Die Sache mit den Titelbildern

          
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Klar: Drachen machen sich auf Titelbildern gut. Das große Auge eines Drachens, das den Leser beobachtet auch – selbst wenn es nicht den Feuerrand des Dunklen Herrn Sauron besitzt. Trends nutzt man eben aus. Und eine leere Straße oder ein Wald ist ja geradezu ordinär. Die Helden abbilden? Eine Szene aus dem Buch? Ach was - das Cover muss doch nichts mit dem Buch zu tun haben!

Das Titelbild eines Buches richtig zu gestalten, ist zweifelsohne eine Kunst. Es muss ästhetisch gut aussehen; es muss die Zielgruppe ansprechen. Und soweit es mich betrifft, sollte es auch eine Idee vom Inhalt geben - ohne zu spoilern. Einige Cover-Künstler scheinen das jedoch anders zu sehen - oder derjenige, der die Auswahl trifft. Nun ist es ja nicht so, dass Titel grundsätzlich mehr aussagen. Ein gewisser Wolfgang Hohlbein betitelte Anthologien ohne viel Fantasy-Inhalt durchaus schon mit Fantasy - aber das ist eine andere Geschichte. Auch ist es völlig egal, ob das Titelbild aus Fotomontage, Comiczeichnung, Ölbild, Digitalcover oder etwas Zusammengesetztem besteht - reinen Text vielleicht mal ausgenommen. Mir fällt immer wieder auf, dass manches Titelbild nicht so zum Roman recht passt.

Cover ohne Inhaltsbezug

Cover: Das Daimonicon (Markus Tillmanns)Das heißt nicht einmal, dass das Bild grundsätzlich schlecht ist. Es passt nur nicht zum Buch .Nehmen wir einfach mal Das Daimonicon. Das Titelbild zeigt ein riesiges Drachenauge und eine junge Frau mit Schwert und Taschendrachen. OK, es kommt also wohl eine Kriegerin vor, die einen kleinen Drachen als Haustier hat und auch ein echter Drache. Ja? Nein! Weder großer noch kleiner Drache noch Dame mit Schwert und Lederkluft kommen vor.

Cover: Die Schwärze der Nacht (Baroli / Weinzheimer)Oder Die Schwärze der Nacht: Wer soll der Kerl mit der Armbrust sein? Der einzige Träger dieser Waffe besaß eine Miniaturarmbrust und diese ist ganz sicher keine Miniatur. Was das feurig-düstere Schwirren soll? Bitte nicht mich fragen; ich habe keine Ahnung. Es wirkt natürlich magisch oder dämonisch. Passt zu Schwärze und Nacht ... aber absolut nicht zum Roman.

Cover: Der geheime Pfad (Alexander A. Huiskes)Drittens: Der geheime Pfad. Hier kann ich immerhin eine Person aus dem Inhalt wiedererkennen. Zwar habe ich sie mir anders vorgestellt, aber ok: sie ist erkennbar. Der Rest? Nein. Der Krieger kam so nicht vor, trug Metallrüstungen. Und was soll der Wüstensand? Der Roman spielt nicht einmal in der Nähe einer Wüste, sondern im Mittelreich.

Das waren drei DSA-Romane. Zufall? Eher nicht - aber auch nicht auf diese Reihe beschränkt.

Was ist das Problem mit unpassenden Covern?

Cover sind ein Verkaufsinstrument, der Hingucker. Bisweilen halten verantwortliche es sogar genauso wichtig wie den Inhalt - oder den Titel. In gewissem Maß stimme ich zu: Was sieht man als erstes vom Buch? Genau, das Cover. Den Titel nimmt man auch wahr. Bei Mundpropaganda gewinnt er mehr Gewicht, meist begleitet von kurzen Hinweisen zum Inhalt. Der Rückentext ist da schon der zweite Schritt, denn überhaupt muss der Leser zunächst zum Buch greifen.

Dazu muss eben auch das Cover verführen und das ist wohl Teil der Bredouille. Denn was erhofft sich ein Verlag davon, "falsche" Titelbilder zu benutzen? Es ist kaum vorstellbar, dass der Kunde bewusst getäuscht werden soll. Titel, Cover, Rückentext schaffen eine Erwartungshaltung. Natürlich hat der Leser das Buch dann bereits gekauft, aber gerade in der Fantasy gibt es viele Vielleser und die sollen doch weitere Bücher kaufen!

Bei der DSA-Reihe kommt zudem hinzu: Diese Serie lebt von den Rollenspielern. Ich bezweifle, dass viele hier in erster Linie wegen des Titelbilds zugreifen. Eher greifen sie nicht zu, wenn es unaventurisch wirkt.

Alternative: Generische Cover

Coverdesign liegt wie der Geschmack im steten Wandel. Mit dem Aufkommen des Self-Publishing und zahlreicher Kleinverlage spielen hier auch andere Erwägungen eine größere Rolle. Ein Top-Verlag kann einen Künstler speziell beauftragen; ein Kleinverlag muss unter Umständen auf bereitgestellte Bilder, Stockfotos oder gemeinfreie Bilder zurückgreifen. Das schränkt durchaus ein.

Cover: Der Krieg der Zwerge (Markus Heitz)Andererseits muss ein Titelbild gar nicht das Nonplusultra sein. Gerade wenn alles quietschebunt ist, wirken einfache Titelbilder stärker. Das wird oft erst genutzt, wenn es an eine Serie geht: Hier rücken gleichbleibende Elemente in den Vordergrund, um die Zusammengehörigkeit für das Stammpublikum in den Vordergrund zu rücken. Man nehme nur Markus Heitz' Zwerge-Reihe: Sie alle zeigen eine Axt in verschiedenen Farbtönungen. Passt perfekt.

Zugegeben: Das ist ein wenig generisch. Mich stört das nicht, sofern es dann wirklich zum Buch passt. Selbst das reine Schriftdesign der Vergessenen Schriften spricht mich an. Zugegeben bin ich auch mehr Wort- als Bildmensch.

Cover: Das Zerbrochene Schwert (Poul Anderson)Aber viele Beispiele zeigen, dass es geht: Die Neuauflage des Zerbrochenen Schwerts zeigt ein einfaches Wikingerschiff mit rotem Hintergrund. Ein Schwert ist nicht zu sehen aber das passt und signalisiert sofort: Hier geht es um Wikinger. Das ist mehr als ein Schwert aussagen würde. Wikinger-Fans werden sicher den Klappentext lesen und bei Gefallen zu Geldbörse greifen.

Aber wie enttäuscht wäre der gleiche Leser, wenn weder Wikinger noch Schiffe vorkommen und das Ganze zum Beispiel an der römischen Küste spielt? Mein Wunsch an Verlage, Lektoren, Druckereien, Künstler und wer auch immer am Titelbild mitwirkt: Macht doch bitte passende Cover! Von Geflunker hat niemand etwas.

Avatar von nico Artikel von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 02.08.2003 und zuletzt geändert am .

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