Buch-Cover, Manuel Timm: Handbuch für Drachentöter

Handbuch für Drachentöter

Genre: Humoristische Fantasy
Verlag: Aeternica
Seiten: 204
Erschienen: 09/2012 (Original: 2012)
ISBN: 978-3-943304-11-4
Preis: 4,99 Euro (Digitaler Text / eBook)
Schlagworte: DrachenHeldengruppe
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Noobastarian Skullwidth (kurz: Noob) hat viele mehr oder minder böse Drachen zur Strecke gebracht. Doch er ist alt. Zeit also, sein gesammeltes Wissen an die nächste Generation weiterzugeben! Dies ist die Geschichte seiner ersten Drachenjagd: wie er überhaupt zu seiner Bestimmung fand. Wie er Gefährten anheuerte (und von der Wichtigkeit, zu acht zu sein). Welch verschiedene Drachen es gibt. Und wie man diesen begegnet - ohne als schwelendes Häufchen Asche zu enden.

Das Buch erhält 7+ von 10 Punkten.

Bei einem Protagonisten und Erzähler namens Noob dürfte den meisten Lesern der generelle Ton des Buches sofort klar sein. Dies ist kein nüchternes Handbuch mit "Fakten". Es ist die Drachenjagd einer Chaotentruppe, die mehr durch Glück als durch Kampfkraft überlebt. Die aberwitzigen Ideen helfen dabei auch kaum, sind für den Leser aber unterhaltsam.

Gealterter Erzähler, Aktive Erzählung

Der Begriff Noob ist vielen jungen Fantasy-Lesern bekannt, insbesondere den Computerspielern. Den Helden "Noob" zu nennen setzt daher schon einen gewissen Ton und Erwartungen. Diese werden aber nur teilweise erfüllt: Ja, Noob ist neu im Geschäft aber so gar nicht wie der typische alles wissende und vollkommen lernunwillige Anfänger. Im Gegenteil hat Noob einige gute und nachvollziehbare Ideen. Allerdings auch einige, die man freundlich noch "skurril" nennen kann.

Dieses Handbuch reiht sich NICHT in die Reihe fiktionaler Nachschlagwerke und Anleitungen ein. Statt Lexikoneinträge und "Faktenwissen" ist es die Erzählung von Noobs erster Drachenjagd. Den einzelnen Kapiteln gehen kurze kursive Abschnitte voraus, die darauf aufmerksam machen, was das Kapitel (angeblich) Wichtiges demonstriert. Wobei man einiges dann doch lieber nicht eins zu eins umsetzen sollte. Die Erzählung des gealterten Noob bleibt stets aktiv und handlungsfokussiert. Die Romanwelt ist im Vergleich zu anderer humoristischer Fantasy sehr bodenständig und pragmatisch. Vielleicht auch ein wenig zu nüchtern, denn der große Knaller oder ein glorioses Finale fehlen. Trotzdem ist "Handbuch für Drachentöter" immer amüsant, was auch an dem nüchtern-faktischen Humor liegt: Noob hat ja durchaus recht, wenn er Feuerdrachen eher mit Wasser bekämpfen will und sie lieber nicht in ihrer eigenen Höhle aufsucht. Seine "Einer von Acht"-Regel hingegen ist schlicht zynisch.

Klamauk und Typenkomik

Jene "Einer von Acht"-Regel ist schnell erklärt: Im Schnitt überlebt von acht Drachentötern einer. Die Konsequenz (zumindest für Noob) ist klar: Er muss sieben andere finden, um einen Drachen zu töten. Man mag gar nicht beginnen, die Denkfehler aufzuzählen, zumal Noob seine Kameraden auch noch schnell lieb gewinnt und überhaupt nie der Typ war, der bedenkenlos Menschenleben opfert. Der Hellste ist er auch nicht, stolpert in so manches Fettnäpfchen ("Es gibt mehr als ein Stadttor?") und hat neben seinen guten Einfällen auch Ideen, die nur ihm selbst genial erscheinen.

Insgesamt schlägt der Roman daher einen klamaukartigen Ton ein. Die Witze gehen nicht in die Tiefe, sind oft "Running Gags" oder einmalige Scherze. Nachdenklich wird der Roman nie. Er profitiert eher von der Faszination, einer unausweichlichen Katastrophe zuzusehen: Es kann doch nur fürchterlich enden! Denn professionell ist Noobs Truppe wirklich nicht. Es ist eine Chaostruppe, zusammengestellt aus denen, die gerade da waren. Die "Drachentöterhorde" bietet zudem typische, klischeehafte Fantasyfiguren auf - allesamt mit mindestens einem Knacks: zwei Saufbrüder, eine Zwergin mit Fistelstimme, den ruhigen Starken, einen großen (Nicht-So-Wirklich-) Magier, eine Superfrau und einen Sohn, der eigentlich eine Tochter hätte sein sollen... Diese Charaktere sind Typen (mit zusätzlicher aber ebenfalls "typischer" Macke): Sie sind durch Obiges nahezu vollständig beschrieben und entwickeln keine erinnerungswürdigen Eigenschaften. Das reicht gerade für humoristische Fantasy oft; und auch in der Fantasy allgemein findet man diese Art Figur häufig. Jedoch kann man sich nur schwer mit ihnen identifizieren. Positiv hervorzuheben ist jedoch trotzdem: Trotz des vielen Klamauks wird der Roman nie infantil. Echte Konsequenzen werden leicht angedeutet, aber nur im Hintergrund, der durch Pleiten, Pech und Pannen der Drachentöter überdeckt wird.

Unterschwellige Realität

Das Handbuch für Drachentöter ist Humoristische Fantasy (aka Funny Fantasy). Das kann vieles heißen: von durchgehender Veralberung im Stile Monty Pythons bis zu karikierender Satire der Gesellschaft oder des Genres Fantasy. Soweit man das Wort verwenden darf, bleibt das Handbuch für Drachentöter eher "realistisch". Es ist nicht alles gut in dieser Welt: Dem Drachen werden über die Jahre Frauen geopfert. Ein anderer Drachenjägertrupp scheitert. Dies nimmt man jedoch kaum wahr: Es wird vom Klamauk-Ton überdeckt. Noob und Konsorten laufen einfach blind in Dinge hinein und alles, was schief gehen kann, geht auch schief. Na gut: fast alles. Manche kuriose Idee hat auch einen gewissen Erfolg.

Außerdem löst der Autor das traditionelle "gut gegen böse" ein wenig auf, persifliert jedoch keineswegs die Gattung Fantasy: Die Dorfbewohner sind sicher nicht unschuldige Menschen, die von strahlenden Helden gerettet werden. Die Wahrheit ist mehr grau in grau und jeder kämpft für sich - auch die Drachentöter sind durch die Aussicht auf Gold motiviert. Und manchmal helfen sie genau den falschen mit ihrer naiven Sicht auf die Dinge. Der größte Kritikpunkt ist dabei das Dahinplätschern der Geschichte. Sie ist amüsant; sie kann unterhalten; aber ein echter Knüller oder etwas, wegen dem man sich an sie erinnert oder das sie als Aufhänger zieht, fehlt.

Das "Handbuch für Drachentöter" ist eine unterhaltende, klamaukige Erzählung, die keine Ambitionen hat, tiefe Einsichten anzustoßen. Auch dank der kurzen Kapitel ist der Roman ein netter Zeitvertreib. Gut, solange man liest - aber ohne bemerkenswerten Knüller.

Der Preis bezieht sich auf die gelesene eBook-Ausgabe. Weitere elektronische Formate sind über den Aeternica Verlag erhältlich.

Eine Kurzgeschichten über Drachentöter Noobastarian Skullwidth und seine Drachentöterhorde bietet Manuel Timm über seine Homepage kostenlos an.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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