ISBN - Internationale Standard Buch-Nummer

          
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"Die ISBN ist falsch", sagte ich neulich und erntet irritierte Blicke. Ich sprach nicht von einem Buch, das eine ISBN hatte. Ich kannte das Buch gar nicht. Trotzdem wusste ich, dass die Nummer falsch ist, weil sie gar nicht existieren konnte.

Ich phantasiere? Manchmal vielleicht, aber das hier ist harte Realität und auch wenn es wenig mit Phantastik zu tun hat will ich hier doch ein wenig über die ISBN erzählen. Es heißt im Übrigen ISBN oder ISB. Das so oft geschriebene ISBN Nummer ist schlicht und ergreifend falsch, denn schriebe man die Abkürzung aus hätte man logischerweise "Internationale Standard Buch Nummer Nummer". Spätestens hier sollte der Fehler klar sein.

Nebenbei bemerkt heisst es natürlich "International Standard Book Number", jedoch sind die Worte im Deutschen und im Englischen so nah verwandt, dass die Abkürzung auf beide Sprachen passt - und da verwenden wir doch kurzerhand das Deutsche!

Wie also nun kam ich zu oben genannter Behauptung?

Das ist ganz einfach, wenn man weiss, dass jede ISBN einer eindeutigen Struktur folgt:

a-x-y-z

Eine solche ISBN wird man natürlich nie finden, denn a,x,y und z stehen hierbei nicht für eine Ziffer sondern ggf. für mehrere.

"a" ist die Kennziffer (wie auch z eine einzelne Ziffer) für die Sprachzone des Buches. Besonders groß ist verständlicherweise der Bereich für die englische Sprache, diese hat die Kennzeichnung 0, also 0-x-y-z. Alle Bücher des deutschen Sprachraums haben hier eine 3, d.h. 3-x-y-z.

Kommen wir zum x als ersten Platzhalter variabler Länge. x ist der Platzhalter für den Verlag, seine Länge differiert zwischen einer und sechs Ziffern. Sieben sind theoretisch auch möglich, diese sah ich jedoch noch nie und dies hat seinen Grund.

Jeder Verlag bekommt eine Ziffer, die seiner Größe entspricht. Die größten Verlage bekommen die Ziffernfolge mit den wenigsten Stellen, denn diese brauchen sie für das y (s.u.). So hat beispielsweise der Reclam-Verlag mit sehr vielen Publikationen die Verlagsnummer 15, d.h. die ISBNs beginnen mit 3-15- (mögliche englische Reclams ignoriere ich hier). Ein Kleinverlag hingegen hat hier eine längere Nummer, beispielsweise 931164 für den mgverlag. Dies führt zu 3-9311644-. Da jede ISBN 10stellig ist, bleiben noch 3 übrig. Die Bindestriche sind dabei vollkommen bedeutungslos und dienen nur besserer Übersicht. Die meisten bekannten Verlage haben 3stellige Nummern.

Warum haben kleine Verlage längere Verlagsnummern? Weil die Ziffernfolge y die einzelnen Werke des Verlags bezeichnet. Da z wieder genau eine Stelle hat bleiben genanntem Reclam-Verlag also 6 Stellen für einzelne Bücher. Das ergibt ein Maximum von 1 Million Büchern - wenn man 0000000 mitrechnet. Der mgverlag hingegen hat Platz für 100 Bücher.

Generell werden die Nummern relativ passend vergeben. Es dürfte einige Zeit dauern, bis Reclam die Millionengrenze überschreitet und wenn dies passiert dürfte es zunächst riesigen Presserummel geben (die Schlagzeilen sind leicht vorstellbar) und zudem eine neue Nummernzuordnung. So geschah es bei genanntem mgverlag, der inzwischen die Verlagsnummer 66825 führt - eine Stelle weniger, Raum für 1000 neue Werke. (Zumindest vermute ich, dass diese Nummer zugeordnet wurde, da Wachstum absehbar ist. Sie steht auf der Seite des Verlags. Es ist nur logisch lieber zu früh vorzusorgen, als ohne Nummern dazustehen. Liege ich hier falsch, diene diese Ausführung als Beispiel, wie es gehen kann.) Die alten Ausgaben werden nicht korrigiert - oder ist bei Ihnen schon einmal ein netter Herr mit Edding vorbeigekommen, der erklärte, er müsse Korrekturen an ihren Büchern vornehmen? Bei teilweise gehäuften Druckfehlern wäre das ja gar nicht einmal so schlecht, aber der Edding würde mir schon Sorgen machen...

Bisher alles ganz einfach, aber wie konnte ich nun die Existenz einer ISBN (sogar im Kopf) überprüfen? Mit Hilfe von z, der Prüfziffer.

Diese ist einstellig, kann aber auch X annehmen - wobei X nichts anderes als 10 ist, in feinster römischer Tradition. Und diese 10 hat seinen Grund, denn 0 ist Null, nicht 10.

Klingt verwirrend? Macht nichts.

Multipliziert man nämlich die einzelnen Ziffern einer ISBN mit 10, 9, 8, 7...3, 2 und 1, addiert und teilt das Ergebnis durch 11, so muss eine ganze Zahl herauskommen. Anderenfalls existiert die ISBN nicht.

Die Verlage probieren natürlich nicht herum, um zu einer solchen Nummer zu gelangen. Sie setzen die entsprechende Prüfziffer hintenan. Da logischerweise jede 11. Zahl durch 11 teilbar ist, gelingt es, mit jeder beliebigen ISBN+Prüfziffer eine solche Teilbarkeit zu erreichen.

Nehmen wir die ISBN:

a-bcd-efghi-k

Ich sagte 10, 9, 8 usw. und genau so kann man es mit den Ziffern der ISBN machen, also:

10*a + 9*b + 8*c + 7*d + 6*e + 5*f + 4*g + 3*h + 2*i + k muss durch 11 geteilt eine ganze Zahl ergeben. Ansonsten gibt es die ISBN nicht - oder ein Verlag bzw. die zuständige Stelle hat Mist gebaut. Also: Bekannte verblüffen! "Gebt mir eine ISBN und ich sag euch, ob sie existiert." Das System findet sicherlich keiner heraus.

Ein kurzes Wort zur Eindeutigkeit. Angeblich soll jede ISBN nur einmal existieren. Meist stimmt das auch, jedoch gibt es auch "Unfälle". Ich erinnere mich nicht mehr an die Titel, sehr wohl aber daran, dass ich zwei Bücher mit gleicher ISBN sah. Wie das geht? Erinnern wir uns an die Striche. Diese sind belanglos. Stellen wir uns zwei Verlage vorm beide in der selben Sprachgruppe. Der eine hat die Nummer 104, der andere 10411. Nun hat letztgenannter Verlag unter anderem ein Buch mit der Nummer 101 herausgebracht und der 634er-Verlag eines mit der Nummer 11345. Das ganze einmal untereinander gestellt:

3-104-11345-? === 310411345?

3-10411-345-? === 310411345?

Und diese Sache ist ganz dumm gelaufen, denn ohne Striche ist die Nummer vollkommen identisch und zur Ermittlung der Prüfziffer werden sie ignoriert. Damit haben wir zwei absolut identische ISBNs mit zwei verschiedenen Büchern. Meist werden solche Überschneidungen abgefangen, aber bisweilen wird eine Übersehen.

Avatar von nicoArtikel von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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