen wie auch anderer Lyrik (ja, ich rechne Balladen im Weiteren zur Lyrik) immer ein wenig mehr Interpretation und Kommentar findet als bei anderen Werken, ein wenig Anregung zur Sichtweise auf den Text. Meist nur andeutungsweise mit Verweis auf mehrere Deutungen, aber sicherlich vorhanden.

Ein weiteres "Problem" ist, dass Balladen eher selten einzeln verkauft werden. Wenn doch, dann geschieht dies in Luxusausgaben, die sich nur eingeschworene Liebhaber leisten. Dementsprechend gibt es oft nur die ISBN einer Gedichtsammlung.

Vorteil dieses Problems ist jedoch umgekehrt, dass man entweder viele Balladen in einem Buch hat (wenn dann mal ein neues lyrisches (Sammel-)Werk erscheint), wobei man hier wiederum sagen muss, dass viele Gedichte oft uninteressant sind und man also Dinge kauft, die man gar nicht haben will. Allerdings bringt die relative Kürze der Balladen den weiteren Vorteil, dass man viele einzelne gratis (und legal, da sehr alt) im Internet findet oder als Beigabe zum ein oder anderen Roman erhält. In der Tat wurden verschiedene Balladen in späteren Romanen verarbeitet oder waren von Anfang an Teil eines Romans.

Ich denke, Balladen sind es absolut wert, eine eigene Sektion zu bekommen, die ihnen hiermit eingeräumt ist. Aufgrund des Vorteils, dass sie oft kostenlos verfügbar sind, kann jeder ohne Bedenken hineinschnuppern - und so auch Gefallen finden an Autoren, die ihm eher ungewohnt sind: denn Balladen sind selten und "altmodisch".

Anmerkung: Das "lyrische Ich" wird in den Rezensionen auch als "Erzähler" bezeichnet, da mir dies für Balladen oft passender erscheint und die gängige Konvention sich hier auf einer Grenzlinie befindet, wie zuvor deutlich geworden sein sollte.

Ballade-Bücher

Ordnen nach:
Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Genre-Info wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .

Grimoires.de auf Facebook
Grimoires.de auf GooglePlus
Grimoires.de auf Twitter
Zum Seitenanfang