Der Sinn von Punktwertungen

          
Noch keine Bewertung.

Bald 150 Rezensionen habe ich nun verfasst. Über die Qualität der ersten möchte ich lieber schweigen, waren es doch oftmals mehr Inhaltsangaben als Kritiken. Jedoch ist dies trotzdem Grund genug, einmal das zurückliegende zu betrachten.

Der Maßstab änderte sich, ja, zwangsläufig: Viel mehr Vergleichsmöglichkeiten sind vorhanden und es wird für ein jedes Buch nun schwerer sein, die 10 Punkte zu erlangen.

10 Punkte – ein perfektes Buch? Nein. Bei einem perfekten Buch würde JEDER es lesen und zwar bis er verhungert, weil er sich nicht davon losreißen kann.

Dies ist dann auch das erste große Missverständnis, das bei Punktwertungen aus dem Weg geräumt werden muss: 10 Punkten stehen keinesfalls für Perfektion! In einem Prozentmaßstab – der noch schwerer sinnig einzuhalten ist – wären es Wertungen jenseits der 90% Marke.

Irrtum Nummer zwei folgt auf dem Fuße und lautet „Die Punkte gehen gleichmäßig abwärts“.

Sie tun es nicht.

9 Punkte heißt NICHT 80-90%, auch wenn dies mitunter noch gut hinkommt, ebenso bei 8 Punkten. Ab 7 Punkte wird das „Gefälle“ jedoch bedeutend drastischer – eine Parabel ist sicher nicht das falsche Bild.

Warum? Eine gute Frage, wird man doch zuerst Linearität vermuten.

Was hierbei vergessen wird: Es geht auch im Verlagsgewerbe um Geld – und ich unterstelle keinem Verlag die Dummheit, mit Absicht ein schlechtes Buch zu veröffentlichen. Unter diesem Umstand betrachtet ist es also nur logisch, dass sich die meisten Büchern in einem Bereich von 7-8 Punkten tummeln (dies sind 25 und 55 Bücher von 141). Darüber hinaus dünnt es sich sehr stark aus, ebenso wie es sich nach unten ausdünnt. Einzelne Kurzgeschichten kassierten bereits 0 Punkte, für ganze Bücher war 2 bisher das Minimum und glauben Sie mir: Von diesen Büchern würde ich WIRKLICH die Finger lassen. Genau genommen gilt dies für alle Bücher mit der Wertung 6 oder niedriger: Ich würde sie kein zweites Mal lesen.

An dieser Stelle kommt es jedoch zum großen ABER:

Punktbewertungen sind subjektiv und haben kaum Aussage. Ihre einzige Aussage beschränkt sich darauf, ein Buch UNGEFÄHR unter anderen einzuordnen. Ebensowenig wie zwei 10-Punkte-Bücher lassen sich die Werke von Shakespeare mit den Werken Tolkiens vergleichen (und beide haben zweifelsohne ein großes Publikum).

Dennoch ist dieser eine, mehr als vage Umstand für mich genug, diese Punktwertungen beizubehalten. Man sollte sich jedoch NIE nur auf diese verlassen.

Viel wichtiger als die Punktzahl ist ganz einfach die Kritik und der grobe Inhalt. Ich kenne genügend Personen, die halten den Herrn der Ringe für schlecht und langatmig. Er IST es. Tolkien verliert sich mitunter in den Beschreibungen. Mag man dies nicht, so sollte man gar nicht erst versuchen, ihn zu lesen. Dennoch würde ich ihm heute wieder 10 Punkte geben. Er ist gut, er ist eine Referenz und Inspiration für viele andere. Dennoch mag ihn nicht jeder – und das ist gut so.

Umgekehrt kann es genauso gehen: Eine Geschichte, der ich 0 Punkte gebe, mag jemand anderen begeistern, sei es, weil wir komplett unterschiedliche Stile mögen, weil jener anderes Hintergrundwissen über vorkommende Wesen besitzt (ein Punkt der nicht zu unterschätzen ist: Kennt man Elfen als „Feen“ so wird einem ein Elf mit einem Bogen seltsam vorkommen; kennt man sie als herzensgute Wesen so werden einen grundlos grausame Elfen aufs Höchste irritieren – und das ist schlecht), aus Gründen persönlicher Beeinflussung oder aus anderem.

Um es auf den Punkt zu bringen: Bloße Punktwertungen an sich sind sinnlos. Wer sich für ein Buch interessiert, der sollte die Kritik lesen und erst dann entscheiden.

Avatar von nicoArtikel von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

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