Romaunce

Eigentlich heißt dieses Genre "Romanze" und umfasst diverse Subgenres wie zum Beispiel die Artus-Romanze. Warum dann der ungewöhnliche Name? Aus Schutz vor Missverständnissen mit "Romantik" (in beiden Wortbedeutungen): es klingt doch ein wenig zu ähnlich.

Im Wesentlichen sind Romanzen (mittelalterliche) Rittergeschichten. Im Vergleich zur heutigen Literatur sind diese Geschichten oft sehr einfach: Eine Queste, gut gegen böse und der Held begegnet Gegnern, Gefahren und Prüfungen, die er nacheinander mehr oder weniger geschickt besteht (und die genauso genommen oft sinnlos sind und ebenso oft nichts mit der eigentlichen Queste zu tun haben). Ist er siegreich, beweist er seine Tugenden und seine Fähigkeit für den Endkampf. Fehlt er, so wird ihm offenbar, dass er noch an sich arbeiten muss - was er entweder durch weitere Abenteuer vor dem Endkampf tut oder im Nachklang der Geschichte. Am Ende steht er in beiden Fällen als besserer Mensch und Sieger da.

Romanzen stammen meist aus dem Mittelalter und können zumeist allegorisch oder zumindest moralisch gedeutet werden. Eine der bedeutendsten Romanzen ist wohl "Sir Gawain and the Green Knight" (angelsächsischer Raum), im deutschen Raum Wolfram von Eschenbachs ?Parseval? (Parzival). Weitaus bekannter sind jedoch andere Artusromanzen, die Geschichten und Erlebnisse der Ritter der Tafelrunde. Deutlicher als in heutigen Geschichten tritt in Romanzen der indirekte Fortschritt hervor: Wer sich oft fragte, weshalb James Bond erst alle Untergebenen der Schurken ausschaltet oder weshalb Oberschurke Y seine todbringende Waffe nur selten und nicht so oft wie möglich einsetzt, der findet hier eine Antwort. Sie ist nicht logisch, nein, aber literarisch: Der Held wird wieder und wieder geprüft bis er sich würdig erweist, auch dem größte Übel entgegen zu treten - und dieses besiegt er logischerweise, im Gegensatz zu jenen, die schon an den Vor-Prüfungen scheiterten oder sie ausließen.

Unter Rittergeschichten könnte man auch viele weitere Bücher einordnen, die hier jedoch unter Fantasy fallen. Der Grund ist einfach: Sie unterscheiden sich wesentlich in der Struktur und bieten mehr Erklärung als hier. Es wird auf die Emotionen, Gedanken und Persönlichkeit nicht nur des Helden sondern auch der Gegner eingegangen und dergleichen mehr. Dies alles fehlt in klassischen Romanzen; sie sind generell sehr polarisierend (meistens zumindest), beschränken sich in Sachen Handlung wie die Kurzgeschichte aufs Nötigste, holen aber an anderer Stelle ausführlich zu Allegorien und Beschreibungen aus, die in heutigen Romanen unpassend erscheinen. (Bsp.: In ?Sir Gawain?? wird ein Schild mehrere Seiten lang beschrieben, ähnlich andere Waffen)

Basisregel: Romanze ? eher mittelalterlich, moralisch, ?simpler? Plot mit Allegorie; Fantasy ? modernere Form in allen möglichen Ausprägungen.

Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Genre-Info wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .

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