Goblins - Life through Their Eyes

Kurz&Knapp (?)

Verarbeitung bekannter Grundlage
Nicht eindeutiges gut/böse Schema

Autor:
Illustrator: Tarol Hunt
Originaltitel: Goblins - Life through Their Eyes [AME]
Übersetzer:
Verlag: Internet
Genre: Webcomic
ISBN-13: N/A
Erschienen: 2005ff. [2005]
Seitenzahl: 0
Kaufpreis: 0,00 EUR (Digitaler Text / eBook)
Rezensent:

Bewertung: 9/10 Wertung: 5/5 Grimoires; 9/10 Punkte, Sehr gut (Sehr gut)
Besucherwertung:7/10Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut(1 Stimmen)
Kombinierte Wertung:8.67/10Wertung: 4/5 Grimoires; 8.67/10 Punkte, Gut bis sehr gut 
Besucherwertungen Kommentieren Kommentare ansehen

Beschreibung und Rezension:

Buch-Cover, Tarol Hunt: Goblins - Life through Their EyesJeder kennt Goblins. Sie sind die bösen Wesen, die regelmäßig von den Helden in glorreichem Kampfe besiegt werden, sowohl in Fantasy-Romanen als auch im Rollenspiel. Na gut, was heißt hier glorreich... genau genommen sind Goblins das Kanonenfutter für Helden niedriger Stufe, noch unter Orks und von recht primitiver Intelligenz. Auch im Roman werden sie höchstens durch Masse gefährlich oder wenn man nicht entdeckt werden will - schlimmstenfalls sind sie noch ein lästiger Dieb, aber wann hat je ein Goblin eine Mission ernsthaft gefährdet?

Den Goblins aus dem gleichnamigen Comic ("Goblins - Life through Their Eyes" - das Leben durch Ihre Augen, mit vollem Titel) geht es ähnlich: Immer wieder ziehen die männlichen Goblins in ein War Camp - samt schlecht bewachter Schatztruhe - um die Ankunft von weiteren Helden zu erwarten, die sie aller Voraussicht nach schlagen und töten werden um nicht nur die Schatztruhe zu bekommen sondern auch Erfahrungspunkte. "Complains about names/Beschwert sich über Namen" (nach alter Goblin-Tradition und sehr treffend benannt) hat genug davon; Doch der Anführer der Goblins ist unerbittlich: die Truhe und die Waffen darin werden nicht angerührt; so ist es Tradition.

Nach heißem Gefecht setzt Complains sich dennoch über das Verbot hinweg: er öffnet die Truhe und nutzt die Waffen, die für die Helden gedacht sind. Das bedeutet, dass er niemals wieder zu seinem Dorf zurückkehren darf... Bald kommt den überlebenden Goblins eine Idee: sie selbst werden Abenteurer, sammeln Erfahrung und können somit (hoffentlich) die anderen Goblins ernsthaft beschützen.

Der Webcomic erhält 9 von 10 Punkten.

Aus obiger Zusammenfassung der ersten Comics mag man schließen, dass er eine humoristische Persiflage ist. Dies ist für die ersten Comics absolut richtig und Humor taucht auch immer wieder auf. Spätestens mit dem Auszug der Goblins aus ihrem War Camp nimmt die Handlung jedoch ernsthaftere, sogar epische Züge an. Die Goblins sehen sich bald einem Waldläufer gegenüber, der sich selbst als Goblinschlächter bezeichnet und die Ausrottung eben jener Wesen im Sinn hat. In der folgenden, langen Auseinandersetzung ist für den Leser und die Goblins sehr schnell klar, wer wirklich "böse" ist. Die typische schwarz-weiß Sicht der Fantasy – entweder ist man gut oder böse und dies hängt meist schlicht von der Rasse ab – wird somit kritisiert, zunächst humoristisch aber in der Folge auch ernsthaft. Die Moral hier ist klar: böse ist man nur weil jemand einen so bezeichnet - und das ist eine subjektive Wertung, die objektiv ganz anders aussehen mag; und selbst die, die man als böse ansieht mögen ehrenwerte Motive und Moral haben.

Neben diesem ernsten Strang gibt es auch amüsante Episoden. Um dies zu erreichen, folgt ie Handlung nicht nur der zentralen Goblin-Gruppe sondern auch einigen anderen. Die Handlung um "Dies Horribly/Stirbt auf grausame Art" (ja, ebenfalls ein traditioneller Goblin-Name) lässt ihn auf einige Helden treffen - Helden einer Spieler-Gruppe, die gerade ein Rollenspiel durchführen und dabei von einem Klischee zum nächsten stolpern, Helden nicht auseinander halten und dergleichen mehr. Doch auch diese Handlung nimmt zusehends ernste Züge an, denn "Dies" trifft auf einen ganz besonderen Goblin. Dies spiegelt die Entwicklung des Comics insgesamt wieder, der sich von fast reiner Persiflage mit "Bösen als Guten Helden" zu einer episch wirkenden Erzählung wandelt.

Losgelöst von dieser Handlung und für sich alleinstehend sind die Abenteuer von "Tempts Fate/Fordert das Schicksal heraus". Wie man sich denken kann ist auch hier der Name Programm: Tempts ist ein Solo-Abenteurer der sich in jeder Episode einem neuen Gefahren gegenüber sieht – zumeist einem Dungeon Crawl mit verschiedenen Fallen und Rätseln, die der Dungeon Master in letzter Minute zusammengewürfelt hat. Das Besondere: Ob Tempts überlebt, ob er erfolgreich ist oder die Flucht ergreifen muss, ob er die Fallen überwindet und eventuell einen Schatz findet oder nicht wird von den Leser entschieden – mittels Spenden. Der Autor setzt verschiedene Zielbeträge bis zu einem bestimmten Datum, die nötig sind, damit Tempts die Fallen überwindet. Das Konzept zur Finanzierung des Comics ist unaufdringlich - niemand muss zahlen - und scheint erfolgreich: bislang konnte Tempts noch alle Herausforderungen meistern. Die Fallen und Monster, die er begegnet sind im Übrigen selten ernsthaft und parodieren die vielfach anzufindenden, Standard-Probleme für Rollenspieler-Gruppen.

Zusammenfassen lässt sich Goblins als ein ernsthaft gewordener Comic, der sich immer wieder auf seine humoristischen Anfänge besinnt. Die Grafik des Comics wechselte zu Beginn recht schnell von schwarz-weiss auf durchgehend farbig und blieb dabei. Der Autor und Zeichner nahm diesen Comic auch als Gelegenheit, seinen eigenen Zeichenstil zu erweitern. Der inzwischen lang genutzte Stil kommt allen entgegen, denen skizzenartige Comics oder gar Strichmännchen-Comics schlicht zu "primitiv" sind. Trotz der Farbe sind die Zeichnungen des Comics jedoch funktional: überhöhter Symbolismus ist abwesend und auch Details sind nur bis zu einem gewissen Grad vorhanden: Mauern bekommen zwar Ziegel aber sind verhältnismäßig gerade; Figuren bekommen eigene Züge aber diese sind relativ "sauber". Goblins folgt hier keinem realistischen Stil sondern einem typischen Comic-Look, der zu großen Teilen auf scharfe Kanten und Kontraste verzichtet und somit leicht rundlich wirkt.

Goblins ist mit einer Warnung versehen: Der Webcomic beinhaltet Blut und Gewalt und ist somit für jüngere Leser nicht geeignet. Diese Warnung gründet sich zu einem guten Teil wohl auf die amerikanische Einstellung gegenüber diesen Darstellungen. Ja, sie kommen vor und "jüngere" Leser sollten vielleicht besser andere Comics lesen. Die Frage ist hier natürlich, von welchem Alter die Rede ist. Typischerweise finden Teenager zu Rollenspielen und über diese wird auch der Einstieg in den Goblins-Comic gemacht; für diese Altersgruppe ist vermutlich keine allzu große Gefahr gegeben, zieht man Vergleiche mit Gewaltdarstellungen in anderen Medien.

Goblins ist derzeit (Februar 2010) in 4 Bücher unterteilt, die auch als Druck erschienen sind. Der Webcomic erhält eher unregelmäßige Updates – ein grober Rhythmus ist ein neuer Comic in zwei Wochen. Dies spannt den Leser einigermaßen auf die Folter; ich empfehle, nicht allzu oft nach Updates zu schauen und dann mehrere am Stück zu genießen.

http://goblinscomic.com/

Diese Rezension wurde veröffentlicht am 10.02.2010 und zuletzt geändert am 10.02.2010.


Es gibt eine oder mehrere Leseprobe(n) zu diesem Buch:
Goblins - Direkt zum Comic (extern)

Hat Dir diese Rezension geholfen/gefallen?   
Diese Rezension bewerteten 2 positiv und 0 negativ. (1956 Leser bisher.)
Newsletter bestellen

Weitere Bücher
von
Tarol Hunt


Goblins - Life through Their Eyes