Buch-Cover, Stefan Blankertz: Der Lamo-Kodex

Der Lamo-Kodex

Genre: Fantasy (Science Fiction)
Seiten: 303
Erschienen: 09/2010 (Original: 2010)
ISBN: 978-3-937897-41-7
Preis: 17,90 Euro (Softcover)
Schlagworte: AtlantisHohlwelt
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Im Kölner Zoo wird eine Gruppe aufgegriffen - Menschen, allem Anschein nach, aber keinem Volk zuzuordnen. Außerdem haben sie unbekannte Waffen bei sich und diese gegen die Affen eingesetzt. Aber nur aus Notwehr; so schätzt zumindest Karoline Sombart vom polizeipsychologischen Dienst die Sache ein - die Presse hingegen stürzt sich schnell auf diese "Gruppe von Terroristen"...

Bald ergründet Karoline mit ihrem alten Professor die Herkunft der Menschen. Was sie erfahren können sie kaum glauben: die Gruppe stammt aus der Innenwelt der Erde, wohin ihre Vorfahren einst beim Untergang Atlantis gelangten. Doch das friedliche Miteinander droht durch Missverständnisse und Medien in Konflikt zu enden.

Das Buch erhält 8 von 10 Punkten.

"Der Lamo-Kodex" erscheint als "Science Fiction" in der Phantasia Paperback-Reihe, bleibt aber sehr gegenwartsnah. Der Mythos von Atlantis wird aufgegriffen, aber lediglich um eine Verbindung zur "Innenwelt" herzustellen.

Alternierend erzählt ein Kapitel von den Ereignissen in der Außenwelt und von Lamos Leben, wobei in letztgenannten Kapiteln eine Figur erzählt, deren Identität erst nach zwei Dritteln des Romans klar ist; die Außenwelt-Kapitel übernimmt ein neutraler Erzähler.

Science Fiction? Fantasy? Ethnologische Phantastik?

Man kann zunächst fragen: In welche Gattung gehört dieser Roman? "Science Fiction" ist keine falsche Wahl: die Gesellschaft in der Erde ist technologisch anders als unsere und in mancher Hinsicht weiter. Auch ist Gesellschaftskritik und der Entwurf anderer Gesellschaften ein Motiv der SF. Das kann man allerdings auch von der Fantasy sagen. Diese ist zeitlich eher rückgerichtet. Eher typisch für die Fantasy sind die hohe Bedeutung der Religion in der Innenwelt sowie das Muster der Queste. Lamo ist Mitglied zweier Ethnien (zweier "Lineages" wenn man so will) und steht damit auch zwischen deren zwei Religionen. Als "heiliger Außenweltsucher" soll er die Außenwelt finden.

"Phantastik" käme als Gattungs-Bezeichnung auch in Frage; entweder im engen Sinne (in dem eine sekundäre Welt in unsere gewöhnliche als "Fremdkörper" einbricht, hier als ethnologicher Fremdkörper) oder als leicht unglückliches Catch-All.

Erstkontakt und Gesellschaftskritik

Viel mehr als mit klassischen Genres lässt sich der Roman als "Erstkontaktsroman" beschreiben. Dieser Erstkontakt wird für implizite Gesellschaftskritik genutzt, einerseits durch das Dargestellte Verhalten der Außenweltmenschen; andererseits durch einen Vergleich mit der Kultur der Innenwelt – die bei weitem kein Paradies oder auch nur besser ist als unsere. Aber anders.

Der Autor nutzt für sein Werk die ethnologische Theorie seines Doktorvaters Christian Sigrist. Im Zentrum des Innenwelt-Konflikts stehen dabei Religionen – nicht ganz zufällig fühlt man sich wohl an unsere heutige Gesellschaft erinnert. Um das Aufeinanertreffen zweier Kulturen zu markuieren nutzt der Autor eine selbst entworfene fremde Sprache. Eine Zeile erfolgt in dieser, dann lediglich die "Übersetzung". Dies kann man mögen oder nicht: Der Lesefluss wird marginal gestört aber die Fremdheit und das Aufeinandertreffen von Unterschiedlichem wird simpel und immer wieder hervorgehoben.

Weltenbau-Roman - Reise vom Mittelpunkt der Erde

Apropos Sprache: Auch als Weltenbau-Roman kann man den Lamo-Kodex bezeichnen. Für die Sprache - genau genommen 2 Sprachen - reiht Stefan Blankertz nicht einfach nur ausgedachte Wörter aneinander sondern entwirft auch eine Grammatik, die er im Anhang präsentiert. Hinzu kommen eine andere Gestik und Mimik der Innenwelt-Völker, die überzeugend wirken. Eine Basis zur Realität wird durch die Andiskussion verschiedener ethnischer Theorien geschlagen.

Sowohl der Weltentwurf als die Theorien bergen die Gefahr übermäßiger Exposition. Stefan Blankertz schafft es ohne: Hinweise auf Theorien sind nach wenigen Zeilen Dialog beendet; die "Expositions-Kapitel" (wenn man so will) über die Innenwelt geben zwar viel Information über die dortigen Strukturen, sind aber durch Handlung getrieben, die immer einsetzt bevor Details nur um der Details willen genannt werden

Charaktere: Markanz und Klischees

Neben der Welt gelingt es Blankertz auch, mindestens einenmarkanten Charaktere zu entwerfen: Professor Brause, ein Alt-68er, der stets im Konjunktiv redet (was ihm selbst auf die Nerven geht). Allerdings fällt es dann stark ab bis hin zum Klischee. Lamo ist noch interessant als dass er zwischen zwei Religionen und Kulturen steht und gewissermaßen den Brennpunkt einnimmt, aber darüber hinaus hat er wenig eigene Persönlichkeit. Die Polizei sind die Idioten vom Dienst; und für eine Lovestory zwischen Innenwelt und Außenwelt fehlt gar jede Motivation.

Logische Lücken

In Sachen Logik muss sich die Geschichte Kritik gefallen lassen. Warum hat niemand diese Welt entdeckt? Eine Verbindung zur Außenwelt (via Atlantis) existierte schließlich; weit reichende Höhlen im Inneren (und eine Sonne!) müssten von außen eigentlich mit Geräten messbar sein. Warum ist dann nicht irgendjemand in freier Realisierung von Jules Verne zum Mittelpunkt der Erde gereist? Ob dies nun tatsächlich so funktionieren kann? Ich bin skeptisch und gerade weil die Handlung insgesamt stark an unsere Realität gebunden ist, muss sie sich auch stärker an dieser messen lassen als beispielsweise eine Traumsequenz oder eine gänzlich andere Welt.

(S)F-Gesellschaftsktitik mit Anspruch

Stefan Blankertz bietet mit dem "Lamo-Kodex" anspruchsvolle Science Fiction/Fantasy. Mit impliziter Sozialkritik wird unserer Gesellschaft der Spiegel vorgehalten was die Toleranz gegenüber anderen oder Fremdem angeht. Spannung kommt nicht durch Action auf: diese Szenen sind kurz und brutal. Stattdessen kommt die Faszination durch den Entwurf einer qualitativ hochwertigen Welt und das langsame Entdecken dessen, was in dieser "Innenwelt" geschieht. Blankertz verliert sich nicht in Exposition und Beschreibung sondern kann die geschaffene Welt in steter Handlung dem Leser näher bringen.

Empfehlenswert für Weltenbauer und Sozialkritische, die keine glasklare Genre-Trennung erwarten.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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