Buch-Cover, James Sullivan: Der Thron von Melengar [Hörbuch]

Der Thron von Melengar [Hörbuch]

Originaltitel: The Crown Conspiracy [AME]
Serie: Riyria (#1)
Übersetzer: Cornelia Holfelder-von der Tann
Sprecher/Regie: David Nathan
Genre: Fantasy
Seiten: 659
Erschienen: 03/2014 (Original: 2011)
ISBN: 978-3-8445-1409-4
Preis: 19,95 Euro (Softcover)
Schlagworte: DiebeKircheZwerge
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Grimoires.de    
Wertung: 3/5 Grimoires; 7/10 Punkte, Gut

7/10

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Royce und Hadrian sind zwei sehr erfolgreiche Diebe, die Adelige bestehlen. Als eines Tages ein Unbekannter sie beauftragt, ein Schwert zu stehlen, kann Hadrian nicht widerstehen: Er nimmt den Auftrag an, obwohl nicht genügend Vorbereitungszeit besteht. Das Murren seines Partners sollte zu Recht erfolgen: Die beiden finden sich in einer Falle und ihnen wird der Mord am König in die Schuhe geschoben. Ausgerechnet die Prinzessin glaubt ihnen und befreit sie aus dem Kerker. Sie fürchtet um ihren Bruder und beauftragt die beiden, den neuen König zu entführen und zu einem gewissen Esrahaddon zu bringen, der seit vielen Jahrhunderten in einem geheimen Gefängnis sitzt.

Das Buch erhält 7 von 10 Punkten.

Die Riyria-Reihe ist klassische Fantasy, zum Positiven wie zum Negativen. Die beiden Diebe könnten Antihelden sein, aber Hadrians Aspirationen lassen sie eher wie normale Helden handeln. Und natürlich stolpern die beiden nicht nur in einen Königsmord, sondern in eine Verschwörung von epischem Ausmaß, die im ersten Teil allerdings noch nicht zur Geltung kommt.

Typische Handlung und Figuren

Schaut man auf die Ausgangssituation, ist dies zunächst ein Diebesroman. Gleich in der ersten Szene sieht man Hadrian und Royce in einer Kapelle vor der Leiche des Königs und hört einen Alarmschrei. Was es damit auf sich hat, erfährt man jedoch erst später, denn hier setzt eine Rückblende ein und erzählt, wie die beiden in diese Situation gelangten.

Vielleicht habe ich einfach zu viel gelesen: Ich hatte gleich von Beginn die richtige Person in Verdacht. Das macht einen guten Krimi aber nicht zunichte und auch keine Diebes-Fantasy. Ein bisschen schlucken musste ich hingegen bei den beiden Hauptfiguren: Zynischer Dieb, edelmütiger Schwertkämpfer; über ihre Vergangenheit erfährt man nichts. Die beiden sind geradezu Archetypen und ihre Ausgestaltung mit individuellen Besonderheiten hat einige Zeit gedauert. Natürlich sind sie auch die Besten überhaupt und unabhängig von Gilden. Immerhin planen sie nicht den Raub des Jahrhunderts.

Kontrast: Zynischer Dieb, Krieger mit Edelmut

Zu Anfang sieht man vor allem den Kontrast zwischen den beiden. So ist es auch Hadrian, der den Auftrag annimmt und Royce, der dagegen protestiert: zu wenig Zeit; gegen die selbst gemachten Regeln! Und Hadrian geht es doch vor allem darum, dass damit ein Leben gerettet werden kann - was durchaus korrekt ist.

Im gesamten ersten Band der Riyria-Reihe habe ich keine allzu große Entwicklung der beiden Hauptfiguren gefunden. Stellenweise gibt es Andeutungen, aber diese haben (noch) keine echte Auswirkung und schmücken auch die Welt nicht sonderlich aus.

Allerdings möchte ich nicht unterschlagen, dass Michael J. Sullivan gerade diesen Gegensatz zwischen seinen Charakteren gelungen ausspielt. Hier gelingt ihm im Wortgeplänkel auch durchaus Humor. Dennoch bleibt alles sehr nah an 08/15-Fantasy, die sich allenfalls im eher lockeren Erzählstil von "ernsthafteren" Weltenschöpfungen löst. Immerhin ist dies keine epische Erzählung - noch nicht. Und manchmal ist es auch schön, einer im Grunde bekannten Geschichte zu folgen.

Viele Fragen: Auftakt zu Epik

Diese Hauptgeschichte stellt sich, wie gesagt, im Grundplot sehr einfach und bekannt dar: Hadrian und Royce wurde ein Mord in die Schuhe geschoben und die Entführung des Kronprinzen bzw. eigentlich Königs. Letzteres haben sie ja auch tatsächlich getan, aber um ihn zu beschützen. Ganz logisch geht es also zunächst darum, dem oder den Mördern zu entkommen und nebenbei herauszufinden, wer dahintersteckt. Gegen Rache als Nachspeise hätten die beiden auch nichts, aber bis zur Nachspeise müssen sie erst einmal kommen.

Bis dahin ziehen sie mit Prinz/König Elric heimlich durchs Land - und erfahren von einem jahrhundertealten Zauberer, dass die Kirche den Erben Novrons sucht und das Imperium neu erschaffen will.

Durchschaubare Intrigen

An dieser Stelle erhält der Leser einen Wissensvorsprung vor den Hauptfiguren, indem ihnen der Mörder und zumindest seine Pläne direkt enthüllt werden. Diese Wechsel zu anderen Personen führen manchmal zu eher hakeligen Passagen: Die gesamte Handlung um Intrigen im Königshaus fand ich allzu durchsichtig und bekannt.

Die Ausgestaltung einiger Nebenfiguren ist interessant, beispielsweise ein Schmied, den es in Folgebänden wohl nicht mehr geben wird. Hier ist die Relevanz zur Hauptgeschichte gering. Auch das Auftauchen eines einzelnen Zwergs oder von Elben wirkt bislang eher unmotiviert: Die gehören einfach zu Fantasy dazu?

Glücklicherweise hakt es dabei nie so stark, dass ich entnervt aufgab. Aber die größere Relevanz von vielem ergibt sich erst gegen Ende und im zweiten Roman.

Vorbereitung für Folgeromane

In einer Lesart ist Der Thron von Melengar somit nur Vorbereitung für eine größere Geschichte. Der Roman stellt alle wichtigen Personen vor und führt sie über eine Handlung ein, gibt ihnen aber noch nicht viel Raum. Diese Handlung ist weder langweilig noch herausragend - solide, aber ihr fehlt etwas, um mich jetzt schon für die Welt zu begeistern.

Ich habe den zweiten Teil (Der Turm von Avempartha) zu diesem Zeitpunkt, an dem ich die Rezension schreibe, bereits gelesen und möchte nur so weit vorgreifen: Jener Teil nutzt die etablierten Charaktere weit besser und fügt ihnen zunächst in Andeutungen, dann in klaren Aussagen individuelle Facetten hinzu.

In der englischen Zweitauflage erschien Der Thron von Melengar übrigens in einem größeren Band zusammen mit Avempartha. Ich tendiere dazu, zu sagen, dass diese Veröffentlichung die bessere ist. Allerdings: Ein großer Abschnitt der Erzählung ist am Ende abgeschlossen und ein 900-Seiten-Buch wird in deutscher Übersetzung selten kürzer. Zudem ist die Handlung um den Königsmord am Ende dieses Romans klar abgeschlossen.

Insgesamt ist Der Thron von Melengar damit eine typische, grundsolide Fantasy-Geschichte, die noch nicht ganz das Tempo und die Spannung hat, die ich mir gewünscht hätte. Den "furiosen Auftakt", den einige anführen, teile ich somit nicht - im Gegenteil halte ich diesen Roman für einen stellenweise eher holprigen Auftakt.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


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