Buch-Cover, Alexander Lohmann: Im Mond des Styx

Im Mond des Styx

Genre: Fantasy
Seiten: 590
Erschienen: 05/2012 (Original: 2012)
ISBN: 978-3-404-20677-3
Preis: 15,00 Euro (Softcover)
Schlagworte: BarbarenEntführung
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Der letzte Krieg der Steppenläufer ist lange vorbei. Doch Gontas von den Cefron kann den Frieden nicht genießen – er ist Krieger, der Frieden kein Leben für ihn. Jenes Leben ändert sich, als eines Tages das Mädchen Halime ins Lager kommt und kurz darauf entführt wird. Seine Ehre lässt Gontas keine Wahl: er muss das unter seinem Schutz stehende Mädchen zurückholen – zugleich eine willkommene Abwechslung. Doch bald wird die Mission kompliziert: Der Entführer ist ein berüchtigter Hauptmann, der zu einer legendären Zitadelle aufgebrochen ist. Eine Zitadelle von der bezweifelt werden darf, ob sie überhaupt existiert. Überdies taucht der Mond Styx die Welt in ein bedrohliches Licht und Legenden erzählen von der Rückkehr der Alten Götter.

Das Buch erhält 7-8 von 10 Punkten.

"Im Mond des Styx" bietet dem Leser zunächst einen barbarischen Krieger-Helden, der in Zeiten des Friedens keine Ruhe findet. Hinter Gontas steckt jedoch mehr als ein tumber Haudrauf – leider wird recht wenig daraus gemacht. Neben Fantasy arbeitet der Roman stark mit Horror-Elementen und Science-Fiction-Anleihen.

Vom Steppenkrieger zu... ja was eigentlich?

Gontas, die Hauptfigur ist Krieger und Held seines Volkes, den Frieden und die Ruhe jedoch nicht gewohnt. Die Suche nach Halime ist ihm daher eine willkommene Abwechslung. Schnell hat man das Bild Conans vor Augen, wenn man von Barbaren-Kriegern spricht und einige Eigenschaften verdankt Gontas diesem sicher. Ein bloßer Haudrauf ist der Cefron-Krieger allerdings auch nicht. (Und das tut auch dem Original Conan Unrecht.) Stattdessen ist Gontas meist bedächtig und wohlüberlegt, in mancher Hinsicht schon gebildet. Subtile Hinweise zeigen schon von Beginn an, dass mehr an ihm dran ist. Im Verlauf des Romans wird dann auch klar, dass Gontas direkt mit der Mythologie der Welt verwoben ist. Gut und Böse sind dabei lange Zeit recht klar verteilt: Gontas handelt aus Ehre gegen eigennützige andere. Allerdings gibt es durchaus Schattierungen dazwischen, von leicht resigniertem Pragmatismus über „fremd und einfach anders“ bis hin zu purem Egoismus – und auch Gontas’ Begleiter, zwei Söldner, sind primär durch Profit motiviert.

“Im Mond des Styx“

Ein kurzer Kommentar zum Titel: Der ist extrem holprig (und in die Erzählung des Rückentexts läuft die Hauptgeschichte auch nur hinein). Das gilt auch für die Gelegenheiten wo der Titel im Buch vorkommt. Der Grund ist einfach: „Mond“ in der Fantasy ist meist ein Monat. Hier ist es ein Mond, ein Himmelskörper, und zwar konkret der Mond Styx. Ja, richtig: der Mond ist der Styx; was der Titel eigentlich meint ist das Licht des Mondes Styx. Ich wiederhole mich: den Titel finde ich selbst im Nachhinein extrem holprig: warum „der Mond des Styx“ im Wasser glitzert wenn der Mond der Styx ist… dies und ähnliches irritierte mich immer wieder. Nur um den Titel einmal mehr zu erwähnen? Nebenbei: mit dem mythischen Fluss hat der Roman nichts zu tun, allenfalls das "Grausen" nach Homer, aber wie griechische Namen in die Romanwelt kommen, deren Worte sonst ganz anders klingen?

Fantasy, Horror, Science-Fiction

Was ist nun aber mit dem Mondlicht? Der Styx selbst gilt als böses Omen das bis in die Zeit eines Götterkriegs zurückreicht – natürlich kehren diese Götter genau jetzt zurück, ein bekannter Plot. Ungewöhnlich sind hingegen die starken Science-Fiction-Anleihen. Zwar gibt es in der Romanwelt zunächst „normale“ Magier, die mit Ritualen die alten Götter aus dem Licht des Styx in neuer Körper verfrachten, aber zum Ende hin wird diese Methode durch etwas ersetzt, dass ich eher als massives Bio-Engineering mit uralten Maschinen beschreiben würde. In beiden Methoden gibt es jedoch deutliche Horror-Komponenten. Der Styx selbst ist ein Portal in die Welt der alten Götter; die Wesen die übertreten sind zwar keine Cthuloide Schrecken aber auch weit von „sauberen“ Zombies oder Dämonen heutiger Zeit entfernt. Es gelingt Alexander Lohmann, sie sowohl konkret als auch recht abstoßend zu beschreiben – nicht unbedingt selbstverständlich in einer Zeit in der Dämonen en masse zu haben sind.

Während der Horror sich sehr stimmig einfügt gefielen mir die SF-Einlagen weniger – das ist aber Geschmackssache, wie auch die Frage, wo Science-Fiction und Fantasy sich gegeneinander abgrenzen. Einige andere Kleinigkeiten empfand ich auch als unschön: Bisweilen wurden Extrawege gegangen um die Antagonisten als klar böse zu zeigen, was sich später nur unwesentlich revidierte. Auch die Namenswahl ist bisweilen zweifelhaft: „Gehenna“ trägt Konnotationen; auch für „Styx“ gilt dies in geringerem Ausmaß – überhaupt passen griechische Namen nicht wirklich in die Welt.

Sprache, Stil und Ende

Neben den Science-Fiction-Anleihen erzählt der Roman eine klare Fantasy-Geschichte. Sprachlich insgesamt in guten Stil verfasst sticht die Sprache der Söldner heraus. Gelungen: Lohmann verzichtet auf eine komplette Kunstsprache und nutzt stattdessen ein paar Dutzend Begriffe. Diese fügen sich in den Textfluss ein, sind jedoch klar „anders“, wenngleich an reale Dialekte angelehnt – das vorhandene Glossar ist eigentlich unnötig. Die Söldner als Gegengewicht zum durch Ehre motivierten Gontas erwähnte ich bereits – doch auch diese Söldner haben Grauschattierungen. Wobei das Ende recht unerwartet kommt und die Begründung zwar Sinn macht, mich aber so plötzlich nicht überzeugte. Schön ist in jedem Fall das auch viele Nebencharaktere ein wenig Entwicklung erhalten. Dies führt dazu, dass der Roman keine typische „Gut gegen Böse“-Geschichte ist. Alle Charaktere haben Grautöne und der Roman schließt mit der Frage, was eigentlich gewonnen ist – oder ist überhaupt etwas gewonnen? (Vgl. Zitat unten.) Ich brauche kein Happy Ending a la Disney, aber der Abschluss des Romans lässt mich doch ein wenig unbefriedigt zurück.

Fazit: „Im Mond des Styx“ ist ein solider bis guter Roman mit klaren Anleihen bei Conan und im Horror-Genre. Auf ein klares Gut-gegen-Böse wird verzichtet, aber hier hätte man mehr draus machen können. Das Ende ist fast deprimierend und für mich unpassend „maschinell-biologisch“, ein klarer Dreh Richtung Science-Fiction.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • "Wir sind alle Geschöpfe Gehennas. [...] Ob die alten Götter nun bei uns sind oder nicht."

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