Buch-Cover, E. L. Greiff: Zwölf Wasser - Nach den Fluten

Zwölf Wasser - Nach den Fluten

Serie: Zwölf Wasser (#3)Genre: Fantasy
Verlag: dtv
Seiten: 512
Erschienen: 04/2015 (Original: 2015)
ISBN: 978-3-423-26040-4
Preis: 16,90 Euro (Softcover)
Schlagworte: DämonenKrieg
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Die dämonische Asing ist zurückgekehrt, die Quellen versiegen und die Mission der Welsen scheint gescheitert zu sein. Agen brennt und der Dämon holt aus zum letzten Schlag gegen die Menschheit. In Kowthien spitzt sich der Bruderkrieg zu: Eine Übermacht unsterblicher Dhurmmets unter dem Dämonenkönig Hardh macht sich daran, die letzten Freien Söhne zu vernichten. Kann welsischer Stahl den Dämon noch besiegen? Können normale Waffen den Dämon überhaupt besiegen?

Das Buch erhält 8-9 von 10 Punkten.

Zwölf Wasser war von Beginn an eine eher ungewöhnliche Fantasygeschichte, das gilt auch für den Abschluss, Nach den Fluten. Große Schlacht- und Actionszenen gibt es nur wenige, denn statt um die Kriege von Menschen dreht sich alles um die Menschlichkeit. Mit viel Innensicht, Nachdenken und Zweifel ist dieser Roman eher langsam - aber keineswegs langweilig. Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden zog mich dieser in einem gewaltigen Sog bis zum Ende - auch, weil sie anders ist als die meiste Fantasy.

Drei Welsen - drei Gescheiterte?

Am Ende von Die Anfänge zogen drei Welsen mit je einer Unda los. In einer typischen Heldenreise lösen die drei verschiedene Aufgaben und finden zum Finale wieder zueinander. Nicht so in Zwölf Wasser: Die Welsen sind zerstreut, ihre Missionen so gut wie gescheitert. An Kersted nagt der Wundbrand und er erkennt selbst seine geliebte Nendsing nicht mehr. Der Wahnsinn greift nach ihm und sein einziges Ziel ist es, den Dämonenkönig Hardh mit sich zu vernichten.

Felt hingegen nähert sich Agen, wo der Dämon Asing im Körper Babus alles in Flammen aufgehen lässt. Er hadert mich sich: Babu bat ihn darum, ihn zu töten - doch Felt konnte es nicht. Er ist entschlossen, Asing zu vernichten - doch seine Hand hat er bereits verloren und selbst die eiserne Disziplin des Welsenoffiziers wird auf die Probe gestellt, als ein Wolfsdämon ihn mit einer schwelenden Wunde infiziert, die ihn alle Menschlichkeit vergessen lässt.

Waffenmeister Marken hingegen findet so etwas wie Ruhe: Sein Schwert ist verloren; seine Unda steht im Meer und spricht nicht. Das endlose Meer lässt ihn jedoch zur Ruhe kommen, nicht weiter kämpfen.

Diese drei Figuren kennt der Leser bereits und am ehesten ist immer noch Felt die Hauptfigur. In jeder anderen Fantasygeschichte wäre er dies - hier hat er jedoch eine weniger zentrale Stellung. Selbst im Finale fügt E. L. Greiff noch neue Figuren hinzu, wie die zwei verbleibenden Quellhüter oder die Rodseng. Und jede Figur spielt ihre Rolle: Mal mutig, mal machtlos, mal verzweifelt oder hoffend. In Zwölf Wasser - Nach den Fluten treffen die Schicksale vieler Menschen zusammen.

Nah und distanziert; bildhaft und fesselnd

Viel Personal kann verwirren. Das tut es in Zwölf Wasser nicht, denn die zentralen Charaktere bleiben recht wenige und unterscheiden sich deutlich. Oft taucht der Leser in die Gedanken der Perspektivcharaktere ein, in ihre Zweifel und ihre Wünsche. Er ist ihnen ganz nah. Die Menschen insgesamt nimmt er dabei nur als allgemeine Schicksale wahr, erhascht nur hier und dar einzelne Blicke.

Dabei gelingt E. L. Greiff eine bildhafte und fesselnde Erzählung - und das, obwohl sie bis auf wenige Ausnahmen auf Kämpfe und Schlachten verzichtet. Vor allem sind diese Kämpfe nie nur Auseinandersetzungen zwischen Menschen - sondern Kämpfe gegen die Abgründe im Menschen und um die verschwindende Menschlichkeit.

Kann Menschlichkeit durch Schlachten siegen?

Und das passt: Denn kann man die Menschlichkeit dadurch retten, dass man andere mit der Waffe tötet? Kann ein Dämon des Hasses vernichtet werden, indem man ihn durch den eigenen Hass besiegt?

In Zwölf Wasser gibt es nicht die eine große Endschlacht (auch wenn es eine Schlacht gibt): Selbst das Feuer Asings komm nicht in einem Flammensturm, sondern frisst sich geradezu durch die Stadt Agen und den Rest der Welt. Es ist ein langsamer, bedächtiger Aufbau, der dennoch spannend bleibt. Bei den ersten beiden Teilen spürte ich einzelne Längen - hier kaum noch.

Einzelne Gefechte sorgen für Unterbrechung in der Handlung - die auf mehr als eine Art auch getrieben wirkt: Diese Menschen drohen, sich selbst zu verlieren - verletzt, verstümmelt, im Fieberwahn klammert Felt sich ganz an seinen Auftrag. Er stirbt, aber er will seine Mission erfüllen. So ist sein wahrer Kampf dann auch nicht gegen den Dämon oder das Monster, sondern gegen sich selbst.

Ist die Liebe sich selbst genug? fragten die Undae. In Zwölf Wasser ist diese Frage nicht so kitschig, wie sie für sich klingen würde. Denn Zwölf Wasser ist originelle, andere Fantasy, die nicht durch actionreiche Schlachten und Kämpfe bildgewaltig wirkt. Vielmehr geht es darum, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Und das bedeutet auch, dass der Plan, den Dämon zu töten, vielleicht der falsche ist. Denn durch die Rodseng Nanminsi offenbart sich den Undae eine ganz neue Möglichkeit, Asing zu begegnen: Menschlicher, denn einst war der Dämon ein Mensch, dem übel mitgespielt wurde.

Ausklingen eines Zeitalters

E. L. Greiff geht in ihrer Erzählung hauptsächlich auf die Welsen ein. Die Vernichtung, die den Kontinent langsam umfängt, betrifft auch andere: Es ist das Ende eines Zeitalters und der einzelne Mensch kann dem nichts entgegensetzen. Die Masse der Bevölkerung bekommt keinen eigenen Platz, scheint durch verschiedene Perspektiven aber durch. Am Ende sind es Einzelschicksale, die in der großen Veränderung mitgerissen werden.

Mitgerissen ist hier ein problematisches Wort: Einerseits passt es perfekt; andererseits klingt es schneller und, nun, reißender als es die Entwicklung ist. Feuer und Wasser treffen aufeinander - jedoch nicht durch die Zauber von Magier, sondern als unaufhaltsame Naturgewalten. Zwischen ihnen erfüllen sich und vergehen geheime und verzweifelte Wünsche und Hoffnungen - und die ganze Welt.

Zwölf Wasser endet nicht plötzlich. Nach dem "Ende" folgen mehrere Hundert Seiten. Die Geschichte gleitet langsam aus, vom Alten ist nur wenig geblieben. E. L. Greiff gibt hier einen Blick über den gesamten Kontinent und bewegt sich damit fort von einzelnen Figuren, nimmt Tempo aus der Handlung. Ich habe selten erlebt, dass ein "Abspann" ohne Action eine derartige Sogwirkung entwickelt.

E. L. Greiff verzichtet zudem auf ein gänzlich fröhliches Ende: Nicht die typische Fantasy-Geschichte, erinnerst du dich? Nicht jeder bekommt, was er sich wünscht; nicht jeder Held bekommt eine gerechte Belohnung. Am Ende entlässt die Autorin den Leser mit einigen unerklärten Dingen, die mich aber nicht weiter störten. Ihre Figuren entlässt sie hingegen in eine neue Welt, in der sie viele neue Entscheidungen treffen müssen. Denn, um in den Worten einer Unda auf das Thema der Reihe zurückzukommen: Die Entscheidungen sind es, die ein Menschenleben ausmachen.

Zwölf Wasser ist ungewöhnliche, "langsame" aber dennoch spannende Fantasy, die der Waffengewalt die Menschlichkeit entgegensetzt. Nicht unbesiegbare Feinde sind es, die den Helden begegnen, sondern ihre eigenen Abgründe. Zwölf Wasser erhält von mir eine besondere Empfehlung für alle, die sich auch gerne auf etwas andere Fantasy einlassen.

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Avatar von nico Rezension von: (Grimoires.de)
Nico hat besonderes Interesse an Fantasy sowie ihrem Bezug zur Realität und anderen Texten (Intertextualität). Nico studierte Literatur in Deutschland und England. Wenn er nicht liest, läuft er oder ist im Tischtennis unterwegs.

Diese Rezension wurde veröffentlicht am und zuletzt geändert am .


Zitat(e) aus dem Buch

  • "Ich habe keine Zeit für Geduld! Ich sterbe! Alles, alles war umsonst!"
  • "... Viele Mächte, menschliche und nichtmenschliche, haben schon um den jungen Badak-An-Bughar gekämpft, und noch bevor er geboren wurde, war er das Opfer von Intrigen. Das Schicksal ist jedoch nicht grausam [...] und so hatte Badak-An-Bughar immer wieder die Gelegenheit zu entscheiden, welchen Weg er einschlagen will. Denn das ist es, was ein Menschenleben ausmacht: die Entscheidungen. ..."
  • Das Wasser machte keinen Unterschied zwischen Gut und Böse, lebendig oder tot, zwischen Mensch oder Tier, zwischen Kind, Mann oder Frau - es nahm alles mit sich fort.

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