Die Tore zu Anubis Reich

Kurz&Knapp (?)

Kultklassiker
Interessante Feinde / Hürden
Neue Ideen
Durchgehender Spannungsbogen
Kismet


Autor:
Originaltitel: The Anubis Gates [AME]
Übersetzer: Walter Brumm
Verlag: Heyne
Genre: Historische Fantasy
ISBN-10: 3-453-87070-0
ISBN-13: 978-3-453-87070-3
Erschienen: 02/2004 [1983]
Seitenzahl: 573
Kaufpreis: 9,00 EUR (Softcover)
Rezensent:

Bewertung: 10/10 Wertung: 5/5 Grimoires; 10/10 Punkte, Ausgezeichnet (Ausgezeichnet)
Besucherwertung:8.9/10Wertung: 4/5 Grimoires; 8.9/10 Punkte, Gut bis sehr gut(10 Stimmen)
Kombinierte Wertung:9.27/10Wertung: 5/5 Grimoires; 9.27/10 Punkte, Sehr gut 
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Beschreibung und Rezension:

Buch-Cover, Tim Powers: Die Tore zu Anubis ReichEines Tages bekommt Brendan Doyle ein ungewöhnliches Angebot: Er soll mit einer Gruppe von Historikern durch einen Spalt nach 1810 zurückreisen um einen Vortrag des Dichters Samuel Taylor Coleridge zu hören. Nach anfänglicher Skepsis stimmt Doyle zu - was kann schon passieren ausser dass es sich als Unsinn herausstellt?

Unsinn ist es keineswegs und auch der Dichter ist im neunzehnten Jahrhundert anwesend, wie es die Geschichtsschreibung berichtet. Jedoch wurde die Ankunft der Gruppe beobachtet und Doyle wird nieder geschlagen bevor er sich zum schließenden Zeitspalt zurückbegeben kann: ein Zigeuner, der weit mehr von Magie versteht, als man es annehmen kann, hat es auf Doyle abgesehen und will wissen, woher die Reisenden stammen.

Glücklicherweise kann Doyle entkommen doch schon bald findet er sich in einem verzwickten Netz aus rivalisierenden Bettlergilden, altägyptischer Magie, einem Körpertauschenden Werwolf und temporalen Paradoxa wieder. Doyle setzt seine Hoffnung in den Autor William Ashbless, dessen Leben weitestgehend im Dunkeln liegt. Doch der Autor scheint verschwunden zu sein und ausserdem scheinen es noch mehr Leute auf Doyles Leben abgesehen zu haben, als er dachte...

Das Buch erhält 10 von 10 Punkten.

Die Tore zu Anubis Reich ist ein Werk, dem ich den Titel als Klassiker der Fantasy wirklich gönne. In genialer Art verbindet Powers Elemente, die zunächst unbedeutend scheinen mit weit mehr. So haben die Stelzen eines Clowns viel größere Bedeutung, als man zuerst erkennen oder annehmen kann. Ebenso wird vieles erst im Nachhinein offenbar. Es gibt kaum ein Element, das im Laufe der Handlung nicht zusätzliche, andere Bedeutung erlangt und einfach offen gelassen wird. Selbst das Ende des Buches ist eine konsequente Fortsetzung eines zuvor begonnenen Handlungsfaden. Kurzum: Die Geschichte ist in sich geschlossen.

Was gar nicht so einfach ist, denn wie aus der Beschreibung ersichtlich, spielt Powers mit der Zeit herum, einem „Element“, das wie kein anderes anfällig ist für Paradoxa. Diese vermeidet Powers, indem er die Methode der „unabänderlichen“ oder „selbstheilenden“ Geschichte wählt: Die zeitreisenden Charaktere waren schon immer in dieser Zeit. Somit konnte alles nur geschehen, wie in den Aufzeichnungen. Das heißt also auch, dass so etwas wie "Schicksal" existiert. Wer jedoch meint, die Spannung dadurch verloren geht, der hat sich getäuscht.

Zwar ist Doyle ein Experte für diese Zeit und den Personenkreis, in dem er sich bewegt, doch muss er feststellen, dass die Aufzeichnungen sehr lückenhaft sind und zudem weitaus rationaler als das, was wirklich geschah. In den aufgezeichneten Dingen hat er - wie er erst spät erkennt - zwar keine echte Wahl aber dazwischen gibt es einiges an (unliebsamen) Überraschungen. Zusätzliches Durcheinander schafft natürlich die Magie, denn historische Dokumente können auch nur das festhalten, was wahrgenommen wird - und nicht zwangsweise das, was wirklich geschehen ist – spätestens bei Doppelgängern ist Konfusion vorprogrammiert.

Der historische Hintergrund der Tore beschränkt sich auf einige ausgewählte Ereignisse, ist aber deutlich zu erkennen und bis zu gewissen Grenzen nachweisbar.

Die Charaktere selbst sind exzellent dargestellt. Powers verfällt nicht in elend lange Beschreibungen sondern charakterisiert die Protagonisten eindeutig durch ungewöhnliche Kleinigkeiten. So besitzt ein Zigeuner einen kleinen Holzaffen, dem er die Ohren zuhält, damit er nichts von der Bösen Magie mitbekommt, dem er alles Sehenswerte zeigt, um Rat fragt und ständig bei sich trägt. Zudem murmelt er ständig „Knoblauch“ um sich vor dem Teufel zu schützen. Im gesamten Roman erzählt Powers kaum mehr über diesen Charakter - man kann sich aus dem wenigen bereits selbst ein Bild zeichnen, das nach einigen Geschehnissen nicht einmal allzu naiv oder monoton ist. Auch (bisweilen sehr schwarzer) Humor kommt nicht zu kurz.

Lediglich wenige Stellen ließen mich grübeln: Wenn jemand plötzlich in einem anderen Körper ist, der im Fechten trainiert ist, warum kann er dann sofort fechten? Die körperlichen Voraussetzungen sind vorhanden, doch fehlt nicht das nötige Wissen? Ebenso seltsam erscheint das Niederschreiben eines völlig sinnfreien Textes, den man einige Minuten zuvor in der Zukunft gelesen hat - nur damit man ihn liest oder gelesen gehabt haben kann. Man mag dies allerdings auf die Notwendigkeit schieben, da es durch das Schicksal bedingt geschehen MUSS.

Diese Punkte bleiben aber Kleinigkeiten und für das Cover, das nur scheinbar und nur auf den ersten Blick passend wirkt, kann der Autor nichts. Das Geniale an den Toren ist die Verknüpfung unzähliger Plots, hinter denen immer mehr steckt als auf den ersten Blick. Es ist ein vollkommen abgeschlossenes Ganzes, das ich jedem uneingeschränkt empfehle. Ich habe es verschlungen, wie kaum ein anderes Buch. Wer es noch nicht besitzt: Zugreifen!

Diese Rezension wurde veröffentlicht am 08.02.2004 und zuletzt geändert am 08.02.2004.


Zitat(e) aus dem Buch:
  • Kes kusekher ser sat, tuk kemhu a pet...Deine Gebeine werden auf die Erde fallen, und du wirst den Himmel nicht sehen...
  • Ein breiter Strom fließt, düster anzuschaun, Vom Abendrot zum ersten Morgengraun[...]
  • Hörst du das, Affe? Der Kerl will uns in Pferdemist verwandeln. Die meisten dieser magischen chals versuchen, Dinge in Gold zu verwandeln, aber der alte Schnaufer ist bescheiden.
  • Die Dunkelheit erstarrt wie dicker Schlamm, und wir wollen fort, bevor sie so fest wird wie die Steine...

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