Nächtliche Begegnung

Kurz&Knapp (?)

Kurzgeschichten

Autor: ; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ;
Verlag: Heyne
Genre: Phantastik
ISBN-10: 3-453-86488-3
ISBN-13: 978-3-453-86488-7
Erschienen: 04/2003
Seitenzahl: 317
Kaufpreis: 6,95 EUR (Softcover)
Rezensent:

Bewertung: 7/10 Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut (Gut)
Besucherwertung:9/10Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut(1 Stimmen)
Kombinierte Wertung:7.33/10Wertung: 3/5 Grimoires; 7.33/10 Punkte, Gut 
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Beschreibung und Rezension:

Buch-Cover, Monika Felten: Nächtliche BegegnungDa dies eine Kurzgeschichtensammlung ist, werde ich wieder einmal vom gewohnten Schema Inhalt-Kritik abweichen und die Geschichten nacheinander durchgehen, jeweils mit (zwangsweise) kurzem Kommentar.

Das Zweite Gesicht von Wolfgang Hohlbein:

Diese Geschichte war schon zuvor als „ebook“ erhältlich. Sie handelt von einem Schwerkranken, dem Krebs wegoperiert werden und fremde Augen eingesetzt werden sollen, da seine unrettbar verloren sind. Das Ganze sieht dann im wahrsten Sinne des Wortes anders aus, als erwartet. Fantasy? Nö, Science Fiction, lieber Herr Hohlbein, aber bei ihren Fantasy Selections ist man es ja inzwischen nicht anders gewöhnt. Keine Glanzleistung, aber recht solide und vor allem spannend (7).

Königin der Spinnen von Heike Knopp:

Wie würden sie sich fühlen, wenn in allen Städten, in denen Sie sich längere Zeit aufhalten, plötzlich mystische Wesen auftauchen? Wenn es Kobolde sind, die ihnen Töpfe voll Gold geben, finden sie es vermutlich toll. Der Protagonistin dieser Geschichte ist nicht solches Glück beschieden; bei ihr tauchen die bösen Kreaturen auf, wie in dieser Stadt riesige Spinnen, die nach und nach immer mehr Bewohner umbringen. Was wollen diese Kreaturen nur? In Anbetracht der Tatsache, dass die Protagonistin die Kreaturen anzieht ein teilweise vorhersehbares Ende (7)

Stürmische Zeiten von Bernhard Hennen:

Meine Lieblingsgeschichte. Ein junger Archäologiestudent zerbricht eine alte griechische Vase und setzt eine Windsbraut frei, in die er sich verliebt. Wegen eines alten Bannes gibt es jedoch einige Probleme, zumal ihr Kuss einen Menschen tötet... Bis auf einige halbe Logikfehler durch ungeschickte Ausdrucksweise, die sich erst mehrere Seiten später aufklären (Der Student war NICHT der erste, der den Namen der Windsbraut sagte, aber der erste unter den nötigen Umständen) in sich geschlossen und mit nettem Ende zum Schmunzeln. (9)

Regulierung und Liquidation:

Beeindruckt von der Generosität eines Gastes erkundigt sich ein Student nach dessen Beruf und erfährt, dass er im Bereich der Schuldeneintreibung tätig ist. Zwar hat auch der Student Schulden, aber ist er zum Glück nicht das Ziel des Regulators. Statt dessen kommt er mehr und mehr in Versuchung, den Regulater Lutz I. Fernandes um sein mitgeführtes Kapital zu erleichtern. Absehbar aber gut geschrieben (7)

Das Teufelsmal von Monika Felten:

Nachdem sie informiert wurde, dass ihre Schwester im Krankenhaus liegt, eilt Tatjana so schnell wie möglich dorthin. Auf der Landstraße kommt es jedoch zu einem Unfall und plötzlich findet sich Tatjana in der Welt ihrer Doktorarbeit und des Romans, den sie gerade las, wieder: Als Hexe Elisa in den Händen der Inquisition. Negativ fiel mir die in kurzer Zeit wiederholte Verwendung „dachte sie“ auf, die Geschichte ist „quasi-spannend“, das Ende jedoch nur allzu absehbar und die logischen Verknüpfungen können von erfahreneren Lesern auch sehr leicht gezogen werden – stimmig ist es, aber so sehr vorhersehbar das sich die Spannung selbst ausschaltet... (3)

Nächtliche Begegnung von Frank Rehfeld:

Die Titelstory... wer zu lesen beginnt, und sich einigermaßen auskennt, bei dem klickt es. Stoker, Bram Stoker + Vampir... da war doch was? Ahja, Dracula. Nein, dies ist keine Geschichte über den Vampirgrafen sondern über Bram Stoker selbst. Der Autor findet sich plötzlich von einer Lady in weiß verfolgt und heuert einen Detektiv an, um sich zu schützen. Allzusehr erinnert ihr Aussehen und Verhalten Bram an die Legenden und Sagen von Vampiren... (7)

Corporate Identity von Thomas Görden:

Einem Buchhalter wird das Angebot gemacht, mit einer Androidin zusammenzuleben, die sich nicht von einem Menschen unterscheidet. Mehr und mehr zweifelt der Betroffene daran, dass sie wirklich eine Androidin ist. Eines Tages belauscht er, wie sie über ihn ausgefragt wird... Schlampige Arbeit in Sachen „was-ist-was“. Eine Androidin ist kein Mensch aus einer Retorte. Der Begriff „Retortencyborg“ käme der Wahrheit hier wesentlich näher. Dennoch verliert sich das Interesse an der Geschichte nicht; auf allzu weite Umschweife wurde verzichtet. Das Ende ist...mir absolut unverständlich. (6)

Stille Partner von Timothy Stahl:

Basil ist berufsmäßiger Exorcist – oder etwas in der Art. Diesmal hat er es mit einem besonders üblen Fall zu tun... Mehr ist diese 6-seiten Geschichte nicht an Erklärung wert. Der Stil ist gut, jedoch macht die Überschrift eigentlich alles kaputt, wenn man nachdenkt. Ich wusste den Ausgang vor der ersten Zeile... Zumindest das hätte man verbiegen können. Im Text finden sich auch weitere Andeutungen auf diesen „Ausgang“. (2)

Herz in Bernstein von Manfred Weinland:

Eines Tages wird einem jungen Antiquitätenhändler ein menschliches Herz angeboten, in Bernstein für die Ewigkeit erhalten. Der Verkäufer betont, es sei das Herz des Messias, Jesus Christus‘ aus Nazareth. Zudem ist mit dem Herz ein Fluch verbunden. Zusammen mit einer Schachtel verhilft das Herz dem Besitzer zu Reichtum und Macht, aber es gibt da diesen Fluch... Nach anfänglichen Bedenken nimmt der Antiquitätenhändler an und bald stellt sich der verheißene Reichtum ein. Nur was ist in der Schachtel, die zu öffnen er gewarnt wurde und was ist das für ein Fluch...?

Wirklich gute Geschichte, aber ab einem gewissen Zeitpunkt, der aber sehr zu Ende ist, konnte ich mir denken, was wirklich Sache ist. Nichts uralt-bekanntes, guter Stil (8-9).

Bittere Wahrheit von Thomas Finn:

Ein kleiner, dicklicher Student stößt eines Tages im ägyptischen Museum auf eine interessante Entdeckung: In der Mumie eines Zauberers, die ihn geradezu magisch anzieht, entdeckt er einen Metallzylinder. Um so interessanter wirkt das Ganze, als er feststellt, dass es eine Formel ist, die Lebenden zu den Toten zu befördern. Endlich ist die Zeit gekommen, da er sich an denen rächen kann, die ihn immer Versager nannten!

Hier wird nicht zu viel verraten; durch den wie eine Erklärung anmutenden Stil der Hauptperson ist die Geschichte sehr nah beim Leser. (7-8)

Engel lügen nicht von Rebecca Hohlbein:

In der ehemaligen Priesterschule geht es schlimm zu. Schüler verspotten einander, trinken und drehen ihre Kreuze bewusst falsch herum. Da erscheint Markus ein Engel, der ihn auffordert, dagegen vorzugehen. Zwar ist das, was er vorschlägt ein wenig ungewöhnlich, aber... Engel lügen doch nicht!

Das Ende ist vorhersehbar, ansonsten eine recht solide wenn auch nicht überragende Geschichte, deutlich besser als die Monsterkinder der letzten „Selection“ (7).

Agelstern von James Sullivan:

Gregor hat wie so viele andere an einem Dechiffrier-Wettbewerb teilgenommen. Als er zum Veranstalter gerufen wird ist er verständlicherweise enttäuscht, dass er nicht gewonnen hat. Die Enttäuschung wird schnell zu Wut, als er erfährt, dass er nicht nur den Code geknackt hat sondern sogar noch einen zweiten, darunter liegenden - als einziger und erster seit 40 Jahren. Agelstern, der Veranstalter, macht Gregor jedoch das Angebot, seiner Gruppe von Anhängern phantastischer Literatur beizutreten – das Dechiffrieren war nur die erste Prüfung. Bald schon findet sich Gregor in einem Umfeld wieder, dessen Existenz er sich nicht erträumt hätte.

Zu dieser Gruppe möchte ich auch gerne, bitte! Hier wird zur Abwechslung einmal nicht mit Horror herumgespielt um Spannung zu erzeugen, höchstens mit der Möglichkeit von Gefahr. Die Vorstellung der Existenz des Beschriebenen ist m.E. äußerst reizvoll. Eine schöne Geschichte von der ich mir eine Fortsetzung wünsche – als Prolog zu einem Zyklus würde sie sich nicht schlecht machen! (8).

Die teuflische Dreifaltigkeit von Uschi Winkler.

Nach dem Tod einer Nachbarin ist diese anscheinend noch nicht ganz verschwunden. Sie taucht in den Träumen ihrer Freundin Laura auf um sie vor etwas zu warnen. Eine Sekte Namens „Die teuflische Dreifaltigkeit“ scheint eine entscheidende Rolle zu spielen, aber was hat Laura damit zu tun?

Die alte Geschichte von der Rache über den Tod... Nach ~5 Seiten kannte ich das Ende, wegen absoluter Ausnutzung von Klischees und der wortwörtlichen Lösung... Allzu offensichtlich. Zudem Logikfehler, wie sich bewegende AugenLIDER im Schlaf – klar, ich öffne die auch immer...; Erklärungen für den Leser stören und Ausdrücke wie „Herzschmerzen“ und „Mann in Träumen“ sind zutiefst doppeldeutig. (2).

Im Schatten der Sonne von Wolfgang Hohlbein und anderen:

Die Menschheit leidet unter einer neuen Krankheit (nichts Neues also...). Plötzlich beginnt man, unwahrscheinlich schnell zu altern. Dimitri und 3 andere haben eine Möglichkeit entdeckt, wie sie sich vielleicht heilen können: Sie müssen die Schwelle in eine Parallelwelt überschreiten. Dort angekommen finden sie die Ursache für die Krankheit...

Ganz super. Eine Prophezeiung, 3 Auserwählte sollen die Welten retten, 4 kommen, einer wird gleich entführt. Warum nur kommt da keine echte Spannung auf? Nicht zuletzt wegen der schlichten Linearität der Geschichte. In den Zeiten wird auch gesprungen, so dass einmal schon etwas getan wurde und danach noch zu tun ist. Warum man jemanden, der eigentlich von einem selbst abhängt, Glück wünscht, ist mir auch unbegreiflich. Eventuell liegt die fehlende Spannung auch daran, dass dies eine Geschichte mehrerer Autoren ist. Meine Erfahrung zeigte, dass sich die Schreiber dabei allzu oft gegenseitig behindern und ein riesiges Tohuwabohu entsteht. Diese Geschichte ist einfach nicht interessant, so wie sie zusammengestaucht wurde: Ankunft, Mission, Erfolg ohne Probleme. Genial... (2).

Fazit: Im Gegensatz zu den vorherigen „Selections“ eine Steigerung. 4 uralte oder einfach langweilige/schlechte Geschichten, 3 richtig gute und der Rest im „positiven Bereich“. Hier können Fans von Kurzgeschichten einmal zugreifen. Der Schnitt von 6 5/14 Punkten wurde hier aufgerundet.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am 24.04.2003 und zuletzt geändert am 24.04.2003.


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